Automöbeldesign: Wie aus einem VW Käfer ein Bett wird

Melanie Volk

Autos sind oft mehr als nur Vehikel, die uns von A nach B bringen. Für ihre Besitzer haben Autos Geschichten, und zwar nicht nur von Urlaubsreisen und Staus sondern auch vom ersten Kuß nach dem Date oder dem ersten Kratzer im Lack. Für alle, die sich auch nach jahrelanger Nutzung vom alten Gefährt nicht trennen möchten, gibt es einen Ausweg: Dank Martin Schlund aus Gundelfingen kann man sich das geliebte Auto nun als Möbelstück in die eigene Wohnung stellen.



Auf die Idee, aus Autos Möbel zu designen, kam Martin Schlund schon vor 20 Jahren. Mit einem Kumpel fuhr er kurz nach der Wende in die ehemalige DDR und kaufte dort für fünf D-Mark einen Trabi. "An dem habe ich dann ein bisschen herum geschraubt. Aus dem Trabbi ist eine Bar für meine Wohnung geworden. Inzwischen habe ich das Stück umlackiert und verkauft", erinnert sich der 41-Jährige an seine ersten Versuche im Autobmöbeldesign.

Doch bis er aus dieser Idee ein Beruf wurde, sollten noch einige Jahre vergehen: Martin Schlund studierte Archäologie in Kiel, merkte aber während der Doktorarbeit, dass die Wissenschaft nicht sein Ding ist, und wechselte daraufhin in die Fitnessbranche. Seine Faszination für Autos, die er aus dem Elternhaus mitbekam, verlor er dabei aber nie aus den Augen. Als er vor vier Jahren beschloss, aus der Fitnessbranche auszusteigen, kam ihm das wieder in den Sinn: "Ich habe also einen Business-Plan geschrieben, bin zum Arbeitsamt gewackelt und habe einen Gründungszuschuss bekommen."

Heute hat er sein Hobby zum Beruf gemacht.  Doch wie funktioniert das: Vom Archäologiestudent zum Möbeldesigner? Das handwerkliche Können, so Martin Schlund, habe er aus dem Elternhaus mitbekommen: "Mein Vater ist Elektromechaniker und hatte eine Tankstelle mit Werkstatt. Mit ihm habe ich sogar mal ein Wohnmobil ausgebaut." Den Rest hat er sich in zahlreichen Praktika - vom Lackieren bis zum Schweißen - angeeignet.



Sein bisher größter Auftrag war das V8-Hotel in Böblingen, das er mit 12 Großmöbeln ausstattete. "Da war ich sechs Monate lang beschäftigt", erinnert sich der Autofan. Sein Lieblingsauto kann er eindeutig benennen: "Der schönste ist eigentlich der Mercedes W 108, die alte S-Klasse aus den 60er und 70er Jahren. Er hat die beste Front, so richtig schön barock, viel Chrom. Aber eigentlich verarbeite ich jedes Auto gerne."

Seine Kunden kommen vor allem aus Südwestdeutschland und Österreich. Ein rotes "Käferbett" hat er aber auch schon nach Saudi-Arabien versandt. Eines haben alle Kunden gemeinsam - sie haben eigentlich immer etwas mit Autos zu tun: "Kunden wünschen oft Möbel aus Wägen, die sie früher selbst gefahren sind. Das ist das, was alle verbindet: Ob das nun ein Porsche ist oder ein Käfer, irgendeine persönliche Geschichte gehört immer dazu."

Da fällt es natürlich schwer, sich nach intensiver Planung und Umsetzung vom Schmuckstück wieder zu trennen: "Das ist jedes Mal dasselbe Spielchen. Man verbringt mehr Zeit damit als mit seiner Frau zu Hause und dann muss man das Ding abgeben", gibt Martin Schlund mit einem Seufzer zu. Seit rund eineinhalb Jahren ist er mit seiner Frau verheiratet. "Sie kommt mit meiner Autoverliebtheit gut zurecht. Wenn's ganz eng kommt, hilft sie mir sogar in der Werkstatt", erzählt er mit einem Lächeln, das sich zu einem Grinsen verbreitert, als er hinzufügt: "Meine Wohnung steht allerdings nicht voller Automöbel, wie man das vermuten könnte. Dazu findet meine Frau das Design zu ausgefallen. Es steht nur ein grünes Minisofa drin, eines meiner ersten Möbel."

Die Autos, die er in seiner Werkstatt auseinander nimmt, findet er vor allem im Internet, mit viel Glück auch mal auf Schrottplätzen. Funktionierende Autos zerlegt er grundsätzlich nicht: "Außer, wenn es der Kunde unbedingt will. Aber ich zerstöre kein Kulturgut und möchte nichts auseinander schneiden, was eigentlich noch auf die Straße gehört."

Leidenschaft gehört in seinem Beruf auf jeden Fall dazu: "Man wird dabei nicht reich und muss viel arbeiten. Es ist halt kein 40 oder 45 Stunden-Job. Meist muss ich so 70 bis 80 Stunden arbeiten. Der Job macht mir aber Spaß und ich habe es mir selbst ausgesucht , sonst würde ich es ja nicht tun." Im Moment arbeitet er an einem Mercedes-Schreibtisch für eine Fahrschule und einem Trabi-Bettkasten.  

Mehr dazu:



Automöbeldesign - Martin Schlund Landecker Strasse 7
79312 Mundingen
0170-2940189
07641-9356965
info@automoebeldesign.de

 

Foto-Galerie: Martin Schlund

Tipp: Wartet einen Augenblick, bis die Galerie komplett geladen ist. Ihr könnt euch dann ganz bequem mit den Cursortasten durch die Bilder klicken.