Australien: Tipps für Backpacker

Lilian Kaliner

Vielleicht haben Lilians Reiseberichte ja den einen oder die andere dazu animiert, eine vergleichbare Unternehmung zu starten. Für eine längere Australienreise sollte man gerüstet sein. Hier einige erprobte Hinweise.



Vor der Reise

...muss man entweder ein dreimonatiges Besuchervisum oder ein einjähriges working holiday Visum beantragen. Das geht am besten online über die australische Botschaftshomepage. Mit dem dreimonatigen Besuchervisum darf man kein Geld verdienen, man kann aber wwoofen. Dabei arbeitet man einige Tage lang ein paar Stunden am Tag und bekommt dafür Kost und Logis.

Wir wollten lieber Geld verdienen, aber wir hörten lustige Geschichten über wwoof-Gastgeber. Es gibt Bücher zu diesem Thema, die man über Buchhandlungen bestellen kann und in denen die verschiedenen Gastgeber aufgelistet sind. Die Aufgaben ziehen sich von Kindersitten bis Unkrautpflücken. Wir hörten sogar von zwei Jungs, die beim Kastrieren von Jungstieren helfen mussten.

Für welches Visum und für welche Aufenthaltszeit auch immer man sich entscheidet, eine Sache ist unumgänglich: eine Auslandskrankenversicherung.

Wo will man ankommen?

Die meisten Backpacker beginnen ihre Australienauszeit in Sydney oder Melbourne. Diese Städte haben ihren besonderen Reiz. Wir haben in Brisbane begonnen, wie Adelaide eine gute Stadt für den Anfang. Diese Städte sind überschaubar, die Autopreise deutlich niedriger (wir zahlten 1700 Dollar für unseren Van). Wir empfehlen, Sydney erst später zu besuchen, da die Stadt als erste Anlaufstelle sehr stressig sein kann.

Ankunft in Australien

Von Deutschland aus sollte man sich ein Bett für die ersten Nächte vor Ort besorgen. In den ersten Tagen sollte man unbedingt an den Visumsstempel denken, den man sich extra auf einem Amt abholen muss. Entweder findet man die entsprechende Adresse schon vorher im Internet raus oder man bekommt sie bei der Einreise am Flughafen.

Anschließend sollte man ein Konto eröffnen, um später sein Gehalt einzahlen zu können. Dies geht bei jeder Bank, allerdings dauert es eine Woche, bis die Karte fertig ist. Die kann man sich aber mit c/o, ähnlich wie die Weihnachtspost, an jedes Postbüro im Land schicken lassen. Dieser Dienst der Post ist kostenlos.

Auto oder Bus?

Man kann natürlich auch ohne Auto durch Australien reisen. Es gibt Buslinien durch das ganze Land und wenn man dadurch hauptsächlich in Jugendherbergen schläft, lernt man unzählige Leute kennen. Bustickets rund um Australien werden angeboten, sind aber nicht ganz billig. Für Leute, die nur ein paar Monate reisen wollen, sind sie aber eine gute Alternative. Allerdings sieht man meistens nicht viel zwischen den Metropolen. Man verpasst dadurch kleine Ortschaften und Nächte an menschenleeren Stränden.

Zusätzlich ist es teuer, nur in Jugendherbergen zu schlafen, weshalb sich die meisten Backpacker für ein Auto entscheiden. Dieses kostet zwar einen Batzen am Anfang, aber man hat sein Bett immer dabei. Man kann entweder auf günstigen Campingplätzen schlafen oder wild campen.

Wenn man das Auto dann nicht zerlegt oder der Motor in die Luft geht (passiert Backpackern desöfteren), bekommt man am Ende der Reise bestenfalls sein Geld wieder raus.

Tipps zum Autokauf

Backpackerautos niemals bei einem Autohändler für Backpackerautos kaufen! Diese nennen sich zum Beispiel "travelers autobarn" und ziehen Backpacker professionell über den Tisch. Dort werden alte Busse mit einem Bettgestell ausgestattet und dann zu Preisen bis zu 5000 Dollar verkauft.

Der bessere Weg ist es, durch die Jugendherbergen der Stadt zu gehen und dort die schwarzen Bretter anzusehen. Viele Jugendherbergen bieten auch einen Stapel Autoangebote. Dort kann man von einem anderen Backpacker privat wesentlich günstiger kaufen.

Auf jeden Fall aber eine Probefahrt machen und wenn man sich unsicher ist, lieber die unabhängige Meinung eines Mechanikers in einer Werkstatt bezahlen.

Auch in Australien muss man ähnlich wie der deutsche TÜV ein safety certificate ablegen, das je nach Staat variiert. Bestenfalls sollte das Traumauto noch einige Monate REGO haben (Anmeldung mit Versicherung). Diese kann jeder Backpacker abschließen und versichert meistens jede Person, die das Auto fährt.

Daher bleiben die Versicherungen oft einfach bestehen, wenn die Besitzer wechseln.

Wir sind die ersten Monate mit der Versicherung von unserem Vorbesitzer gefahren. Uns wurde gesagt, es sei zwar nicht legal, es würde aber jeder machen. Dafür also keine Gewähr.

Geld verdienen

Früher oder später muss vermutlich jeder working holiday-Visa Besitzer arbeiten. Falls Interesse besteht, ein zweites Jahr dranzuhängen, dann muss man im ersten Jahr mindestens drei Monate in der Landwirtschaft arbeiten. So soll dieser wichtige Bereich der australischen Wirtschaft unterstützt werden.

Auf einer Obst- oder Gemüsefarm zu arbeiten, bringt Vorteile: meistens eine deutlich bessere Bezahlung als in der Stadt; man lernt das richtige Australien kennen und man kann mitten im Nirgendwo kaum Geld ausgeben. Diese Arbeit gibt es aber nicht nur mitten im Busch sondern auch in Küstenregionen im ganzen Land. Abgelegen muss es nicht immer sein. In Queensland kann man morgens Tomaten pflücken und nachmittags am Strand liegen.

Um Arbeitgeber und Arbeitswillige für die Landwirtschaft zusammen zu bringen, schuf die Regierung den National Harvest Labour Information Service. Über eine Hotline oder online kann man Arbeitsangebote aussuchen und sich telefonisch bei den entsprechenden Arbeitgebern melden. Wichtig ist es, zur richtigen Zeit in der richtigen Region zu sein. Wo es nichts zu ernten gibt, mangelt es an Arbeit. Es existiert ein Erntekalender fürs gesamte Land.

Diese Infos sollten die ersten Grundfragen abdecken. Man muss sich nicht den Kopf über Details zerbrechen, wenn man so eine Reise bucht. Die Australier sind sehr hilfsbedürftig. Man trifft viele Backpacker, die einem Fragen beantworten. Erstmal ankommen, die neue Luft schnuppern. Der Rest kommt von allein.