Aus für D & O Concerts: "Ich musste einfach 'Stop' sagen"

Gina Kutkat

Am 13. September 2009 wird Ralf Bäuerlein von D&O Concerts vorraussichtlich sein letztes Konzert veranstalten. In den vergangenen zwei Jahren hat der gelernte Veranstaltungskaufmann unter anderem The Lost Patrol Band, Turbostaat, Kilians, Rocky Votolato, Tiger Lou oder William Fitzsimmons nach Freiburg geholt und das Freiburger Konzertleben dadurch ziemlich bereichert. Gina hat Ralf nach den Gründen für seine Entscheidung gefragt.

Ralf, Jupiter Jones wird das letzte Konzert sein, das D&O veranstaltet, danach hörst du auf. Wie kam es zu diesem Schritt nach 2 Jahren Konzerte organisieren?


Nach zwei Jahren wollte ich eh Bilanz ziehen und schauen, ob und wie das läuft. Nun habe ich die Bilanz halt etwas früher gezogen und beschlossen: Nein, das läuft nicht. Wenn bei mehr Konzerten ein Minus als ein Plus steht, dann muss halt Schluss sein. Außerdem fehlt einem dann auch so langsam die Motivation und der Spaß, wenn man sich bei jedem Konzert vorher fragt, ob das was wird. Konzerte zu organisieren ist je nach Größe ein Haufen Arbeit. Für Arbeit dann noch Geld investieren zu müssen, anstatt wenigstens auf Null rauszukommen, sehe ich auf Dauer nicht ein.

Warum ist es so schwierig, in Freiburg gut besuchte Konzerte zu organisieren?

Wenn ich dass wüsste, hätte ich nur solche Konzerte gemacht, die gut besucht gewesen wären. Vielleicht sollte man da mal eine Umfrage machen. Eventuell liegt es auch daran, dass man Konzerte nicht downloaden kann und die daher etwas kosten.

Was ich - unabhängig von meinen Konzerten - echt bedenklich finde ist, dass zum Beispiel bei einer DJ-Veranstaltung drei Euro Eintritt verlangt wird und die Leute dann gehen, weil ihnen das zu teuer ist. Bei einem Konzert, dass zehn Euro kostet, kann ich das echt noch verstehen, wenn man nur zufällig dorthin geht.

Außerdem ist es in anderen Städten momentan wohl auch nicht so rosig mit Konzerten - aber immer noch rosiger als in Freiburg. Nur weil ein paar Banken pleite gehen, muss man doch nicht an seinem Vergnügen sparen.

In deinem Blog sprichst du von negativen Entwicklungen in den letzten Monaten. Was genau meinst du damit?

Ich habe mich immer öfter fragt: „Warum mach ich das überhaupt“? Das ist nicht besonders förderlich für die Motivation und den Spaß an der Sache und wenn ich nicht motiviert bin und mich auf etwas freue, dann leidet auch die Arbeit darunter. Vielleicht brauche ich auch nur ein paar Monate Pause und merke dann, dass alles doch nicht so schlimm ist. Sicherlich brauche ich auch Zeit zum überlegen, was ich hätte besser machen können und so weiter. In den letzten Tagen war einfach ein Punkt erreicht an dem ich Stop sagen musste.

Für viele Indie-Liebhaber waren D&O Konzerte stets Highlights – hast du trotzdem das Gefühl, dass du mit deinen Konzerten nicht genügend Anerkennung von Außen bekommen hast?

Konzerte veranstalte ich nicht, um Anerkennung zu erhalten. Das wäre ja die völlig falsche Motivation. Wenn sich jemand aber über eine Band oder einen Künstler gefreut hat, dann hat mich das natürlich insgeheim auch gefreut, weil es mit gezeigt hat, dass das was ich mache ja doch nicht so verkehrt ist. Eigentlich geht es bei den Konzerten doch nicht um mich, sondern um die Künstler. Ich mache nur meine Arbeit, damit die alles haben, motiviert sind, ihre Arbeit auf der Bühne gut verrichten und eventuell ein paar Leute da sind. Die Künstler sollten Anerkennung und Respekt erhalten, nicht ich.

Konzerte veranstalte ich entweder, weil ich die Künstler oder die Musiker mag und mir denke, dass es anderen Leuten auch gefällt. Oder ich veranstalte die Künstler oder Musiker, weil ich sie nicht mag, mir aber denke, dass sie von einer Menge anderer Menschen gemocht werden. Das ist jetzt ziemlich vereinfacht dargestellt. Der Hauptpunkt ist einfach: Konzerte sind cool und erst da zeigt sich, ob eine Band oder ein Künstler was taugt. Das ist einer der Hauptgründe, warum ich Konzerte veranstalte.

Du hast D&O Concerts vor 1 ½ Jahren gegründet, weil du „ schon immer Konzerte gemacht hast und nichts anderes tun wolltest“. Wie und wo geht es jetzt für dich weiter? Hast du noch Motivation, um woanders Konzerte zu organisieren?

Jetzt fahre ich erst mal nach Kölle, um mit KO Heynckes die Deutsche Alternative Meisterschaft zu gewinnen und dann schaue ich mal. Drei Konzerte habe ich ja erst mal noch. Wenn ich in Freiburg bleibe, dann werde ich, wenn ich Zeit habe, schon vielleicht das eine oder andere Konzert veranstalten. Wenn ich woanders hinziehe und meine, dort taugt es, dann vielleicht auch. Keine Ahnung, was ich in Zukunft tun werde.Der Geheimplan ist ja im Lotto zu gewinnen und dann nur noch in der Südsee Hula zu tanzen.

Vielleicht habe ich nach Jupiter Jones wieder genug Motivation und dann habt ihr meine Konzerte wieder an der Backe. Kann man alles noch nicht sagen.

Mehr dazu:

Geplante Konzerte:
  • A Hawk And A Hacksaw, 8. Juni 2009, White Rabbit, 9 Euro
  • This Will Destroy You, 23. Juli 2009, White Rabbit, 10 Euro
  • Jupiter Jones, 13. September 2009, White Rabbit, 9 Euro