Azubis erzählen: Mein erstes Gehalt und ich

Julian Schwizler & David Cibis

Das erste selbst verdiente Geld auf dem Konto, Monat für Monat. Endlich unabhängig vom elterlichen Taschengeld. Und ferne Träume rücken plötzlich ein kleines Stück näher. fudder-Autor Julian hat fünf Auszubildende in der Region gefragt, was ihnen ihr erstes Gehalt bedeutet.

Die KFZ-Mechatronikerin


Vanessa Oberle, 19 Jahre, Auszubildende zur Kraftfahrzeugmechatronikerin im Autohaus Engelhard, Freiburg


„Seit ich 15 Jahre alt bin, will ich  eine Ausbildung zur Kfz-Mecha-tronikerin machen. Ich bin damals Slalomrennen gefahren, und mein Vater hat mir früh beigebracht, Auto zu fahren. So war ich ganz oft beim Motorsport und habe dort mitgeholfen: Meine Ausbildung ist somit eine Herzensangelegenheit für mich. Dafür, dass meine Mutter mein Kindergeld bekommt, darf ich noch daheim wohnen und essen. Von meinem Lohn muss ich ihr nichts abgeben.

Bei meinem ersten Gehalt war ich sehr glücklich, viel Geld auf dem Konto zu haben. Dann habe ich aber schnell gemerkt, dass das ja für den ganzen Monat reichen muss. Gar nicht so einfach. Oft bin ich froh, dass ich meine Eltern habe und sie mich noch ein wenig unterstützen. Wenn mal ein bisschen was übrig bleibt, lege ich es beiseite und spare. Der größte Posten in meinem Leben ist die Fahrschule. Die muss ich selbst bezahlen, genau wie Klamotten und Kosmetikartikel. Durch das Geldverdienen habe ich gemerkt, dass ich erwachsen werde. Ich habe nun selber etwas, kann es einplanen, darauf zugreifen und muss nicht immer meine Eltern danach fragen.“

Durchschnittliches Gehalt im ersten Lehrjahr: 576 Euro


Der Schreiner

 


Tom Welte, 17 Jahre, Schreinerlehrling in der Schreinerei Heizmann, Merzhausen:

„Seit dem Beginn meiner Ausbildung habe ich mehr Geld zur Verfügung als zuvor. Dies war auch einer der Gründe für meine Entscheidung – es ist einfach ein echt gutes Gefühl. Früher habe ich noch Taschengeld bekommen, das bekomme ich jetzt aber nicht mehr. Es gefällt mir sehr, finanziell etwas unabhängiger von meinen Eltern zu sein. Ich kann ohne ihre Hilfe auch mal größere Sachen kaufen und meine Ausgaben selbst koordinieren. Meistens gebe  ich meinen Lohn gleich wieder aus, zum beiseitelegen bleibt da nicht viel.

Die Ausbildung hat mein Konsumverhalten auf jeden Fall verändert: Seit ich über mehr Geld verfüge, kaufe ich auch um einiges mehr ein. Da ich noch bei meinen Eltern wohne, muss ich nur meine Kleidung und die Regiokarte bezahlen. Für Unterhalt und Essen kommen sie auf. Ich könnte sicherlich auch wieder mit weniger Geld auskommen. Ich habe mich jetzt daran gewöhnt, und anfangs wäre es sicherlich nicht einfach. Klarkommen werde ich aber damit. Da ich nach meiner Ausbildung vermutlich wieder zur Schule gehen werde, wird dieser Punkt sicherlich auch kommen.“

Durchschnittliches Gehalt im  ersten Lehrjahr: 453 Euro

Der Systemgastronom

 


Simon Gurlt, 22 Jahre, Auszubildender zum Systemgastronomen bei McDonald’s, Freiburg:

„Ich komme ursprünglich aus Marburg, für meine Ausbildung bin ich dann nach Freiburg gezogen. Der Rest meiner Familie arbeitet im Gesundheitswesen. Da mir das aber nicht so zugesagt hat, habe ich ein Praktikum bei Nordsee gemacht und mich informiert, wo es die besten Ausbildungsmöglichkeiten für Systemgastronomen gibt. So bin ich auf McDonald’s gestoßen. Auch wenn die Arbeit meistens stressig ist, macht sie mir viel Spaß. Das Gehalt im ersten Lehrjahr ist zwar gering, aber mit Kindergeld, Unterstützung durch die Eltern und staatliche Hilfen kann man davon leben – auch im teuren Freiburg. Einen hohen Einstiegslohn kann man ja in kaum einem Ausbildungsberuf erwarten. Wie viel ich später mal verdiene, hängt davon ab, was genau ich dann weitermache. Um Kosten zu sparen, bin ich auch in eine WG gezogen, dadurch ist der größte Posten nun etwas verringert worden. Finanziell geht es mir jetzt – trotz der Ausbildung – ganz gut. Was mir an der Arbeit sehr gefällt, ist die Tatsache, dass man immer direkt am Kunden arbeitet. Das wollte ich schon immer machen.“

