Auswandern - wie geht das?

Adrian Hoffmann

Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben, oder wie war das? Bei Nicole, 27, die in Freiburg Psychologie studiert hat, gilt das wahrscheinlich mehr als für andere Menschen. Sie ist am Donnerstag zu ihrem Freund nach San Francisco gezogen und hat dafür und für einen Job ihr geliebtes Freiburg geopfert. Wie es ist, solch eine Entscheidung zu treffen, und wie man sich auf den Auszug aus heimischen Gefilden vorbereitet, hat sie uns kurz vorm Abflug erzählt.

Die Sache hat zwei Seiten: Natürlich fällt es Nicole schwer, sich von ihrer Heimat so lange Zeit zu trennen. Und richtig schwer fällt es ihr erst, sich von ihren Freunden, ihrer Familie zu trennen und ihre Traumwohnung aufzugeben. Andererseits aber, sagt sie: "Mich hat es schon immer weg gezogen." Und da ergab sich im Sommer letzten Jahres eben dieses Praktikum bei einer Webdesgin-Firma, in der Mission, einem netten mexikanisch-spanischen Viertel in San Francisco, erst drei Monate lang. Und da war plötzlich auch noch ihr neuer Freund, ein Schotte auf Abwegen, der selbst vor sechs Jahren in die USA ausgewandert ist. Aber wie kann man sich letztlich dafür entscheiden, dauerhaft die alte Heimat zu verlassen? Die vielen Freunde, das Freiburger Café-Flair? “Die Cafés vermisse ich jetzt schon”, sagt Nicole, ihre Freunde auch, aber eine der besten Freundinnen sei sowieso schon jahrelang mal dort, mal in Toulouse, sie telefonieren sowieso nur noch, drei Mal die Woche, da wird sich ja auch in San Francisco nichts ändern.


Und mit ihrer Mutter bleibt sie per Webcam in Kontakt ? was sehr wichtig für beide ist. In einem engen Kontakt kann man nun mal besser bleiben, wenn man sich sieht, sich in die Augen schauen kann, wenn auch nur über den Bildschirm. Und treffen kann man sich künftig in der schönen Mitte: zum Urlaub in der Karibik. Außerdem ist da Nicoles neue Welt. Sie hat sich während des Praktikums nicht nur in ihren Freund verliebt, sondern ein bisschen auch in die Stadt. Sie hat einen französischen Bäcker gefunden, einen italienischen Supermarkt, irgendwie stimmt eben auch die Lebensqualität, und die spiegelt sich im Essen wider. “Vielleicht ist das auch ein Grund dafür, warum es mir leichter fällt, dorthin zu ziehen”, sagt Nicole, “es ist irgendwie vieles so europäisch.” Was etwas problematisch geworden ist, war Nicoles Gepäckplanung. Sie hat sich extra eine Monstertasche zugelegt, die sie, wie sie herausgefunden hat, nicht mitnehmen darf, weil sie zu groß ist. 162 Liter hätten reingepasst. Jetzt musste sie aussortieren. Auf jeden Fall mitgenommen hat sie: ihr Tapas- und ihr asiatisches Geschirr + Stäbchen, auch wenn sich das etwas äußerst komisch anhört. Es ist so ein bisschen ein Stück Heimat für sie?

Nicoles Tipps für alle, die einen längeren Auslandsaufenthalt planen:

  • Äußerst von Vorteil: Die Sprache gut zu können. Sonst steht einem anfangs ein Leben voller Small Talk bevor, Small Talk, Small Talk, und immer nur lästiger Small Talk.
  • Erst mal ein paar Monate dort gewesen sein, um sich zu diesem Schritt zu entscheiden. Die Leute kennen lernen, einen Freundeskreis finden, den Alltag leben. Nur so weiß man wirklich: Will ich da überhaupt hin? So spart man sich das Bereuen.
  • Unbedingt vorher schon einen Job finden. Aber auch unbedingt: Nicht gleich den Vertrag unterschreiben, sondern erst mal ein paar Wochen testen. Probezeit für einen selbst sozusagen, damit man nachher auch diese Entscheidung nicht bereut.
  • Sich frühzeitig ums Visum kümmern.
  • Das Gepäck vorher in Häufchen unterteilen: Was muss auf jeden Fall mit? Was nehme ich vielleicht mit? Was nehme ich mit, wenn ich zufällig noch Platz habe?
  • Schon die Jahre vorher öfter länger verreisen, damit sich die Familie daran gewöhnt, dass man oft und lange weg ist. So akzeptiert sie das Vorhaben eher.
  • Ganz wichtig: Die Eltern fit für neue Medien machen. Ihnen das Chatten beibringen, wie man Skype nutzt, wie man sich über die Webcam unterhält.