Ausbildungsplatz trotz Krise: Eine Erfolgsstory

Anne-Kathrin Weber

Der Einstieg in die Arbeitswelt ist für junge Menschen bei allgemeiner Kurzarbeit und weitgreifendem Stellenabbau schwer geworden. Katja Ehrhardt, 23 und aus Waldkirch, hatte obendrein nicht mehr vorzuweisen als einen mäßigen Hauptschulabschluss. Wie sie sich trotzdem einen Ausbildungsplatz bei einem Fotografen gesichert hat, steht im folgenden Text.



Zahlreiche Unternehmen sind gezwungen, ihre Personalkosten durch Kurzarbeit oder Stellenabbau zu drücken. Wie und wo soll ein Jugendlicher da noch einen guten Ausbildungsplatz finden? Konkurrenz gibt es genügend, Stellen leider nicht. Dafür aber Hilfe vom Staat und von der Caritas: Die Agentur für Arbeit will mit Fördermaßnahmen Jugendliche und junge Erwachsene in den Arbeitsmarkt integrieren. Dass und wie es funktionieren kann, zeigt das Beispiel der zukünftigen Fotografin Katja Ehrhardt.


Eigentlich wollte Katja früher Krankenschwester werden. Nach dem Hauptschulabschluss besuchte die 23-Jährige die Berufsfachschule für Hauswirtschaft in Wolfach und fing gleichzeitig an, Bewerbungen zu schreiben. Rund 40 potenzielle Arbeitgeber kontaktierte die junge Frau – ohne Erfolg. Oftmals kam gar keine Reaktion, in den restlichen Fällen eine Absage. Nicht ein Arbeitgeber lud sie zu einem Vorstellungsgespräch ein. Der Schulabschluss sei ungenügend, das Alter stimme nicht, die anderen Bewerber seien einfach besser qualifiziert.

Mit der Häufung der Absagen stieg bei Katja auch der Frust. Kein Unternehmen gab ihr die Chance, sich zu beweisen. Um sich finanziell über Wasser zu halten, arbeitete die junge Frau sechs Jahre als Reinigungskraft und Maschinenbedienerin. Traumjob? Karriere? Fehlanzeige! Aber Katja wollte nicht aufgeben. Sie wandte sich 2008 hilfesuchend an die Agentur für Arbeit. Dort erkannte man ihr Potenzial und vermittelte sie an die berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen (BvB) der Caritas Freiburg.

Gemeinsam mit Lehrern und Betreuern hat Katja ihre Berufswahl noch einmal überdacht, ihre Bildungslücken geschlossen und schließlich in Eigeninitiative einen Praktikumsplatz bei einem Fotografen gefunden. Dieser übernimmt nun den Schwerpunkt der Fördermaßnahme: die berufliche Qualifikation. Vier Tage in der Woche arbeitet Katja im Geschäft. Ihr Chef Helmut Ringwald hat ihr nach und nach mehr Aufgaben zugewiesen, von der Bildbearbeitung bis zum Fotografieren. So fand Katja einen Einstieg in die Arbeitswelt und konnte ihren neuen Traumberuf kennenlernen. Immer wieder verlängerte ihr Chef das Praktikum, nach drei Monaten sicherte er der jungen Frau dann den lang ersehnten Ausbildungsplatz zu.



Parallel dazu wird Katja einmal in der Woche im Bildungszentrum in Freiburg betreut. Da ihre Schulzeit schon länger zurückliegt, wird sie in den allgemeinbildenden Fächern (Mathematik, Deutsch, EDV) unterrichtet und für die Berufsschule vorbereitet. Außerdem gibt es Bewerbungs- und Sozialtraining, Konflikt- und Schuldnerberatung. „Sie wird eine sehr gute Ausbildung absolvieren“, meint Helmut Ringwald.

Von Anfang an hatte er bei der Praktikantin ein gutes Gefühl. Überzeugt hat sie ihn durch ihr freundliches Auftreten, ihre Begeisterungs- und Lernfähigkeit. „Da hat von Beginn an alles gestimmt“, erinnert er sich. Der oft erwähnte erste Eindruck war auch hier der Schlüssel zum Erfolg: Katja stellte sich direkt persönlich vor und war ihrem potenziellen Arbeitgeber so sympathisch, dass die Bewerbungsmappe und damit ihr Abschluss nicht mehr der ausschlaggebende Grund für eine Praktikumszusage war.



„Man kann es schaffen, wenn man sich nicht hängen lässt, Hilfe sucht und annimmt“, resümiert Katja. Obwohl sie nicht ihrem ursprünglichen Berufswunsch entspricht, freut sich Katja sehr auf die Ausbildung zur Fotografin. Und auch ihr zukünftiger Ausbilder Helmut Ringwald sieht positiv in die Zukunft: „Katja geht in ihrer Sache auf, hat Talent und geht vorbildlich mit ihren Kollegen und Kunden um.“

Auch Ulrike Rödling von der Caritas ist zuversichtlich: „Nicht jeder Teilnehmer nimmt so eigenständig, engagiert und motiviert am Projekt teil. Das aber ist die Voraussetzung für einen Erfolg. Wir bieten das Rahmenprogramm. Etwas daraus machen müssen die Jugendlichen selbst.“

Hilfe für Jugendliche auf Arbeitssuche

Insgesamt gibt es in der Region über 200 Jugendliche, die wie Katja in den Arbeitsmarkt integriert werden sollen. Die Caritas hat derzeit 84 Plätze. Teilnehmen können alle unter 25 Jahren, die die allgemeine Schulpflicht erfüllt haben und ohne berufliche Erstausbildung sind. Die Betreuer stehen den Teilnehmern bei der Bewerbung, wenn nötig, mit Kontakten und Tipps zur Seite. Finanziert wird dieses Projekt durch die sogenannte Berufsausbildungsbeihilfe der Agentur für Arbeit, außerdem beziehen die Jugendlichen den normalen Kindergeldsatz.

[ 2. Foto: dpa]

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