Bäume, die Heuschnupfen und Allergien auslösen, bald vor der Unibibliothek?

Simone Höhl

Die Stadtverwaltung will an der Unibibliothek Purpur-Erlen pflanzen, denn der Baum ist schmuck und verträgt das Stadtklima. Allerdings vertragen ihn Allergiker nicht. Die Erle kann schon an Weihnachten blühen. Ärzte raten ab, sie zu pflanzen. Und die Stadt überlegt nochmal.



Im Zug des Umbaus für die neue Stadtbahn über den Rotteckring will das Amt im Winter vor der UB acht Purpur-Erlen pflanzen. Die Bäume haben tolles Laub, nette Blütenkätzchen und kein Problem mit Wärme und Straßenrandlage. Aber Alnus spaethii, die robuste und einst beim Berliner Späth gekreuzte Sorte, ist in anderer Hinsicht problematisch. "Diese Züchtung blüht besonders früh", sagte am Montag Christina Endler vom Zentrum für Medizinisch-Meteorologische Forschung in Freiburg, den Pollenflugexperten des Deutschen Wetterdienstes. Die Purpur-Erle kann schon Ende Dezember viele Pollen abgeben, die klassische Erle blüht erst ab Februar. "Damit macht man Allergikern überhaupt keine Freude." Endler weiß von Problemen im Nordwesten Deutschlands und in der Schweiz.


Im städtischen Bereich raten Fachmänner von den Bäumen ab

Eine Schweizer Studie hat gezeigt, dass Kinder im Ort Grabs schon an Weihnachten Heuschnupfen hatten und der Auslöser eine neue Purpur-Erlen-Allee war. "Vor der Pflanzung war nichts", sagte Thilo Jakob. Er leitet die Allergologie-Ambulanz der Uniklinik und kennt die Arbeit seines Kollegen Markus Gassner, über die 2013 das wichtigste Fachmagazin berichtete, das "New England Journal of Medicine". Demnach nahm die Sensibilisierung der Kinder auch zu. "Es ist schon ein deutlicher Hinweis, dass man diese Pflanze nicht im städtischen Bereich nutzen sollte", sagte der Professor.

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[Foto: Rita Eggstein]