Ayurveda: Was ist das eigentlich?

Katharina Wenzelis

Von Ayurveda hat man als Uneingeweihter oft nur eine diffuse Vorstellung: Ist das sowas ähnliches wie Aloe Vera? Tut das weh? Braucht man dafür eine Yogamatte? Lässt man sich da massieren? Oder ist das doch eher was Spirituelles? Wir haben von einer Freiburger Expertin erfahren, dass es sich dabei um eine seriöse Heilkunde handelt. Ohne Klimbim, dafür mit interessanten Berufsperspektiven. Ein kleines Ayurveda-ABC.



Bedeutung

Der Begriff Ayurveda ist Sanskrit, die Sprache der klassischen indischen Kultur und ist zusammengesetzt aus den Wörtern Ayus (Leben) und Veda (Wissen). Übersetzt bedeutet Ayurveda Wissen vom Leben oder auch die Lehre vom langen und gesunden Leben. Ayurveda ist eine indische Heilkunst.

Man spricht bei Ayurveda von einer Ganzheitsmedizin, die sich mit dem gesamten menschlichen Organismus befasst. Hier konzentriert man sich nicht auf ein bestimmtes Körperteil, sondern der ganze Mensch mit seiner Lebensweise, Ernährung, Psyche und Umwelt steht im Fokus.



5 Elemente, 3 Energien

Ayurveda funktioniert nach dem Prinzip der Balance, das bedeutet, dass der Organismus immer ein dynamisches Gleichgewicht anstrebt. "Prakriti sthapan" – bewahre das Gleichgewicht, heißt dieses Naturgesetz in der Sprache des Ayurveda. Das ayurvedische System basiert auf den Elementen Wasser, Erde, Luft, Feuer und Äther. Aus diesen Elementen setzen sich wiederum die drei ayurvedischen Bioenergien, die in jedem Körper vorhanden sind, zusammen. Diese Energien werden als Doshas bezeichnet:
  • Vata – kalte Energie
  • Pitta – heiße Energie
  • Kapha – kühle Energie
Diese drei Energien geben dem Menschen seine individuelle Konstitution. "Alles was wir tun – Essen, Denken, Fühlen und so weiter – beeinflusst diese Energien. Auch Farben, Gerüche, das Klima oder Stress bewirken Veränderungen. Das bedeutet beispielsweise, dass eine Orange nicht für jeden Menschen gleich gut ist ", sagt Anja Scharmankowski, Ayurveda-Gesundheitsberaterin aus Freiburg.

"Das Wesentliche im Ayurveda ist es, bestimmen zu können, was für eine Konstitution ein Mensch besitzt und welche Energien nicht im Gleichgewicht sind. Denn bei einem Ungleichgewicht der Doshas werden die Menschen anfällig für Krankheiten. Letztlich versucht man, diese Energien durch die verschiedenen ayurvedischen Behandlungsmethoden zu besänftigen und ins Gleichgewicht zu bringen, den Prakruthi-Zustand", sagt Scharmankowski.



Alternative zur klassischen Medizin

Es ist schwer einzugrenzen, welche Beschwerden die Patienten haben, die zu Frau Scharmankowski in die Praxis kommen. Es kommen Menschen mit Depressionen, Rückenschmerzen oder auch chronischen Erkrankungen. Die Behandlungsmethoden sind vielfältig. Die Ernährungsberatung spielt eine sehr große Rolle, aber auch Massagen, Heilmittel, Yoga, Entgiftungen, Pulverbehandlungen, Stirnölgüsse und Schwitzbehandlungen werden bei Ayurveda angewendet.

Auch in den westlichen Ländern gewinnt Ayurveda zusehends an Aufmerksamkeit und wird von vielen als eine Alternative zur klassischen Medizin anerkannt.

Ayurveda wirkt präventiv und soll zum allgemeinen Wohlbefinden beitragen. "Leider sind die Berufe rund um Ayurveda staatlich nicht anerkannt. Das ist sehr schade, denn es kann prinzipiell jeder, der ein Wochenendseminar besucht hat, eine Ayurveda-Praxis eröffnen. Dadurch ist die Anerkennung von Ayurveda als alternatives Medizinsystem nicht sehr groß. Es wird oft als Wellnessangebot abgestempelt oder sogar mit Aloe Vera verwechselt", sagt die Gesundheitsberaterin. Aus diesem Grund sei es wichtig, sich über die Ausbildung eines Ayurveda-Therapeuten genau zu informieren.



Ayurveda als Beruf

Es gibt viele verschiedene Berufszweige, die man erlernen kann, denn Ayurveda hat viele unterschiedliche Fachrichtungen. Es gibt den Ayurveda-Masseur, den Gesundheitsberater, Kosmetiker, Therapeuten und Mediziner. Sogar Köche können sich auf Ayurveda-Kost spezialisieren. "Die Dauer der Ausbildung hängt davon ab, wie stark man sich vertiefen möchte. Ayurveda ist sehr komplex und man kann bis zu drei Jahre lernen. Die Basisausbildung erstreckt sich bei uns über sechs Wochenenden, danach kann man als Ayurveda-Masseur im Wellnessbereich arbeiten. Die Ausbildung zum Gesundheitsberater dagegen dauert mindestens ein Jahr", erklärt Frau Scharmankowski.

Braucht man eine bestimmte Grundausbildung, um mit Ayurveda arbeiten zu können? "Es gibt keine zwingend vorgeschriebene Grundausbildung und es kommt auch hier darauf an, in welchem Gebiet man arbeiten möchte. Entscheidet man sich für die medizinische Richtung, ist es empfehlenswert, einen Medizin- oder Heilpraktikerabschluss zu besitzen", sagt Scharmankowski. In Österreich dagegen ist staatlich geregelt, dass nur niedergelassene Ärzte im medizinischen Sinne mit Ayurveda arbeiten dürfen.



Neben den vielen privaten Ayurveda-Praxen gibt es auch einige große Ayurveda-Akademien, die verschiedene Ausbildungen anbieten.
Die Ayurveda SEVA Akademie in München beispielsweise greift bereits auf 14 Jahre Ausbildungserfahrung zurück. Desweiteren kann man sich bei der Europäischen Akademie für Ayurveda in Birstein ausbilden lassen. Oder man geht direkt nach Indien. Hier kann man ein Ayurveda-Studium an der Universität absolvieren. Für alle, die mehr darüber erfahren möchten, gibt es sehr gute Literatur. Ein Klassiker ist das Praxishandbuch des Pioniers der ayurvedischen Medizin, Dr. Hans Rhyner.

In Deutschland und in der Schweiz wird ein staatliches Anerkennungsverfahren für verschiedene Berufsbilder des Ayurveda angestrebt. Bis dahin ist es ratsam, sich gründlich und kritisch über Ayurveda-Praxen und -Ausbilder zu informieren, ganz gleich, ob man sich für eine Behandlung oder eine Ausbildung interessiert.

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