Autonome Antifa: Keine Angst vor Regio-Nazis

fudder-Redaktion

In der vergangenen Woche wurde ein Rechtsextremist aus Weil am Rhein festgenommen, der Chemikalien gehortet hatte, aus denen eine Bombe gebaut werden könnte. Gegen den 22-Jährigen wurde Haftbefehl erlassen, er sitzt mittlerweile in Untersuchungshaft. Als mögliches Ziel eines Anschlags gilt das Freiburgr Autonome Zentrum KTS. Hat man in der Szene Angst vor einem Anschlag? fudder hat bei der Autonomen Antifa nachgefragt.



Vergangene Woche ist ein Mann aus Weil festgenommen worden, der wohlmöglich Anschläge gegen ein "Autonomes Ziel" in Freiburg geplant hat. Wie konkret ist Eure Angst? Fühlt ihr Euch bedroht? Sind ab jetzt in der KTS kugelsichere Westen angebracht?

Durch den von X. [Name des festgenommenen Mannes von der fudder-Redaktion entfernt, siehe Anmerkung unten] geplanten Sprengstoffanschlag auf die autonome Szene in Freiburg wird rechte Gewaltpotenzial offensichtlich, welches hier in der Region vorhanden ist. Das Autonome Zentrum KTS wurde bereits mehrfach von Nazis als Ziel genannt.

Um sich gegen Übergriffe schützen zu können, veröffentlichen wir die Daten und Bilder von Nazis in Outings. Diese Outings stellen einen wichtigen Beitrag zur Verhinderung von Angriffen dar, indem sie Menschen über Nazis und ihre Pläne aufklären. Dementsprechend liegt unser Fokus auf der Vorbeugung und der offensiven Verhinderung solcher Aktivitäten. Der dabei auch entstehenden Angst begegnen wir mit gemeinschaftlicher Solidarität und gegenseitiger Hilfe. Für ausgelassenes Feiern ist uneingeschränkte Bewegungsfreiheit notwendig, deshalb sehen wir von Motto- Partys in kugelsicheren Westen erst einmal ab.

Als wie gefährlich schätzt ihr die rechtsextreme Szene in Südbaden allgemein ein? In Freiburg scheint - wie vergangene Woche beim angeblich geplanten Hessmob - diesbezüglich ja erfreulich wenig los zu sein.

In Freiburg gab es in den letzten Jahrzehnten nie sonderlich viele Nazis und wir sorgen auch in Zukunft dafür, dass das so bleibt. Faschistische Aktivitäten finden vor allem im Umland statt. X. ist ein besonders krasses Beispiel für das in der Region vorhandene Gewaltpotenzial der Nazis.

Deshalb richtet sich unser Augenmerk nicht nur auf Freiburg, sondern auch auf Nazistrukturen in der Umland. Das Gefahrenpotential ist so verschieden wie es die Aktionsformen der Nazis sind – dem treten wir mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln auf allen Ebenen entgegen. Die Verbreitung der Naziideologie und die Gefährdung von Menschen durch Nazis versuchen wir zu verhindern.

Ihr veröffentlicht die privaten Daten lokaler Rechtsextremer im Netz, und habt dafür neben Lob auch schon einiges an Kritik eingesammelt. Ihr würdet das Recht auf Privatsphäre verletzten, Leute denunzieren, wie der Junge in der Fabel zu oft "Wolf!" schreien. Seht ihr Euch in Eurem beharrlichen Vorgehen und Anprangern durch die gestrige Festnahme bestätigt?

Mit dem Aufdecken der Anschlagspläne von X.  zeigt sich wie gefährlich die rechte Ideologie ist. Sicher werden die Persönlichkeitsrechte dieser Menschen eingeschränkt, dies passiert jedoch um ihrem Handeln Einhalt zu gebieten.Wir wollen einer möglichst breiten Öffentlichkeit zugänglich machen wer die Faschisten sind und was sie tun.

Unsere Outings treffen nicht einfach irgendwen, die antifaschistische Arbeit richtet sich gezielt gegen Nazis. Außerdem beschränkt sich unsere Arbeit nicht nur darauf, mit dem Finger auf einzelne Personen zu zeigen, sondern wir betreiben auch politische Aufklärungsarbeit um Nazistrukturen aufzudecken und zu bekämpfen. Um in der Sprache der Fabel zu antworten: Wir sagen nicht nur Bescheid, wenn der Wolf kommt, sondern auch, wie hoch die Selbstbeteiligung der Teilkaskoversicherung des Lupo-Mobils ist.

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[Anmerkung: In ihren Antworten hat die Autonome Antifa den Namen des festgenommenen Mannes aus Weil genannt. Wir haben den Namen aus presserechtlichen Gründen aus den Antworten entfernt und durch "X." ersetzt.]