Badische-Band-Namenskunde (17): The Rottentoy

David Weigend

Warum heißen Bands aus dem Breisgau so, wie sie heißen? Wir fragen regelmäßig eine Band aus der Region, wie ihr Band-Name entstanden ist und was er zu bedeuten hat. Außerdem gibt's insiderisches Angeberwissen rund um die Bands. Heute: The Rottentoy.



Wie ist euer Bandname entstanden?
Im Plenum. Der Vorschlag kam vom Ex-Schlagzeuger. Was er sich dabei gedacht hat, wissen wir nicht. Wir fanden "Rottentoy" einfach vom Klang her gut.


Was hat euer Bandname zu bedeuten?
Rotten klingt ein bißchen punkig. Das passt gut zu uns. Toy, Spielzeug, verspielte Musik. Wir machen ja keinen straighten Punkrock, sondern basteln auch mal nen Reggaepart rein. Wir vermurksen Triolen mit Vierteln. Wir spielen auch mit schrägen Tönen. Man hört bei uns oft den Tritonus.

Wie ist eure Band entstanden?
Wir sind eine Zypressen-Annoncenband. Nur Kathrin (Sängerin) haben wir über Freunde kennengelernt. Joscha (Bass) hat diese Anzeige aufgegeben: "Musiker gesucht für Punk und Funk."

Inzwischen haben wir einen neuen Schlagzeuger und eine neue Sängerin. Die alte war unzuverlässig und ist betrunken zu den Konzerten erschienen.



Wann gegründet?
Januar 2003

Name, Herkunft, Instrument der Mitglieder

  • Joscha / 34, Göttingen, Bass / Softwareentwickler, Plattenboss
  • Martin / 26, Heilbronn, Schlagzeug / Studium Lehramt Mathe, Physik
  • Kathrin / 32, Brandenburg, Gesang / Studium Sportwissenschaften, Praktikantin vom Plattenboss
  • Maik / 40, Mosbach, Gitarre / Elektroingenieur, lötet seine Verstärker selber

Proberaum?

Wahrscheinlich einer der besten in Freiburg. Mit Küche und Abstellraum, Fenster und Sonnenlicht, ebenerdig. Der Proberaum liegt in St. Georgen. Nachbarn gibt es keine, wir können die ganze Nacht Krach machen.



Idole und Helden?
Joscha
: Meine Einflüsse waren zunächst mal Papas Schallplatten: Bluesrock, Cream, Beatles. Ich mag Livemusik. Sehr gut fand ich zum Beispiel Living Colour im Jazzhaus.

Martin
: AC/DC. Die habe ich auch in Mannheim gesehen, in der Maimarkthalle. Unglaubliches Konzert. Ansonsten: Chilli Peppers, Muse, Ska.

Kathrin
: Ich habe mich erst nach dem Studium für Musik interessiert. Meine erste Band ging Richtung Folk. Es war dann für mich am Anfang nicht leicht, mich bei diesen Freaks (schaut ihre Kollegen an) musikalisch zu orientieren.

Merkwürdigster Text?


Auf dem jetzt erscheinenden, dritten Album "Lasseskrachen" gibt es den Titel "Nitschewo". Das ist russisch und heißt "Nichts". Der Text ist phrasenhafter Nonsense. Keine Geschichte. Geht vielleicht ins Spirituelle. Den Refrain singt Kathrin einmal auf Russisch, einmal auf Englisch und einmal auf Italienisch.

Im Vers kommt ein Kurzwellensender mit flirrendem Rauschen. Abgefahren. Musik, wie wenn einer aus einer brennenden Stadt rausfährt. Das mit der Vielsprachigkeit findet sich auf der ganzen CD.



Art Work des neuen Albums?
Florian, ein 12jähriger Freund der Band hat unsere Musik gehört und drauflos gemalt, und "Lasseskrachen" in Feuerbuchstaben dazu geschrieben (siehe oben). Dieses Bild hat er uns geschenkt. Es ist zum Cover des neuen Albums geworden.

Stil?
Frei, zügellos. Keiner in der Band soll sich irgendwelchen Regeln beugen. Die Frage haben wir uns noch nie gestellt.

Sonderbarster Auftritt?
Der war im Arcanoa in Berlin, Januar 2006. Sehr klein, nicht mal 20 Sitzplätze. Alles vollgebaut mit mittelalterlichen Sachen. Überm Tresen gab es eine Vertiefung mit einem Bachlauf.

Wir waren geplant als Support für zwei andere Bands. Beide sind ausgefallen. So wurden wir Headliner. Es war super. Wir mussten ganz leise spielen. Dadurch kam eine besondere Stimmung auf. Man hat mehr Feinheiten gehört. Übernachtet haben wir dann in einem Jugendzentrum in Marzahn.



Nächstes Konzert?
Heute Abend (25. Mai), 21 Uhr im Waldsee: CD-Release-Party; 3 Euro; danach Party mit den DJ Canonie & Nico la Bart (Indie, Pop, Rock)

Internet:

(mit allen Songs zum Runterladen)

Rottentoy

Foto-Credits: Gernot Ebert, Florian (Zeichnung)