Durchschnittliches Gehalt im ersten Lehrjahr: 549 Euro

Der Bankkaufmann

 


Francesco Ferrazo, 18 Jahre, Auszubildender zum Bankkaufmann bei der Sparkasse Freiburg / Nördlicher Breisgau, Freiburg:

„Bevor ich bei der Sparkasse meine Ausbildung angefangen und meine Fachhochschulreife gemacht habe, hatte ich schon kleinere Nebenjobs. Finanzen haben mich schon lange sehr interessiert. Ich finde, es ist sehr schön, am Anfang des Monats auf die Bank zu gehen und dann zu sehen, dass etwas auf dem Konto drauf ist. Ab und an bekomme ich auch noch etwas Geld von meinen Eltern, vor dem Beginn meiner Ausbildung habe ich aber mehr von ihnen bekommen. Immerhin lebe ich noch daheim und muss nichts dafür bezahlen. Taschengeld bekomme ich aber keines mehr. Seitdem ich meine Ausbildung begonnen habe, bezahle ich auch selber die Monatskarte, das Fitnessstudio oder den Fußballverein. Das habe ich meinen Eltern so angeboten, da ich das Geld ja jetzt selber habe. Ich finde, dass für jeden Menschen Geld wichtig ist, denn damit kann man fast alles auf der Welt leichter erreichen. Gleichzeitig sollte es eine Nebensache sein, denn Familie  und Freunde sind wichtiger. Ich versuche, so viel möglich von meinem Lohn zu sparen. Aber natürlich will man auch mal abends weggehen, gibt dann das Geld aus und denkt nicht so sehr darüber nach.“

Durchschnittliches Gehalt im ersten Lehrjahr: 766 Euro

Die Friseurin

 


Julia Ketterer, 17 Jahre, Ausbildung zur Friseurin bei Hairzblut, Freiburg:

„Schon vor meiner Ausbildung habe ich etwas Geld verdient – ich hatte nämlich einen kleinen Nebenjob. Aber auch jetzt als Lehrling ist der Lohn noch sehr gering, gemessen an dem, was wir leisten. Wir stehen ja acht Stunden täglich. Auch wenn ich jetzt noch finanzielle Unterstützung von meinen Eltern bekomme und daheim wohne, fühle ich mich ein bisschen unabhängiger. Wenn es gegen Monatsende knapp wird, geben sie mir aber immer noch ein bisschen Geld. Da ich meine Regiokarte, die Kleidung und den Handyvertrag selber bezahlen muss, kann ich leider nur selten was von meinem Gehalt beiseite legen. Ich achte nun allerdings mehr auf mein Geld, da ich es ja selbst verdient habe. Die Ausbildung mache ich allerdings nicht deswegen, sondern weil es mir einfach gefällt. Später möchte ich im Friseursalon meiner Mutter arbeiten. Seit ich meine Ausbildung mache, habe ich kaum noch Zeit. Wenn ich abends um halb acht heim komme, fehlt mir oft die Lust, noch etwas zu unternehmen. Am nächsten Tag muss ich ja wieder arbeiten.“

Durchschnittliches Gehalt im ersten Lehrjahr: 366 Euro

 

Wie geht man richtig mit dem ersten Geld um?

Sladana Wehrle-Paradzik ist Schuldnerberaterin der Caritas Freiburg und berät insbesondere Jugendliche und junge Erwachsene, wenn es um Geldfragen geht. Ihre Tipps fürs erste Gehalt:

1. Haushalten lernen: Ein Haushaltsplan kann dabei helfen, Ein- und Ausgaben im Blick zu behalten. Nur so kann man langfristig lernen, mit seinen Ressourcen gut umzugehen.

2.  Folgekosten einplanen: Ein Auto, eine eigene Wohnung, ein schickes Handy. Mit dem ersten Geld erscheinen viele Wünsche plötzlich erfüllbar, weil man viel mehr  Geld als vorher hat. Wichtig bei solchen großen finanziellen Entscheidungen: Unbedingt Neben- und Folgekosten wie Kaution, Strom- und Abfallgebühren oder Versicherungen einplanen.

3. Jahresbeiträge nicht vergessen:
Beiträge für Versicherungen, Vereinsmitgliedschaften oder Zeitschriftenabbonnements  müssen in der Regel auf einen Schlag fürs ganze Jahr gezahlt werden – deshalb jeden Monat Geld dafür beiseite legen.

4. Rat und Hilfe suchen:
Wichtige Entscheidungen – egal ob es um einen neuen Handyvertrag oder eine Wohnung geht – sollte man nicht alleine und schon gar nicht unter Druck oder im Geschäft treffen. Viel Besser:  Mit Eltern oder Freunden besprechen  und eine Nacht darüber schlafen.

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