Badische-Band-Namenskunde (23): Letten im Weltall

Kristina Bieda

Warum heißen Bands aus dem Breisgau so, wie sie heißen? fudder fragt regelmäßig eine Band aus der Region, wie ihr Band-Name entstanden ist und was er zu bedeuten hat. Außerdem gibt's mp3-Hörproben und insiderisches Angeberwissen rund um die Bands. Heute: Letten im Weltall






Was hat euer Bandname zu bedeuten?

Fizzy: „Letten“ und „Weltall“: Ersteres verweist auf unsere Abstammung; letzteres auf unser großes Vorbild, den Kosmonauten Aleksandr Czaks.
EPS: Der Name ist auch symbolisch zu verstehen. Einerseits soll das Raumfahrtbild verdeutlichen, dass wir steil gehen wie eine Rakete, andererseits dass wir ein möglichst umfassendes, grenzübergreifendes musikalisches Konzept verfolgen.



Wie ist euer Bandname entstanden?


EPS:
Er entsprang einem der zahlreichen Geistesblitze meines Partners Fizzy, dessen Kommentare auch ansonsten zumeist Meilensteine der westlichen Kultur darstellen.
Fizzy: Wir saßen bei einem Poetry Slam in Freiburg und der Moderator bat das Publikum, irgendwelche Wörter in den Raum zu schmeißen. Was konnte da wohl geeigneter sein als der „Lette im Weltall“.

Wie ist eure Band entstanden?


Fizzy:
Wir haben uns 2002 auf der legendären gimene-Jam in Riga kennengelernt. EPS lebte damals noch auf dem Bauernhof seiner Oma in der Nähe der Hauptstadt. Ich war auf Heimaturlaub, um Verwandte zu besuchen.
EPS: Beim Rappen sprang der Funke über und wir beschlossen bald, gemeinsam an den Start zu gehen. Unser erstes Demo, Czakls Berns, veröffentlichten wir 2005.




Stilrichtung?


Fizzy:
Wir lassen uns im Groben irgendwo zwischen Rap-Folklore und Hiphop-Volkslied einordnen. Ursprünglich stammten alle unsere Samples aus lettischen Volkstänzen wie Ribna, Mengna, natürlich auch Polka. Diese Elemente sind auch heute noch für unseren Stil charakteristisch.



Name, Alter, Herkunft, und Instrumente der Mitglieder

  • Fizzy Fresh: Holger, 25, Riga, Mikrofon und Sampler
  • ErstePersonSingular: Axel, 23, Mikrofon, Bratpfanne und Kochlöffel, manchmal auch Dudelsack

    Dann sollten wir auch unsere Live-Band „The Mizzlers“, alles Studenten von der Musikhochschule Hannover, erwähnen:
  • H-Mizzle: Drums
  • Malt Disney: Piano
  • Bass Ventura: Bass
  • First Priest: Trompete und Flügelhorn





Proberaum?


EPS:
Anfangs im Hühnerstall meiner Oma. Das Geschnatter schlug sich aber negativ auf die Qualität der Aufnahmen nieder. Einer der wichtigsten Gründe übrigens, warum wir nach Deutschland umgesiedelt sind.
Fizzy: Zur Zeit besetzen wir das Studio von Echo FM, vor allem am Wochenende und nachts, wenn nicht gesendet wird.



Idole und Helden

Alksandr Czaks, der erste und leider auch einzige lettische Kosmonaut.
EPS: Für mich auch noch Bushido, Azad und Rolf Zuckowski.



Bisherige erwähnenswerte Auftritte?


Fizzy:
Der mit Abstand krasseste war bestimmt in meinem Heimatdorf Bodenteich. Wir spielten mit den Mizzlers im Schützenhaus auf einem dreißigsten Geburtstag. Vor uns legte ein Typ namens „DJ Uli“ Kracher von Eiffel 65 bis Mr. President auf. Als wir drankamen, waren die Leute schon gut in Fahrt. Wir haben echt gerockt – na ja, fünf Lieder lang. Dann wurden wir  freundlich gebeten, wieder DJ Uli den Vortritt zu lassen. Der Abend war auch in manch anderer Hinsicht seltsam.

EPS:
Ja, das war definitiv der schlimmste Auftritt. Wo wir allerdings immer verdammt gern spielen, ist Karlsruhe. Die Szene dort ist sehr locker, das Publikum offen und es gibt echt einen Haufen richtig derber Künstler.



Nächste Konzerte?


EPS:
Für November ist unsere Album-Release-Party in Freiburg angesetzt. Vielleicht werden wir auch auf Herbert Grönemeyers nächster Tour im Vorprogramm spielen. Näheres wird noch bekannt gegeben.



Was steht sonst noch so an?


EPS:
Wie gesagt, unser Album „Zum Abschuss bereit“ steht in den Startlöchern. Neben Humor und Abwechslung versprechen wir dem Hörer spirituelle Erleuchtung und die Lösung von Hautproblemen.

Fizzy:
Ansonsten betätigen wir uns gerade politisch. Wir planen eine Petition an den Papst, mit dem Ziel, den lettischen Heiligen Sanktis Viktualis Sventjivs, der im ausgehenden 16. Jahrhundert kranke Menschen durch Vodkasalbungen heilte, selig zu sprechen. Das ganze soll eine groß angelegte Medienoffensive werden. Außerdem werden im Oktober die Arbeiten für das nächste Album begonnen. Zu diesem Zweck sperren wir uns erst mal eine Woche lang in einer Einzimmerwohnung an der Ostsee ein und sind ganz arg kreativ.
Soundfiles: