Bäckerbote: Frühstücksbringdienst im Test

Shirin Saber

Sonntag ist Ruhetag. Und das beginnt schon beim Frühstück. In aller Gemütlichkeit Kaffee, Zeitung und frische Sonntagsbrötchen genießen – dafür muss man jetzt sogar nicht mal mehr zum Bäcker gehen. Der Frühstückdienst vom Bäckerboten bringt einem die gewünschten Backwaren bis an die Tür – und das schon ab einer Bestellung von nur einem einzigen Brötchen. Das haben wir getestet.



Als ich am Sonntag aufwache, fühle ich mich wie ein kleines Kind am Geburtstagsmorgen. Oder besser noch: wie ein kleines Kind vor der Bescherung.


Aufgeregt laufe ich barfuß zur Tür, spähe durch den Vorhang nach draußen und tatsächlich, da sind sie: Meine Sonntagsbrötchen. In zwei große Plastiktüten verpackt, hängen sie an der Türklinke. Schokocroissants, Rosinenbrötchen, Brezeln, Mohn-, Sesam- und Körnerweckle.

Ein Blick in die („frischeversiegelten“) Tüten zeigt mir: Die Lieferung entspricht haargenau meiner Bestellung. Zusätzlich hat mir der „Bäckerbote“ – wie am Telefon versprochen – sogar noch eine „kostenlose Probe“ in Form eines Buttercroissants und Sonntagsbrötchens hineingetan. Ich bin entzückt. Die Lieferung lief also schon mal einwandfrei.



Dabei war ich am Donnerstag noch etwas skeptisch, als ich die Brötchen telefonisch bestellte. Der junge Geschäftsführer am anderen Ende der Leitung zeigte sich überaus freundlich und bemüht. Er versicherte mir, die Backwaren würden pünktlich um sechs Uhr morgens direkt an die Tür gebracht – und das, ohne mich zu wecken.

Ich diktierte ihm Name, Straße, Hausnummer und E-Mail-Adresse (an welche die Rechnung gehen sollte) und war gespannt.

Auf der Website des Bäckerboten hatte ich mir zuvor meine Wunschbrötchen herausgesucht. Unter „Bestellung“ findet man dort das gesamte Sortiment samt Preis, übersichtlich aufgelistet. Ein bisschen schade: Manche Backwaren sind nur unter der Woche erhältlich, wie zum Beispiel die Plunderteilchen oder das Laugen-, Mohn- oder Sesamcroissant.



Auch sofort erkennbar: Unter der Woche sind die Brötchen einige Cent günstiger als am Wochenende. Doch selbst sonntags sind die Preise mit beispielsweise 50 Cent für ein Mohn- oder Sesambrötchen, 50 Cent für einen Laugenknoten und 1,25 Euro für ein Nougatcroissant noch ziemlich im Rahmen. Da ist auch die Liefergebühr von 0,59 € pro Lieferung nicht weiter dramatisch. Meine anfängliche Skepsis schien also völlig unberechtigt gewesen zu sein. Die Brötchen hatten den Weg zu mir gefunden und bisher gab es nichts zu beanstanden.



Geschmackstest

Meine WG-Mitbewohner erklären sich freundlicherweise dazu bereit, mich bei diesem kritischen Unterfangen zu unterstützen. Schnell ist der Tisch gedeckt und das Sonntagsfrühstück kann beginnen. Zu fünft kämpfen wir uns durch den Brötchenberg. Als Tester gilt es schließlich, von jeder Sorte mindestens eines zu probieren, um sich ein vernünftiges Urteil bilden zu können.

Und das fällt dann folgendermaßen aus: Die Brötchen schmecken gut – nicht unbedingt besser, aber auch auf keinen Fall schlechter als bei jedem Bäcker. Unsere Favoriten sind eindeutig die Nougatcroissants und die Rosinenweckle. Letztere sind nicht nur fluffig-weich, sondern sogar noch mit Zucker bestreut. Damit hat meine kindliche Euphorie eindeutig ihren Höhepunkt erreicht.



Service

Der Service des Bäckerbotens ist – zumindest in dieser Form – einzigartig. Zwar liefern diverse Bäckereien oder Catering-Firmen auch aus, das dann allerdings oft nur bei Großbestellungen von Unternehmen oder für Firmenfeiern. Bei dem Versuch, noch woanders Brötchen zu bestellen, bin ich kläglich gescheitert. Sobald ich am Telefon Formulierungen wie „für mich und meine WG“ erwähnt habe, kam entrüstet zurück: „Was denken Sie sich eigentlich? Das würde sich für uns doch überhaupt nicht lohnen, wegen ein paar Weckle extra rauszufahren…“

Inwiefern es sich für den „Bäckerboten“ lohnt, vermag ich nicht zu beurteilen. Immerhin fährt er „extra raus“, und das schon bei einer Bestellung von nur einem Brötchen.



Als mich der Geschäftsführer am Montagnachmittag anruft und mich um ein kurzes Feedback über die Brötchenlieferung bittet, teile ich ihm ehrlich meine vollste Zufriedenheit mit.

Nur den Brotaufstrich und den Kaffee mussten wir vorher selber einkaufen. Auch das soll bald nicht mehr nötig sein: Ab Oktober will der „Bäckerbote“ Kaffee, Marmelade, Nutella, Säfte und Müsli ausliefern. Dafür brauche er allerdings noch die entsprechende „Lizenz“, erklärt mir der türkische Geschäftsführer.



Im Übrigen habe ich an keiner Stelle am Telefon erwähnt, dass ich eine „Frühstücksdienst-Kritik“ schreibe. Diesen Service bekommt also scheinbar jeder Kunde geboten – nicht nur fudder-Mitarbeiter.

Wer weiß, vielleicht wird einem das Frühstück ja bald nicht mehr nur noch an die Tür, sogar direkt ans Bett gebracht. Das wäre dann wirklich Luxus.

Mehr dazu:

Bäckerbote Freiburg – Frühstücksdienst
Bestellungen Mo.–Fr. von 6–14 Uhr
Telefon: 07642/ 920 18 96
E-Mail: baeckerbote@googlemail.comWebsite