Babylon Circus: Geiler Gig im Jazzhaus

Annabelle Steffes

De la musique et du bruit (Musik und Lärm) – nicht nur der Titel eines Hits von Babylon Circus, sondern auch Bühnenkonzept der neunköpfigen Combo aus Lyon. Annabelle stand im euphorisierten Publikum und hatte obendrein die Gelegenheit, mit Sänger David Baruchel zu sprechen.



Über zehn Jahre schon ziehen die neun Bandmitglieder von Stadt zu Stadt, ihre Konzerte sind stets ein Erlebnis. Wie im Zirkus peppen sie ihre Shows mit Clownerien, Pantomime und witziger Improvisation auf. Die kraftvollen, manchmal sogar politischen Texte ihres Albums „dances of resitance“ tun ihr Übriges.


Anfang 2009 meldete sich das Musikerkollektiv mit ihrem vierten Album La belle Étoile zurück. Mit dieser Scheibe legen Babylon Circus mit ihrer schwungvollen und energiegeladenen Mischung aus Dub, Ska, Punk, Balkan-Swing und Chanson ein abwechslungsreiches Album hin, das allerdings weniger politisch ist als sein Vorgänger. Die Songinhalte entwickelten sich von Alltags- zu Liebesgeschichten (siehe Interview) hin zu kleinen Bonnie & Clyde-Stories. Alles verpackt in wundervollen Melodien zwischen Esprit & Melancholie und einer Menge Rhythmus.



Gerade die beiden Ohrwürmer "Nina" und die erste Single "Marions-nous" (Lass uns heiraten) heizten dem Publikum am Samstag gut ein. Sänger David setzte noch einen drauf. In gutem Deutsch quasselte er unentwegt und brachte auch den Letzten zum Tanzen.

Gesungen wird auf Englisch und Französisch. Die Mehrsprachigkeit ist der Band sehr wichtig, allerdings wollen sie sich in erster Linie durch die Musik ausdrücken. Das ist ihnen vorgestern auf jeden Fall gelungen. Ausgepowert, aber glücklich standen die Fans noch lange für Autogramme an, bevor sie den babylonischen Zirkus weiterziehen ließen.



Interview mit David Baruchel, Sänger bei Babylon Circus


David, ihr seid zahlreich in der Band, wie laufen die Proben bei euch ab?

Wenn du mich so fragst, ein bisschen chaotisch. Wir reden und lachen viel, es herrscht gute Stimmung! Und irgendwann raffen wir uns dann auf und arbeiten.
Manchmal ist es schwierig, Termine zu finden. Ein Teil der Band wohnt in Paris, der andere in Lyon – wir pendeln zwischen den beiden Städten.

Wer schreibt die Songs?

Meistens Manu und ich. Wir wollen Geschichten erzählen und von unseren Erlebnissen berichten. Wenn der Text einmal fertig ist, setzen wir uns mit den restlichen Jungs zusammen und jeder mischt mit. Oft arbeiten wir auch mit anderen Künstlern zusammen. Zum Beispiel mit Mickey 3D haben wir schon einiges gemacht.

Wie kommt es, dass du so gut deutsch sprichst?

Ich habe Deutsch in der Schule gelernt und die Sprache und das Land immer gemocht. Deutschland ist übrigens eines der ersten Länder in dem wir aufgetreten sind.



Was bedeutet dir die Musik?

Ich wollte schon als Kind Musiker werden und jeden Abend fühlt es sich an, als stünde ich zum ersten Mal auf der Bühne. Die Musik ist wie ein Universalschlüssel. 2003 waren wir zum Beispiel einen Monat lang in Syrien. Wir haben zwei Gratiskonzerte gegeben und trotz der verschiedenen Sprachen konnten wir mit unserem Publikum kommunizieren. Musik ist etwas ganz Besonderes, da sich alles in ihr vermischt: Gefühle, Stimmungen und Meinungen.

Wie ist der Name eurer Band entstanden?

Das war Zufall. Im Französischen gibt es eine Redewendung: c’est quoi ce cirque bedeutet so viel wie "Was soll denn der Quatsch?" Einer von uns sagte diesen Satz, als wir abends in einer Bar waren. Damit war ein Teil des Namens gefunden. Babylon haben wir wegen der Geschichte gewählt: Plötzlich konnten alle Menschen einander verstehen und wie gesagt, darin sehe ich den Sinn und vielleicht sogar die Aufgabe der Musik.

[Fotos: Jan Funk]

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