Baby-Pogo: "Zauberglanz" veranstaltet Partys für Kinder

Rebekka Sommer

Michaela Mwinyi liebt Kinder. Also gründete sie die Kinder-Eventagentur "Zauberglanz", die mit pädagogisch sinnvollen Partyinhalten wirbt. Jetzt startet sie eine kleine Festreihe für Kinder von Windelpo- bis Zahnspangenalter. Rebekka hat die erste dieser Partys besucht und sich gefragt, welcher pädagogische Mehrwert dahinter steckt.



Ausgerechnet eine Halloweenparty: Für Viele ist das Gruselfest der Inbegriff von Kommerz. Seit Wochen stapeln sich Geister- und Feenkostüme in den Eingangsbereichen von Kinderfach- und Supermärkten. Deko-Spinnen wollen gekauft und Fledermausweingummis dringend verzehrt werden – von unseren Kindern, die keine Unterscheidung machen zwischen gutem und schlechtem, zwischen „Konsum“ und „Konsum“.


Gibt es den Unterschied überhaupt? Zumindest war Halloween bislang für mich eine Randerscheinung gewesen. Noch nie war mir aufgefallen, wie sehr das Fest zum Allgemeingut gehört. Ohne die Frage nach dem Sinn oder Unsinn einer Halloweenparty für Kindergartenkinder gelöst zu haben, befinde ich mich auf dem Weg ins Umkircher Industriegebiet, wo „Zauberglanz“ die Disco Zouti angemietet hat, um auf pädagogisch sinnvolle Weise Halloween zu zelebrieren.

Eineinhalb Stunden vor Einlass sieht hier noch nichts nach Kinderparty aus. Im Hof gruppieren sich ein paar Erwachsene um den Aschenbecher, darunter Zouti-Geschäftsführer Michael Boesen. Heute mal Kinder als Gäste zu haben, ist für ihn etwas ungewohnt. Im Keller unten kramt Markus Schulz alias DJ Traffic Lights in seinen CDs nach DJ Bobo und Salt'n'Peppa. Normalerweise legt er Elektro und Trance auf, sagt er, aber für die Kinder gibt's heute Dancefloor und Hiphop.



Sein guter Freund und Mitorganisator der Party, Ballonverbieger Mathias Hopp, bereitet schon mal einige Luftballon-Spinnen vor. Rund um die Tanzfläche werden Pappgeister drapiert und aus den Boxen dudelt „There Is a Party“. „Die Musik ist mir noch viel zu laut!“, ruft Michaela Mwinyi aus dem Kreativbereich im oberen Stockwerk herunter. Disco hin oder her: Für zarte Kinderohren muss die Lautstärke angepasst werden.

Wie ihre kleinen, glitzerverliebten Partygäste später, lässt Mwinyi sich von der Maskenbildnerin noch eben das Gesicht gruselig machen, ehe das Fest beginnt. Am Nebentisch bauen zwei ihrer Mitarbeiter die Bastelutensilien auf: Klorollenhexen, Wollknäuelspinnen und Pappkürbisse werden hier entstehen. „Einer unserer pädagogischen Grundsätze ist, dass die Kinder von den Partys etwas Selbstgemachtes mit nach Hause nehmen können“, erklärt Mwinyi. „Das stärkt das Selbstwertgefühl.“ Basteln, Spielen und Verkleiden: Diese drei Elemente gehören zu allen Zauberglanzpartys.

Um sich von reiner Animation oder Hallenspielplätzen als Kinderfestprogramm abzuheben, legt Mwinyi Wert auf „pädagogisch geschulte“ Mitarbeiter: Robin, der gerade den Basteltisch aufbaut, ist Erzieherschüler, Martine finanzierte ihr Psychologie-Studium auch vor Zauberglanz schon durch Kinder- und Jugendarbeit und die beiden Studentinnen hinter dem Tresen werden mal Lehrerinnen sein. „Ich habe ein tolles Team“ – das betont Mwinyi immer wieder, und auch die Mitarbeiter sind mit Zauberglanz voll und ganz zufrieden. „Nächstes Jahr wird das ganze Team mit nach Kenia fliegen, wenn mein Mann und ich nochmal heiraten“, erzählt die gelernte Zahnarzthelferin Mwinyi und fügt stolz hinzu, dass Sat1 das Ganze filmen will.



