Bluetooth-Kopfhörer

Australier lässt mit mobiler Disco Freiburger tanzen

Merlin Gröber

Ein Fahrrad, drei Anhänger, 100 Kopfhörer, fertig ist die Disco: Der Australier Nathan Thurlow lässt auf öffentlichen Plätzen in Freiburg Menschen tanzen.

Das Besondere: Die Musik schallt nicht aus lauten Boxen, sondern aus Bluetooth-Kopfhörern, die der 34-Jährige an tanzwillige Personen verleiht. Dazu verteilt er Tee, Snacks und Wasser. Mit seinen kostenlosen Veranstaltungen möchte er die Bürger zusammenführen, Hoffnung schenken und einen göttlichen Auftrag erfüllen.


Sie sind aus Holz, stehen auf Rädern und haben Solarzellen auf dem Dach: Die drei Fahrradanhänger von Nathan Thurlow bieten Platz für Waschbecken, Wassertanks, Kühlschrank, DJ-Pult und Bluetooth-Kopfhörer. Wer möchte, kann auf einem Anhänger mit Mikrofon, Gitarre und Lautsprechern selbst Musik machen. Dazu verteilt Nathan Thurlow Chai Tee, Snacks, Wasser und "bald hoffentlich auch Smoothies", wie er sagt. Alles kostenlos.

12 Jahre lang auf Weltreise

Die Idee zum Projekt "Nächstenliebe – New Heart Festival" kam Nathan Thurlow vor zwei Jahren in Australien, seinem Heimatland. Bis dahin hatte er ein rastloses Leben geführt. Nathan Thurlow wuchs auf einer Farm in der Nähe von Melbourne auf, seine Eltern gründeten eine Waldorfschule, die er besuchte. Ein Studium nach der Schule kam für ihn nicht in Frage: "Stundenlang drinnen sitzen und lernen ist nichts für mich", sagt der 34-Jährige.

Stattdessen arbeitete er, kaufte sich ein One-Way-Ticket nach Südostasien und begann zu reisen. 12 Jahre lang war er unterwegs. "Ich arbeitete, feierte, ließ mich treiben und nahm Drogen". Als ihn seine Freundin vor zwei Jahren mit dem gemeinsamen Sohn verließ, änderte Nathan Thurlow sein Leben. "Es war eine sehr schwierige Zeit für mich", sagt er.

Vom christlichen Glauben geprägt

Durch einen Freund fand er zum christlichen Glauben und begann die Leere in seinem Leben zu füllen: "Die vielen Reisen hatten mir zwar das Gefühl gegeben, frei zu sein, sie konnten mich aber nie wirklich zufriedenstellen", sagt der Australier. Erst mit dem Glauben an Jesus Christus habe er diese Lücken füllen können. Seither möchte er die Nächstenliebe weitergeben, die Jesus predigte: "Ich spiele Musik in Gottes Auftrag." Mit dem Projekt möchte Nathan Thurlow Menschen zusammenbringen und Hoffnung schenken: "Die beste Lösung für Probleme ist Nächstenliebe".

Ein Jahr lang dauerte es, bis er das Equipment zusammenhatte. Seine gesamten Ersparnisse, insgesamt 25.000 Euro, investierte er in das Projekt. Im Februar zog er von Australien an den Tuniberg, wo sein Sohn lebt. Seither fährt er jeden Samstag mit seinem Fahrrad los, um auf dem Augustinerplatz, dem Stühlinger Kirchplatz oder im Seepark seine Anhänger aufzustellen. 60 bis 100 Menschen kommen nach seinen Angaben zu den Events. Getragen wird das Projekt durch Spenden und die Hilfe von freiwilligen Mitarbeitern.

Noch keine Genehmigung von der Stadt

Eine Genehmigung hat Nathan Thurlow bisher nicht. Spielt er auf öffentlichen Plätzen, kommt öfters die Polizei. "Meistens reagieren sie entspannt, wenn sie erfahren, was ich mache, und warum ich es tue", sagt er. Kürzlich beantragte er eine Genehmigung für sein Projekt bei der Stadt Freiburg. "Ich bin kein Anarchist, ich wusste schlichtweg nicht, wie das in Deutschland mit den Behörden funktioniert", sagt er.

Sein Deutsch reichte für eine Antragstellung nicht aus, Freunde halfen ihm beim Formulieren. Seither hofft er auf einen positiven Bescheid. "Mein Projekt ist absolut familienfreundlich. Es gibt keinen Alkohol, keine Drogen, ich verursache keinen Lärm, alles ist kostenlos und ich mache öffentliche Plätze sicherer", sagt Nathan Thurlow.

Vor allem auf dem Stühlinger Kirchplatz würde die friedliche Menschenmenge die Drogendealer bei der Arbeit stören und damit den Ort den Bürgern zurückgeben. Ans Aufhören denkt er daher noch lange nicht: "Solange ich Menschen finde, die tanzen wollen, mache ich weiter."

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