Azad kann rappen

Andreas Wieland & Dominic Rock

Azad, Curse, Das Bo - im Universal Dog in Lahr war am Samstag ganz schön viel deutsche HipHop-Prominenz am Start. Andal berichtet euch von monotonen Flammenwerfern, dem Liebeskummer von Curse und dem Unterschied zwischen Azad und Bushido. Domi hat die Bilder für euch geknipst.

Viel Glatteis, dichter Nebel - die Fahrt nach Lahr ins Universal Dog war nicht einfach. Der Nebel hinderte mich daran, die Straßenschilder rechtzeitig zu erkennen und den Weg zu finden. Da ich mich in Lahr nicht auskenne, musste ich noch einige Extra-Runden um den Block drehen. Als mich dann noch zwei Passanten nach Hundsbüttel in die Pampa zum Tierheim geschickt hatten, war klar, dass ich den Beginn des Konzerts verpassen würde...

Das Universal Dog war an diesem Abend nicht gerade überfüllt. In den hinteren Reihen konnte man bequem stehen, ohne dass einem jemand das Getränk auf die Kleidung schüttete. Der Vorverkauf schien auch nicht sehr erfolgreich angelaufen zu sein. Befragte, die vor dem Universal Dog standen, erzählten, Freikarten für das Konzert seien wie Flyer im örtlichen McDonald's ausgelegen.



Act #1: Das Bo

Von „Das Bo“ bekam ich nicht mehr viel mit. Zum Glück traf ich rechtzeitig zum Auftritt von Curse ein. Die Bühne war mit einer großen Leinwand und zwei (links und rechts neben den DJ-Pult aufgebauten) Flammenwerfern ausgestattet. Die Idee war zwar ganz nett, nur leider spiehen die Flammen den ganzen Abend im gleichen Rhythmus. Etwas eintönig...

Act #2: Curse

Der Auftritt von Curse war trotzdem auf jeden Fall das Einsammeln einer Freikarte im McDonalds wert. Seine Show begann mit einem Showcase der DJs GQ und Kitsune. Vor allem GQ befindet sich technisch auf einem sehr hohen Level. Die Show war gut konstruiert und bis ins Detail ausgearbeitet. Allein - wie es nunmal bei solch detailreichen Inszenierungen, bei denen man mit hochsensiblen Instrumenten wie einem Plattenspieler arbeitet, oft der Fall ist - es schlichen sich Fehler ein, die über eine High-End Anlage unverzeihbar sind. Gestört hat das die meisten Zuschauer aber wohl nicht...



Auf jeden Fall zeigte Curse eine gute Stunde lang sein Können und bewies, dass er den Sprechgesang beherrscht. Eine Einlage von einem etwa 45 Sekunden langen, kaum enden wollenden Reim beeindruckte das Publikum und brachte alle zum Ausflippen. Toll!

Auffällig ist, dass Curse den Schmerz seiner vergangenen Liebe in vielen Songs zu verarbeiten versucht. Da diese „Ex“ in fast jedem seiner Lieder irgendwie auftaucht, scheint das mit der Verarbeitung nicht so ganz geklappt zu haben. Trotzdem - oder deshalb - scheinen ziemlich viele Frauenherzen bei seinen Songs dahin zu schmelzen. Für mich aber -  und ich denke, auch für viele meiner Geschlechtsgenossen - war dies doch eher etwas nervig.

Persönlich bin ich der Meinung, dass Curse ein guter Rapper ist, der den Nagel oft auf den Kopf trifft. Aber seine Musik eignet sich einfach besser für das eigene Wohnzimmer, als für einen Live-Auftritt.

Nach Curse hatte der Host noch die Ehre, die „fünf“ Minuten zu überbrücken, bis Azad auf die Bühne treten sollte. Nur leider blieb es nicht bei den fünf Minuten und es dauerte mindestens zehn, bis DJ Kitsune seine Technik angeschlossen hatte. Wenn der Host wenigstens den Moonwalk, den er versprochen hatte, aufgeführt hätte, wäre die Langeweile wenigstens kurz entschwunden. In dem Moment hatte ich mir nur gewünscht, dass die Flamenwerfer wieder eine Runde Feuer spucken...

Act #3: Azad

Azad hat mich positiv überrascht. Er meinte, er trinke keinen Alkohol. Aber da sein Freund „Jays“ Geburtstag hatte, sei er doch schwach geworden. Trotzdem war Azad locker -  das fand ich extrem sympathisch.

Genauso wichtig: Azads Texte sind intelligent. Aus ihnen wird ersichtlich, woher er kommt:  Aus einer Plattenbausiedlung, in der Gewalt, Missachtung und Drogenmissbrauch Alltag sind. „Ich hab viel Scheiße gesehen... will mich aber damit nicht brüsten, ich will sie vergessen.“

Hier liegt auch einer der großen Unterschiede zwischen dem Frankfurter Azad und dem Berliner Rapper Bushido. Bei Bushido hat man oft das Gefühl, er glorifiziere die Gewalt und das „Ghetto“ und halte sich aufgrund seiner Herkunft für etwas Besseres.

Azad hingegen versucht eher subjektiv darauf hinzuweisen, was er in Frankfurt täglich erlebt. Bei ihm bekommt man das Gefühl, er ist schon etwas erwachsener. Vielleicht hat Bushido auch deswegen so großen Erfolg. Bei Azad denkt man auch nicht an einen kleinen Jungen, der von seinem Vater verlassenen und seiner Freundin betrogenen wurde. Einen Jungen, der nach außen seine harte Schale zeigt. Im Inneren aber einen sehr weichen Kern besitzt.

Gewalt schien für Azad Mittel zum Zweck gewesen zu sein. Und nicht ein Weg, seine Probleme mit sich selber zu kompensieren. In vielen Dingen könnte man meinen, die beiden ähneln sich, in dem was sie tun. Die Unterschiede sind zwar sehr fein, aber wichtig. Wenn man ihre Texte  nicht kennt, fällt ein Urteils sehr schwer.

Ein sehr großer Unterschied ist jedoch leicht erkennbar: Azad kann rappen!!!



Galerie (Bilder: Dominic Rock):

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