Auch die beiden Söhne Luca und Noah helfen, bereits im Spiderman- und Darth Vader-Kostüm, beim Aufbau mit: Nachschauen, ob schon Gäste vor der Tür stehen oder die Musik leiser drehen. Die Olchi-Party, eine der Kindergeburtstags-Varianten, war die Idee von Lucas. Außerdem gibt es im Zauberglanz-Programm Piraten-, Märchen- Zirkus- und sogar Wellnesspartys. Die Anzahl der zusätzlich buchbaren Leistungen ist unerschöpflich, und jedes Programm ist individuell gestaltbar. Einen deutlichen Trend sieht Mwinyi dahin gehen, dass Eltern Kinderpartys nicht nur fremdorganisieren lassen, sondern am liebsten auch aus der eigenen Wohnung auslagern möchten. Eigene Räume für Zauberglanz zu finden, ist daher ein wichtiges Ziel und das Zouti einer der ersten Schritte dorthin.

Eine Stunde nach Einlass ist die Disco gut gefüllt, hauptsächlich mit Kindergartenkindern und ihren Eltern, die Muffins und schaurige Cocktails ordern, basteln oder sich auf der Tanzfläche tummeln. Tatsächlich ist auch das ein oder andere gut gelaunte Windelkind zu sehen; eine Party für Zwei- bis Vierzehnjährige scheint zu funktionieren. Wird Zauberglanz für größere Feste gebucht, versorgen die Mitarbeiterinnen sogar Babys.



Ein Wermutstropfen in der Partysuppe sind die Preise: Neben dem Eintritt von 6,50 Euro im Vorverkauf (Erwachsene sind frei) bezahlen die Gäste Getränke, Muffins und gebogene Luftballons extra. Besonders die Cocktails machen sich mit Preisen von über 2 Euro bemerkbar, wenngleich sie sorgsam ausgewählt und liebevoll gestaltet sind - kleine, durstige Kinder sind auch mit liebevoller Dekoration nicht vom Dursthaben abzubringen, ein zusätzlicher Wasserspender wäre also nicht schlecht.

Saft und Muffins sind an der Theke gegen Bons erhältlich, diese wiederum gibt es an der Kasse, wo Mwinyi jetzt allerhand zu tun hat. Mit so vielen Gästen bei der ersten eigeninitiierten Party hat sie nicht gerechnet. Eine Mutter beschwert sich, weil ihre Tochter lang in der Schlange warten muss, um einen Getränke-Bon zu kaufen. Der Kassenbereich ist eng und unübersichtlich, und Erwachsene drängeln sich vor. Mwinyi kommt sichtlich ins Schwitzen. Mit mehr Erfahrung und in eigenen Räumen ließen sich solche Situationen besser lösen.

Mit Klorollenhexe und Luftballonkatze im Gepäck verlasse ich das Zouti. Ungeklärt bleibt die Frage nach dem „Muss-das-eigentlich-sein“. Vermutlich hängt der Besuch einer solchen Halloweenparty aber weniger von pädagogischen Konzepten ab, als vom persönlichen Geschmack der Eltern.

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Die nächste Zauberglanzveranstaltung ist eine Nikolausparty am 4. Dezember 2011. Sie findet ab 15 Uhr in der Buchheimerstr. 15 in Gottenheim statt. Mit Voranmeldung unter anmeldungnikolausparty@yahoo.de kostet der Eintritt 6,50 Euro, ein Euro des Eintrittspreises geht an das Kinderhospiz Sterntaler e.V. Mannheim.