Konzert

Bahar Kizil tritt in Freiburg als Straßenmusikerin für einen guten Zweck auf

Bernhard Amelung

Bahar Kizil, Mitglied der einstigen Girlgroup Monrose, ist aktuell als Straßenmusikerin auf Tour und sammelt Spenden für einen guten Zweck. An diesem Freitag hat sie ein Konzert in der Freiburger Innenstadt gegeben. Wie’s war?

Von der Straße auf die große Bühne. So verlaufen Karrieren nach dem Poplehrbuch.

Dieses hat Bahar Kizil längst durchgespielt, und dabei auch das eine oder andere Kapitel übersprungen. Vier Alben hat sie von 2006 bis 2011 zusammen mit Mandy Capristo und Senna Guemmour als Monrose veröffentlicht. Hervorgegangen aus der Castingshow Popstars gehört das Trio bis heute, auch acht Jahre nach der Trennung, zu den erfolgreichsten deutschen Girlgroups.


An diesem Freitagmittag steht die 30-Jährige zwischen der Buchhandlung Walthari und der Gaststätte Schwarzer Kater. Studierende laufen mit Büchern unterm Arm vorbei. Touristen essen Schnitzel und trinken Weißbier. Montags kann man hier auch gegen Hartz IV-Gesetze und Sozialabbau demonstrieren. Mehr Freiburg geht fast nicht. Wo wenn nicht hier sollte man seine Karriere als Singer-Songwriter beginnen.



Bahar Kizil trägt schwarze Jeans, weißes T-Shirt und einen mit Blumen bestickten Kimono. In einer Hand hält sie ein Mikrofon. Führt sie es zum Mund, rutscht der Ärmel des Kimonos runter und lässt eine Tätowierung auf ihrem Unterarm erkennen. Schön, dass so viele gekommen seien, sagt sie. "Ihr könnt auch einfach nur chillen. Ich freue mich." Sie lacht. Ihr Lachen ist freundlich, warm und wirkt ansteckend.

Ein warmes Soul-Timbre zeichnet auch ihre Stimme aus, mit der singt sie, lediglich begleitet von einem Gitarristen namens Jakob, Soul-Klassiker eines Stevie-Wonder-Hits aus ersten Monrose-Tagen und "C’est ma vie", ihr neuester Song.

Mit diesem Repertoire ist Bahar Kizil aktuell auf Tour durch Deutschland, ihre erste als Straßenmusikerin. Sie tritt auf als Botschafterin des Bundesverbands Kinderhospiz e.V., der Dachverband der ambulanten und stationären Kinderhospize in Deutschland. Die Tour führt sie durch fünfzehn Städte in zehn Tagen, darunter Berlin, Nürnberg und München. Am Sonntag 14. Juli, geht die Tour mit einem Konzert in Düsseldorf zu Ende, wo sie seit rund einem Jahr auch lebt.

Auch der KOD möchte ein Selfie

Rund 60 Menschen bleiben an diesem Freitagmittag stehen und hören ihr zu. Sie nehmen die Songs mit ihren Smartphones auf und machen Selfies mit der Sängerin – gegen eine Spende für den Bundesverband Kinderhospiz e.V. Im Hintergrund zu hören: Das atonale Rattern der Straßenbahnen, das so gar nicht in das harmonische Gerüst der eingängigen Popsongs passen mag.

"The place in me here in the bad girls section, I got a new dress and that looks perfection, I mean to do so a hot producer, but I can tell he's just a stuck up loser", singt Bahar Kizil jetzt. Es ist die erste Strophe des Monrose-Songs "Hot Summer" aus dem Jahr 2007. Manche der Zuhörerinnen und Zuhörer klatschen, einige wenige stimmen in den Refrain ein.

Die Straßenbahnen gehören genauso zum Bild der Freiburger Innenstadt wie die Mitarbeiter des Kommunalen Ordnungsdienstes, die jetzt ebenfalls auftauchen und verhindern, dass die Zuhörerinnen und Zuhörer von den Bahnen erfasst werden. "Obacht", sagt einer. "Die Tram kann nicht ausweichen", sagt sein Kollege. Dann bitten auch sie Bahar Kizil um ein Selfie. Mehr Freiburg kann man in einer Mittagspause nicht bekommen.
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