Auswurf, Geschwüre, Impotenz: Wie Schüler lernen, welche Folgen das Rauchen hat

Marina Korn

Normalerweise sitzen im HNO-Hörsaal der Freiburger Uniklinik Ärztinnen, Ärzte und Medizinstudierende, um über medizinische Themen zu diskutieren. Einmal die Woche ist der Saal jedoch reserviert für Schülerinnen und Schüler der 7. und 8. Klassen verschiedener Gymnasien. Sie wollen sich bei der Veranstaltung "Abgebrannt" über das Rauchen aufklären lässen:



Wenn sich 150 Dreizehnjährige in einem Raum aufhalten, dann ist es selten ruhig. So ist es aber, wenn vor ihnen ein Lungenkrebs-Patient im Rollstuhl sitzt und von seiner Zeit als Raucher erzählt. Die Stille tritt nicht nur durch den Schock ein - die Ärzte haben sie auch darum gebeten, da Wolfgang Mayer (Name von der Redaktion geändert) nicht mehr so laut sprechen kann. Ihm wurde ein Lungenflügel herausoperiert. Die Schüler sitzen im Hörsaal der Uniklinik und sind hergekommen, um sich mit der Raucherprävention "Abgebrannt" der Uni Klinik über das Rauchen und seine Folgen aufzuklären.


Zu Beginn der Veranstaltung haben alle noch gelacht. Da zeigte Jens Leifert, Facharzt für Innere Medizin, zum Einstieg einen kurzen Film, in dem ein hübscher Mann in einem Cafe mit einer jungen Frau flirtet, während er sich lässig eine Zigarette anzündet. Daraufhin holt sie einen Stimmverstärker aus ihrer Tasche, hält ihn sich an den Hals und sagt mit blecherner Stimme: "Ich rauche nicht mehr." Abschrecken will man die Schüler. Lungenkrebs und Tod ziehen sich thematisch durch den eineinhalbstündigen Vortrag. Aber wenn die Statistiken in der PowerPoint-Präsentation sagen, dass allein in Deutschland jährlich 110.000 und somit täglich 305 Menschen an den Folgen des Rauchens sterben, dann lügen sie nicht.

Die Patienten, die Jens Leifert und seine Kollegen wegen der Folgen des Rauchens behanden, sitzen jedoch nicht sexy im Cafe herum und flirten. Die meisten hängen am Beatmungsgerät und sind zu geschwächt, um aus der Tür zu gehen. Bei ihrer Biostunde wirft die zweite Rednerin, die etwas strengere Mirjam Elze, Fachärztin für Innere Medizin, mit ekligen Begriffen wie Schleimhusten, Auswurf, Geschwüren und Impotenz um sich. Sie klärt auf über die enormen Herzinfarktrisiken und die Entwicklung des Lungenkrebses durch das Rauchen.

"Ich fand es sehr mutig von dem Patienten, hier vor so vielen Leuten aufzutreten und mit uns über sein Leben zu reden", sagt Felix, ein Schüler der 7. Klasse des Deutenberg Gymnasiums. "Es ist ja schon ziemlich hart, was er durchgemacht hat, und auch die Statistiken haben mich beeindruckt - wie man zum Beispiel so viel Geld verlieren kann." Im Vortrag wurde nämlich auch über die finanziellen Folgen des Rauchens aufgeklärt. Von einem Jahr Rauchen könnte man sich ein neues Fahrrad oder eine Nintendo-Wii kaufen. "Ich werde auf jeden Fall versuchen, nie zu rauchen", sagt Felix.

Die Initiative "Abgebrannt" der Uniklinik, bei der sich die Klassen selber anmelden, gibt es schon seit 2005. Seit dem sind die Zahlen der jugendlichen Raucher deutlich zurückgegangen, was nicht zuletzt die Organisatorin Gudrun Knittel freut: “Wir freuen uns sehr, wenn wir den Jugendlichen das Rauchen ordentlich vermiesen können und somit bewirken, dass weniger Patienten an den folgen des Rauchens hier im Krankenhaus eingeliefert werden.”

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