Schließung

Aus für das Fahrradcafé: In der Velosophie werden ab September Stoffe verkauft

Katharina Federl

Fahrräder raus, Stoffe rein: Das Café Velosophie in der Habsburgerstraße schließt aufgrund von Fachkräftemangel Mitte September. Aus dem hippen Fahrradcafé wird die Stoffanstalt. Ein Café wird es weiterhin geben.

Gemütlich einen Cappuccino trinken, während man darauf wartet, dass das eigene Fahrrad mal wieder in Schuss gebracht wird. Das war die letzten zweieinhalb Jahre in der Velosophie möglich. Björn Steffans Fahrradcafé muss nun schließen, weil der Inhaber nicht genügend Fachkräfte findet. "Das Schlimmste ist, dass das Konzept so gut angenommen wurde. Es geht auf, aber du kannst es nicht erfüllen", sagt Björn Steffan.


Die Idee der Velosophie ist vor einigen Jahren entstanden, als immer wieder Fahrradmechaniker in seinen Fahrradladen "Zahnrad" in Staufen kamen und meinten: "Wenn ihr in Freiburg wärt, würde ich sofort bei euch anfangen." Da Björns Freundin Sophia Sauter Konditorin ist und zu dieser Zeit schon ein Standbein in Freiburg hatte, war das Konzept des Fahrradcafés nicht weit.

"Ich bräuchte eine Woche mit 14 Tagen, um das alles alleine zu schaffen." Björn Steffan

Durch die anfängliche Euphorie des neuen Konzepts ist Björns Name in Freiburgs kleiner Fahrradszene schnell bekannt geworden. "Wir haben damals mit einem schönen Team gestartet. Nach und nach sind aber fast alle meiner Mitarbeiter studieren gegangen und konnten deshalb nur, wenn überhaupt, auf 450-Euro-Basis arbeiten", erklärt er. Björns Vorstellung war, die Fachkräfte auf seine beiden Läden aufzuteilen, aber auch in Staufen herrscht seit längerem ein Mangel: "Ich würde ja gerne welche nach Freiburg rüberschicken, aber ich habe niemanden."

Lange haben er und sein Team die Schließung nach hinten verschoben. "Wir haben vor uns hin gekämpft und uns eingeredet, dass es schon irgendwie gehen wird", gibt Björn zu, der sieben Tage die Woche zehn Stunden in der Velosophie arbeitet. Anfang 2019 ist dann der Knoten geplatzt: "Ich musste mir eingestehen, dass ich eine Woche mit 14 Tagen bräuchte, um das alles alleine zu schaffen."

Der Fachkräftemangel ist auch auf eine schlechte Bezahlung zurückzuführen

Das Problem des Fachkräftemangels in der Zweirad-Industrie wird mit der wieder steigenden Nachfrage an Facheinzelhandel immer akuter. Laut Björn ist der Mangel vor allem auf die schlechte Bezahlung zurückzuführen. Wenn er mit Kollegen aus Hamburg oder Stuttgart spricht, erzählen alle vom selben Problem. "Unsere Industrie hat sich das selber eingebrockt, früher haben viele den Beruf nur gelernt, weil sie Lust darauf hatten. Da hat das Geld keine Rolle gespielt." Heute sei das anders: "Ein gutes Gehalt ist für viele wichtiger als ein Job, bei dem man mit dem ganzen Herzen dabei ist."

Wie viel Herzblut und Energie er in seine Velosophie gesteckt hat, ist an der liebevollen Einrichtung und dem Ausdruck in seinem Gesicht zu erkennen. "Irre frustrierend" beschreibt er sein Gefühl, wenn er an die Schließung am 15. September denkt.

Ab dann heißt es nicht mehr Kaffee trinken in der Velosophie, sondern in der Stoffanstalt. Ein Café bleibt erhalten, Sybille Schäfer zieht mit ihren Stoffen von Designern aus Finnland, Schweden, Dänemark und den Niederlanden von der Emmendinger Straße in die Räume, die momentan noch voll mit Fahrrädern stehen.

Großer Ausverkauf in der Velosophie bis Mitte September

Bis zur Geschäftsübergabe verkauft Björn Räder, Zubehör und Textilien zu reduziertem Preis. Auch die selbstgemachte Inneneinrichtung - Lampen aus Rädern und Garderobenhänger aus Fahrradsatteln – stellt er zu einem großen Teil zum Verkauf frei.

Besonders vermissen wird der gebürtige Hannoveraner nicht nur das Design des Ladens, sondern auch die familiäre Atmosphäre. Viele seien täglich auf einen Kaffee vorbeigekommen, anderen ist erst im Laden aufgefallen, dass sie ja mal wieder ein Licht für ihr Fahrrad gebrauchen könnten. "Die Symbiose von Fahrradladen und Café wurde auf jeden Fall angenommen", stellt er fest.

Nach der Übergabe wird Björn wieder Vollzeit im Zahnrad in Staufen arbeiten. Im Oktober macht er dann aber erstmal Urlaub: "Wenn ich alle Überstunden aus den letzten Jahren abbauen würde, könnte ich fünf Jahre wegbleiben", scherzt er, "aber ich werde hier ja gebraucht".

Mehr zum Thema: