Ausbildungs-Porträt: Was man als Kfz-Mechatronikerin und Bürokaufmann lernt

Dora Volke

Knapp 74.000 junge Menschen haben 2016 in Baden-Württemberg eine Ausbildung begonnen. Am liebsten werden junge Leute Kfz- Me chatroniker oder Kauffrau für Büromanagement. Was lernt man da eigentlich? Zwei Azubis aus Freiburg erzählen.

Kathrin Faller war schon als Kind von Autos fasziniert – jetzt wird sie Kfz-Mechatronikerin

Selbstsicher geht Kathrin Faller zwischen den Autos in der großen Werkstatt hindurch. Sie greift zum Schraubenschlüssel und dreht sich zum BMW neben ihr um. Als hätte sie nie etwas anderes gemacht. Die 18-Jährige aus Himmelreich macht eine Ausbildung zur Kfz-Mechatronikerin im BMW-Autohaus Märtin in Freiburg. Und sie fühlt sich wohl dort: "Die Leute sind sehr nett und die Stimmung in der Werkstatt ist einfach klasse", sagt Kathrin.

Das Faible für Autos ist ihr schon von klein auf mitgegeben worden: Der Onkel ihres Vaters hat eine Kfz-Werkstatt und ihr Vater hat zu Hause immer mal mit ihr geschraubt, erzählt sie. Schrauben gehört nun als Auszubildende in einer Autowerkstatt zu ihren täglichen Aufgaben: Ölwechsel, Motor tauschen, Bremsbeläge erneuern, Zündkerzen wechseln. Auch an ihrem eigenen Auto schraubt sie mal – sie fahre einen Renault Twingo, erzählt sie, und muss lächeln: "Als erstes Auto habe ich gedacht: Lieber keinen BMW, lieber etwas Kleineres."

Ein gutes Miteinander im Team ist Kathrin wichtig

Vor der Ausbildung hatte Kathrin Faller mit einem zweiwöchigen Praktikum in die Werkstattwelt hineingeschnuppert. Sie erwartete sich dann von der dreieinhalb-jährigen Ausbildung, "dass man ernst genommen wird und auch selbstständig arbeiten kann", so Kathrin. Ein gutes Miteinander im Team sei ihr auch wichtig gewesen – ihre Erwartungen haben sich bei Märtin zum Glück erfüllt, findet sie. "Wenn man Fragen hat, kann man jeden fragen", meint die Auszubildende. Das ist in der Werkstatt zu spüren: Kathrin und die anderen neun Azubis gehören hier einfach dazu.

Dass die Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker so beliebt ist, kann Kathrin gut nachvollziehen. "Das Themengebiet Auto entwickelt sich gerade, mit Elektronik und Hybrid, das ist sehr spannend", findet die 18-Jährige.

Kein Problem nur mit Männern zu arbeiten

Daran orientiert sich auch die Ausbildung: 2003 wurden die Berufe Kfz-Mechaniker und Kfz-Elektroniker zum Kfz-Mechatroniker zusammengelegt. Im Autohaus seien das aber nach wie vor zwei Bereiche, sagt Kathrin. Sie mag die Mechanik lieber: "Da kann ich mir besser vorstellen, wie das funktioniert." An zwei Tagen die Woche fährt Kathrin nach Lahr, wo sie zur Berufsschule geht. Mit 15 anderen Kfz-Mechatronikern hat sie dort Fächer wie Deutsch, Wirtschafts- und Sozialkunde, Elektrik, Physik, Fahrzeug- und Systemtechnik. Dass sie das einzige Mädchen ist, stört Kathrin nicht: "Wenn es zu viele Mädels sind, gibt es auch zu viel Zickereien", meint sie.

Da sie noch bei ihren Eltern wohnt, komme sie mit dem Azubi-Gehalt von 856 Euro im Monat im zweiten Lehrjahr gut klar. "Ein bisschen wenig ist es schon, aber ich glaube, kein Azubi bekommt mehr", sagt Katrin Faller.

Verständnis für Technik ist wichtig

Für die Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker sollte man vor allem Verständnis für Technik mitbringen, so die 18-Jährige. Und: Man sollte nicht zimperlich sein – "man wird halt schmutzig."

Körperliche Fitness sei in der Werkstatt ebenso wichtig. Das Autohaus zahle deshalb einen Teil ihrer Mitgliedschaft in einem Fitnessstudio, sagt Kathrin. Trotzdem sei besonders der Reifenwechsel eine Herausforderung. "Ich bin mit 1,54 Meter nicht wirklich groß – das ist nicht immer einfach", erzählt sie. Nach ihrer Ausbildung bei ihrem Ausbildungsbetrieb Märtin zu bleiben, kann sich Kathrin gut vorstellen. "Aber dann will ich auch was Neues erleben."
Die Beliebtesten Ausbildungsberufe

Die Top 5 bei Männern:
1. Kfz-Mechatroniker
2. Elektroniker
3. Kaufmann im Einzelhandel
4. Industriemechaniker
5. Anlagenmechaniker für Sanitär-,
Heizungs- und Klimatechnik

Die Top 5 bei Frauen:

1. Kauffrau für Büromanagement
2. Medizinische Fachangestellte
3. Verkäuferin
4. Kauffrau im Einzelhandel
5. Zahnmedizinische Fachangestellte

Daniel Ortlieb macht eine Ausbildung zum Kaufmann für Büromanagement bei der IHK – Freundlichkeit gehört da ganz selbstverständlich dazu

Tippgeräusche, Papierrascheln, ein leises Summen von der Deckenlampe: Daniel Ortlieb sitzt in einem ganz normalen Büro in Freiburg. Der Blick aus dem Fenster zeigt entfernt das Münster. Das Telefon klingelt: "Ja, hallo! Wie geht's dir?" Daniels Stimme klingt warm und freundlich. Man merkt, er hat Erfahrung im Kommunizieren.

Der 24-Jährige macht eine Ausbildung zum Kaufmann für Büromanagement. Er ist im dritten Lehrjahr bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Freiburg. Die IHK ist ein Verband von Unternehmen und ist unter anderem für die betriebliche Ausbildung zuständig – insofern ist Daniel hier mit seiner Lehre direkt an der Quelle.

"Die Arbeit ist abwechslungsreich. Ich bin alle paar Monate in einer anderen Abteilung und lerne viele unterschiedliche Facetten kennen." Daniel Ortlieb
Reiner Zufall und etwas Glück habe ihn zur IHK geführt, erzählt der 24-Jährige aus der March. Nachdem er das Kaufmännische Berufskolleg Wirtschaftsinformatik abgeschlossen hatte, fand er zwei Jahre lang trotz vieler Bewerbungen keinen Ausbildungsplatz. Bis es bei der IHK klappte. Und dort ist Daniel sehr zufrieden: "Die Arbeit ist abwechslungsreich. Ich bin alle paar Monate in einer anderen Abteilung und lerne viele unterschiedliche Facetten kennen."

Die Abwechslung war auch Daniels einzige Erwartung vor Ausbildungsbeginn: "Ich habe mir gewünscht, dass ich nicht drei Jahre lang jeden Tag das gleiche machen muss." Mehr Gedanken habe er sich aber nicht gemacht, sondern lieber alles auf sich zukommen lassen. Nur dass es eine kaufmännische Ausbildung sein sollte, das war Daniel wichtig.

Kommunizieren gehört zu den Hauptaufgaben

Zu seinen Aufgaben gehört vor allem das Kommunizieren: Telefonieren, E-Mails schreiben, Kunden betreuen. Außerdem bearbeitet Daniel häufig die Post. "Es ist ein Bürojob, da ist natürlich die Arbeit am PC die Nummer eins", sagt er. Deshalb sollte man sich für diese Ausbildung auch ein bisschen mit den Office-Programmen wie Word oder Excel auskennen, so der Azubi. Auch das Zehnfingertippen könne nicht schaden. "Natürlich ist es auch wichtig, dass man freundlich ist. In einem Bürojob hat man immer viel mit Kunden zu tun."

Bei der IHK fühlt Daniel sich auch als Azubi wertgeschätzt: "Die meisten Kollegen geben einem schöne Aufgaben, sodass man richtig mitarbeiten kann." Auch mit der Vergütung kommt Daniel gut zurecht. Jetzt, im dritten Lehrjahr, bekommt er nach Tarif rund 800 Euro.

Zum Glück keinen Kaffeekochen

Mit seinem Ausbildungsplatz bei der IHK habe er viel Glück gehabt, auch im Vergleich zu seinen Mitschülern an der Berufsschule. "Manche sind total unglücklich, weil sie nur Hilfstätigkeiten wie das klischeehafte Kaffeekochen bekommen", erzählt Daniel. Ein bis zwei Tage die Woche hat Daniel Berufsschule. Dort geht es viel um Betriebswirtschaft. Die 26 Azubis in Daniels Klasse lernen zum Beispiel, wie sie Projekte planen oder Geschäftsbriefe schreiben.

Auf die Frage, ob er sich vorstellen kann, nach der Ausbildung bei der IHK zu arbeiten, zögert Daniel. Nicht, weil es ihm hier nicht gefällt: "Die IHK ist wirklich ein super Arbeitgeber, es wird für die Mitarbeiter gesorgt, alle sind nett und wollen einen fördern." Auf lange Sicht würde Daniel aber gern noch mehr in Richtung Wirtschaftsinformatik gehen. "Ich bin noch auf der Suche danach, was mir so viel Spaß macht, dass ich es für immer machen möchte."

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