Ausgepresste Zitronen

Bianca Fritz

Wer die Goldenen Zitronen vor drei Jahren auf deutschen Festivalbühnen abgefeiert hat, dürfte von ihnen gestern im Jazzhaus enttäuscht gewesen sein. Damals haben sie gerockt. Gestern war es anders und vornehmlich laut. So laut, dass sich selbst die Hardcorefans in den ersten Reihen zeitweise die Ohren zuhielten. Bianca hat trotzdem zugehört.

Den Abend eröffnen School of Zuversicht, obwohl der Veranstalter keine Vorband angekündigt hat. Schöne 25 Minuten Hamburger Elektro-Pop-Punk, vom Publikum wohlwollend aufgenommen. Das Mädchen am Mikro, bekannt als DJ Patex, singt mal hoch, mal tief. Aber immer warm und sexy.Kurze Umbaupause, dann kommen die Zitronenherren auf die Bühne. Frontmann Schorsch Kamerun ist erstmal nur zu hören. Dann wird die Lederjacke mit dem Nietenaufdruck “Fuck the Police” sichtbar. Als das Licht beim ersten Song - “Wenn ich ein Turnschuh wär” ? heller wird, erschreckt man ein wenig. Die Zitronen sind alt geworden. Doch die Stimme Kameruns klingt kraftvoll und hypnotisierend wie eh und je. Die Fans lieben sie. Etwa 250 Besucher schauen sich den Gig an: Punks, Nicht-Punks, Junge und Nicht-mehr-ganz-so-Junge. Die meisten haben die Zitronen schon vor 15 Jahren gehört und stehen weiter hinten.Nach einer halben Stunde hat man das Bedürfnis, noch viel weiter hinten zu stehen, am besten draußen. Die Aggression steigert sich bei jedem Lied ein wenig mehr. Kein Lächeln, kein Spaß, nur treibende Instrumente und Sprechgesang mit tiefgründigen Texten. Diskurs-Punk? Wie auch immer, bei der Songauswahl setzt die Band überwiegend auf junges Material des neuen Albums “Lenin”. Gerockt hat die Band - früher mal.