Auswärtsfahrt nach Nürnberg: Beim tapferen Arbeitssieg des SC dabei

Berti 'piercer' Vogts

Am Samstag hat der SC Freiburg gegen Nürnberg den ersten Auswärtssieg der Saison hingelegt. Impressionen von diesem erfreulichen Auswärtsspiel von Berti 'Piercer' Vogts:



Der Weg zum Stadion

Nix von drangvoller Enge in der U-BahnLinie 1 Richtung Messe. Einige wenige Cluberer vermischen sich mit normalen Einkaufstütenbepackten Samstagspassanten. Angst macht sich kurz breit, später in einem halbleeren Stadion zu stehen. Diese soll sich später als haltlos herausstellen.

Die meisten der insgesamt 38 000 Menschen im Stadion sind wohl später oder anders zum Spiel gefahren. Leichtes Herzklopfen auf dem Marsch über die Messe und einen lauschigen Waldweg entlang, um endlich die Silhouette des Frankenstadions zu erspähen. Da der euphorisierte Fan in der Regel gerne etwas früher am Ort des Geschehens ist, habe ich genügend Zeit, einen kleinen Rundgang ums Stadion zu machen und die Atmosphäre aufzunehmen.

Soundtrack & Stimmung

Es ist nicht besonders schwer, bessere Stadionmusik zu spielen als in Freiburg. Das mich im Außenbereich des Frankenstadions ein alter David Bowie-Song empfängt, ist jedoch eine besonders gute Überraschung. So kann ich in angenehmer Atmosphäre bei blaumen Himmel und Sonnenschein vor dem Stadion unter vielen (noch) entspannten Nürnbergfans ein letztes Vollbier trinken, bevor es in den Gästeblock geht.



Die Jungs an der Tür, Klos & Catering

Sowohl das Securitypersonal als auch die Polizei sind angenehm freundlich und entspannt, was entweder der unagressiven Stimmung geschuldet war oder dazu beigetragen hat. Die Toiletten sind sauber und geräumig - so wie ich sie mir im neuen Freiburger Stadion auch wünsche.
Die Damen am Kiosk verkaufen angenehm höflich und zuvorkommend alkoholreduziertes Bier und Bratwurst.  Als Vegetarierer hatte ich sowieso nicht mit einer ausgefeilteren Speisekarte gerechnet, und ich war ja auch nicht zum Essen gekommen.

Stimmung in Stadion & Gästeblock

Das Stadion ist ein Achteck, das seinem Vorgänger aus dem Dritten Reich nachempfunden ist, wie mir ein Mitfan erzählt. Diese Information erstmal für sich stehenlassend der Blick ins weite Rund: hübsch anzusehen, ist es schon. Nur steht man als Fan weit weg vom Spielfeld, weil zwischen Tribünen und Rasen eine Aschenbahn verläuft.



Der Zeitvertreib bis zum Anpfiff ist nicht schwierig, kann man doch darüber diskutieren, ob man an der Fanaktion teilnehmen wollte die von drei Supporter-Gruppen organisiert wurde: auf einem DIN A 4 Blatt steht in dicken, schwarzen Lettern 'NEIN'. Dies soll der willige Fan beim Einlaufen der Teams hochhalten, um seine Kritik an personalisierten Eintrittskarten zum Ausdruck zu bringen. Der Versuch einer inhaltlichen Positionierung ist auf die Rückseite der Blätter gegedruckt und ebenfalls vorbereitet ist ein Spruchband mit dem Text: "... zu personalisierten Eintrittskarten!"

Die Atmosphäre vor und bei dem Einlaufen ist fantastisch und stimmungsvoll. Die typischen Nürnberger Fanfahnen auf dem Spielfeld und die Sprechchöre und Gesänge sorgen kurz für eine angenehme Gänsehaut. Im Freiburgblock allerdings erstmal Augenreiben über den spärlichen quantitativen Support: nur geschätze 200 Fans haben sich an diesem wunderschönen Samstag auf den Weg nach Franken gemacht! Dem qualitativen Support tat dies aber keinen Abbruch.  Da es fussballerisch ein Magerkostspiel war, waren von den Nürnbergfans bald nur noch die Ultras zu hören, während der Freiburger Anhang ähnlich tapfer wie die Jungs auf dem Spielfeld zuerst die noch stehende Null und danach lautstark den Ausgleich feierten.

Als der Sportclub in der 90. Minute auch noch einen berechtigten Foul-Elfmeter zugesprochen bekommt, den Papiss Demba Cisse nach kurzer Diskussion mit Julian Schuster direkt vor dem Gästeblock sicher zum 2:1 Siegtreffer verwandelt, explodiert die Freude des mitgereisten Anhangs. Und der Schiedsrichter pfeift die Partie gar nicht wieder an.



Fazit & Rückweg

Auswärtssieg! Drei Punkte geholt! Die rote Laterne abgegeben! Schön, wenn Auswärtsmühen tatsächlich mit einem Sieg belohnt werden. Wir hatten zwar einen an diesem Tag unterirdisch schlechtspielenden Andreas Hinkel, aber auch einen bärenstarken Jan Rosenthal im Team und es ist wieder jeder für jeden gelaufen. Nun gilt es nachzulegen im nächsten 'Sechs-Punktespiel' gegen die Hertha aus Berlin.

Ich gestehe, dass ich auf der Rückfahrt  - ganz allein - meinen Fanschal eingepackt habe. Als Fussballfan habe ich grosses Verständniss für die Befindlichkeit der gegnerischen Fans bei Heimniederlagen und es ist ein Gebot des Respekts, auf eben diese Befindlichkeiten Rücksicht zu nehmen. Schon oft habe ich mich auf Nord im Dreisamstadion über mitgebrachte, befreundete Gegenfans geärgert, die diesen Resekt missen lassen - und Ärger will ich schließlich auch nicht. Für mich endet der erfreuliche Fußballnachmittag damit, dass ich meinen Triumph in der U-Bahn nur innerlich auslebe.

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  [Fotos: Autor]