Badische Band-Namenskunde (12): Geschmeido

Sophie Guggenberger

Warum heißen Bands aus dem Breisgau so, wie sie heißen? fudder-Autorin Sophie fragt regelmäßig eine Band aus der Region, wie ihr Band-Name entstanden ist und was er zu bedeuten hat. Außerdem gibt's Hörproben und insiderisches Angeberwissen rund um die Bands. Heute: Geschmeido - Pop-Musik, die sich zusammensetzt wie "ein Stabilo-Baukasten, und am Schluss sieht das dann aus wie ein wunderschöner Leuchtturm, der oben ganz stark glänzt, aber auch so ein paar komische Ecken hat, die nicht ganz logisch sind." (Philippe Frowein, Geschmeido).



Wie ist euer Bandname entstanden?

In einer Tiefgarage.

Was hat euer Bandname zu bedeuten?

Die Band selbst empfiehlt die asiatische Sprechweise: "Gye ch'Mai Doa" - unglaublich, aber wahr. Tatsächlich ergibt sich hier eine obskure Bedeutung. Der Dreisilber heißt auf Mandarin soviel wie "Mittag, lang" oder "Lange Mitte des Tages". Im chinesischen Sprachgebrauch wird diese Kombination aber eher als Gemeinplatz verwendet, im Sinne von "Halte den Rücken gerade", oder "Bald ist Feierabend".

Die Band sieht diesen seltsamen Namen als sportliche Hürde für das Marketing im deutschsprachigen Raum. Frank Sinatra würde singen: "If I can make it with this name, I'll make it with every name, it's up to you, Geschmeido Geschmeidoooohhhh...!"

Und tatsächlich - in der Vergangenheit konnten auch Musikgruppen mit äußerst unvorteilhaften Namen große Erfolge feiern, wie beispielsweise U2, The Doors, The Beatles, Reamonn u. a.

Französischsprachige Fans der Band finden diesen Namen übrigens sexy, wohlklingend und äußerst anziehend!



Wie ist eure Band entstanden?
Teils aus Zufall, teils durch Casting, teils durch Zwangsverpflichtung.

Geschmeido sind heute eine cosmopolitane, großstädtische Band, die sogar Fans in Tokyo, Montréal und New York vorweisen kann und musikalisch das "Kellerjammen" und vor allem das Kiffen längst hinter sich gelassen hat. In den Berliner Wohnungen der Bandmitglieder sieht man viele Kunstbände, "Le Creuset"-Küchengeräte und Werke befreundeter bildender Künstler, jedoch kaum Zeugnisse ihrer bäuerlichen Herkunft. Es wäre für Geschmeido aber falsch, hier einen auf "schon immer cool" zu machen und die hochprovinziellen Wurzeln zu leugnen.

Wie es wirklich war [jeder kann es schaffen]: Stefan Schlachter (Foto oben: 2.v.l.) und Philippe Frowein (1.v.l.) haben sich bei einem Lagerfeuer in der Kiesgrube Weil am Rhein (Ost) kennen gelernt.

Ursprung ihrer musikalischen Zusammenarbeit sind die legendären Jam-Sessions im Bahnwärterhüsle in Efringen-Kirchen, wo in acht Metern Entfernung der IC Basel-Karlsruhe im Stundentakt mit 150 Stundenkilometern vorbeidonnerte – und wo unter anderem der alemannische Songwriter Rainer Sedat sich mit den beiden anfreundete, von dem Philippe viel lernte. Sedat hatte jedoch eigene Pläne für die Zukunft.

Für die Schlagzeugersuche wurde ein Casting organisiert, das bereits beim ersten Bewerber wieder abgebrochen wurde, denn hier war er: der bestgeduschte Pop-Schlagzeuger, den Südbaden zu bieten hatte und noch immer erfolglos zu ersetzen versucht: Stefan Wittich (ganz rechts).

Franz Frowein (2.v.l.) wurde von seinem Bruder Philippe gezwungen, das durchaus erfolgreiche Projekt "Kicking Edgar Allen Poe" zu verlassen und die zweite Gitarre bei Geschmeido zu spielen.



Kernpunkt und Zusammenhalt der Band war über lange Jahre das "Mixdiemotions"-Studio in Freiburg, in der Nähe des Seeparks. Nicht weit auch ein Aldi. Sozusagen das "Abbey Road" für arme Bobbele. Dennoch so nützlich, dass alle Bandmitglieder sich regelmäßig eintrafen, um zu proben und aufzunehmen. Die damals humanen DB-Preise und die Nachlässigkeit der Schaffner ermöglichten es Philippe, oft die Reise aus Stuttgart zu wagen, wo er zufällig wohnte, warum, weiß man heute nicht mehr so genau.

Philippe hatte über beinahe zehn Jahre Stuttgart als musikalische Szene-Homebase fest im Griff, musste jedoch aus familiären Gründen nach Berlin übersiedeln, wo zu seiner Überraschung Stefan Wittich bereits seit mehreren Monaten zur Probe wohnte. Den beiden übrigen Mitgliedern wurde im Rahmen von zwei Besuchswochenenden der alte Berlin-Charme vorgegaukelt. Dies reichte aus, um ihre prekären Existenzen von der Sonne in die Diesigkeit Brandenburgs zu verlegen. Und so ging das immer weiter.

Hätte man den Jungs damals in der Kiesgrube gesagt, eines Tages würde ihnen Nick Cave nach einem Konzert in Bonn zurufen: "I love your Sound!", hätten sie wohl gefragt: "Wär isch denn des?"



Bandname: Geschmeido

Namen, Alter, Instrument der Mitglieder:

  • Philippe Frowein, 33, Songs, Vox, Git, Keys
  • Franz Frowein, 32, Git
  • Stefan Schlachter, 33, Bass
  • Stefan Wittich (Alter unbekannt), Drums
Wann gegründet: ca. 1996, Vorgeschichte startet ab ca. 1990

Proberaum: Mila Studios Berlin

Bislang wichtigste/schlechteste/spannendste/sonderbarste Auftritte/Tour:
  • seltsam - Frühstückskonzert in Schaffhausen
  • schlimm - A town called Rosenheim
  • besonders schön - Köln Gloria mit "Pavement", Mainz Galerie, 99'er Tournee mit "Solex"
  • spannend - Kaserne Basel Anniversary Spezial Gathering (Geschmeido spielt Gainsbourg)
Idole/Helden: Marcel Duchamp, Erich Kästner, Tom Verlaine, Robert Wyatt, Serge Gainsbourg, Kelis, Franz-Josef Degenhard, Joe Meek, Raymond Queneau



Stilrichtung:
Pop

Nächste Tourdaten/Konzerte:
18. Mai - Münster, AMP
19. Mai - Hamburg, Knust (Achtung: Frühshow!)
20. Mai - Potsdam, Live bei KenFM im Radio Fritz Studio, nachmittags (Eintritt frei!)
20. Mai - Berlin, Maschinenhaus

Was steht sonst aktuell gerade an: Der Frühling in Berlin!

Internet: Website& MySpace & Hörproben



Mehr dazu:

fudder-Interview: Geschmeido - Mut zur Harmonie

Video: Geschmeido - "Auf Wiedersehen"