Interne Ermittlungen

Bahn tauscht Lokführer aus, dessen ICE nicht in Freiburg gehalten hat

Lena Konstantinidis

Am Sonntag fuhr ein ICE durch den Freiburger Hauptbahnhof, ohne anzuhalten. Die Bahn reagierte – und tauschte beim nächsten Halt in Offenburg den Lokführer aus.

Nach wie vor ist unklar, warum der ICE 108 von Basel nach Berlin am Sonntag um 11.57 Uhr durch den Freiburger Hauptbahnhof fuhr ohne anzuhalten.


Alle Daten für den Freiburg-Halt waren gut lesbar auf dem sogenannten "Buchfahrplan" im Zugführerstand zu sehen – einem detailgenauen Fahrplan, der heutzutage nicht mehr als Buch, sondern auf einem Monitor mitzulesen ist. Die Bahn ermittelt nach dem Vorfall intern, hält sich zu den Ergebnissen allerdings noch bedeckt. Fest steht, dass der Lokführer des Zuges beim nächsten – fahrplanmäßigen – Halt in Offenburg ausgetauscht wurde.

Offenkundig ist, dass bei der Fahrt des Zuges aus der Schweiz in Richtung Norden etwas schiefgelaufen ist. Joachim Reinke, Pressesprecher der Deutschen Bahn AG in Stuttgart, schloss in einer ersten Stellungnahme am Dienstag technische Ursachen für den Nicht-Halt allerdings aus. Der Zugverkehr werde im Normalfall durch Lichtsignale geregelt, erklärte er, analog zur Ampelregelung im Straßenverkehr: Rotes Licht bedeutet "Halt", grünes, blinkendes Licht "Fahrt", bei gelbem Licht muss der Lokführer bereit sein, anzuhalten. Und bei gestörten oder gar ausgefallenen Lichtsignalen orientiert sich der Lokführer an Schildern, die den Zugverkehr in solchen Fällen regeln.

Gab es ein falsches Lichtsignal oder lag menschliches Versagen vor?

Die Deutsche Bahn nimmt möglicherweise menschliches Versagen als Grund für den verpassten Halt an, darauf deutet zumindest das Auswechseln des Lokführers beim nächsten planmäßigen Zughalt in Offenburg hin. Offiziell ist bislang nichts, aber Bahnsprecher Reinken verweist darauf, dass die internen Ermittler bei der Ursachensuche fündig geworden sind. Vorläufig möchte er jedoch noch nichts Konkretes bekannt geben. Möglich ist – außer einem Fehlverhalten des Lokführers – auch ein falsch gestelltes Lichtsignal, das dem Zug die Durchfahrt erlaubt hätte.

Klar ist jedenfalls, dass der Lokführer den Zug erst wieder in Offenburg zum Halten bringen durfte: Eine Notbremsung kurz hinter dem Bahnhof oder ein außerplanmäßiger Stopp an einem anderen Bahnhof ist nach einer versehentlichen Durchfahrt am Haltebahnhof verboten. In Offenburg wäre die ungeplante Durchfahrt übrigens erklärbarer, so ein Bahnsprecher: "Wo alternierend gehalten oder durchgefahren wird, wie in Offenburg und Baden-Baden, ist zumindest eine Verwechslung vorstellbar." Zu den weiteren Folgen für die Bahnreisenden äußert sich die Pressestelle der Bahn auf Nachfrage bislang nicht – etwa wie viele Kunden Schadenersatzansprüche haben oder ob schon irgendwelche Wiedergutmachungen stattgefunden haben.

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