Aus alt mach neu: Interview mit Lisa Vöhringer zur Frei-Cycle Designmesse

Sara Feickert

Korsagen aus Feuerwehrschläuchen oder Bilder aus Klebeband – auf der diesjährigen Frei-Cycle Designmesse wird das Thema Recycling und Upcycling kreativ umgesetzt. Wie aus etwas Altem etwas Neues wird und warum es sich lohnt, nächstes Wochenende einen Blick auf die "Öko-Designs" zu werfen, beantwortet Gründerin und Organisatorin der Veranstaltung Lisa Vöhringer.




Wie schafft man es, dass aus Müll etwas Nützliches und nicht einfach nur wieder Müll entsteht?

Es gibt verschiedene Wege des Upcyclings. Beispielsweise die Möglichkeit einer Zwischenverarbeitung. Das sieht man bei Notizbüchern aus Altpapier, die zwar nochmal vollgeschrieben werden können, aber langfristig dann doch entsorgt werden. Es gibt aber auch Produkte, die durch das ungewöhnliche Material widerstandsfähiger und somit langlebiger werden, wie beispielsweise Taschen aus Fahrradschläuchen. Die sind quasi nicht mehr totzukriegen und müssen nie wieder in den Müll. Das ist Recycling für lange Zeit. Wichtig ist aber vor allem auch die kreative Fähigkeit, in etwas, das man gerade wegwerfen wollte, ein neues und wieder nützliches Produkt zu sehen.

Welche Ideen sind das? Was sind die schrägsten Produkte, die sie auf ihrer Messe anbieten?

Es gibt zum Beispiel Korsagen aus Feuerwehrschläuchen. Hier nutzt die Designerin die Eigenstabilität des Stoffes und kann damit eine formgebende Korsage herstellen. Am Wochenende mit dabei sind außerdem der Amsterdamer Künstler Max Zorn, der Bilder nur aus Klebeband, Taschen aus alten Flugzeugrettungswesten oder Brandschutzkleidung herstellt. Wir bieten sehr vielseitige Produkte an, angefangen bei klassischen Recycling-Produkten bis hin zu wirklich ausgefallenen Sachen.

Kann man sich mit recycelten Produkten auch tatsächlich seinen Lebensunterhalt finanzieren?

Das kommt natürlich ganz drauf an. Einige Designer und Künstler stehen noch am Anfang ihrer Karriere, einige leben bereits davon, würden sich aber noch über finanziellen Zuwachs freuen. Es gibt natürlich auch Unternehmen, die schon ganz oben angekommen sind. Dazu gehört beispielsweise die Firma Feuerwear, die dieses Wochenende da sein wird. Sie vertreibt deutschlandweit Handytaschen und Portemonnaie aus Feuerwehrschläuchen.

Gibt es einen bestimmten Typ Mensch, der recycelte Produkte verkauft?

Nein, ich denke nicht. Jeder Designer hat da seine eigenen Beweggründe. Manche besitzen ein ökologisches Interesse und haben dann im Berufsleben gemerkt, dass ihre Tätigkeiten mit diesem Interesse kollidieren. Es gibt aber auch viele Kreative, die zufällig ein bestimmtes Material entdeckt und daraus spontan neue Produkte hergestellt haben. Also aus einem rein künstlerischen Aspekt heraus arbeiten. Oder Designer, die ihre Arbeit aus reiner Überzeugung machen und auch sonst sehr nachhaltig leben. Aber einen bestimmten Typ Mensch gibt es nicht. Die Beweggründe sind sehr unterschiedlich und somit auch die Angebote, die uns am Wochenende erwarten.

Gibt es noch andere Städte mit einem vergleichbaren Trend zu nachhaltigen und recycelten Produkten wie Freiburg?

Vom Gesamtpotential her passt die Messe am besten nach Freiburg, einfach weil keine andere Stadt die Nachhaltigkeitspolitik so stark praktiziert und dieses Image pflegt wie Freiburg. Aber es gibt auch andere Städte, die ähnliche Messen veranstalten, wie beispielsweise Bochum, München oder Stuttgart. Jedoch reduzieren manche Messen, wie zum Beispiel der Heldenmarkt, ihre Angebote nicht auf den Kunstfaktor, so wie wir das machen konnten, sondern kooperieren auch mit großen Firmen, etwa Solarfirmen. Wir versuchen mit der Frei-Cycle Messe für Freiburg etwas Besonderes zu machen. Eine Designmesse nur mit Recycling und Upcycling Produkten.

Mehr dazu:


Was:
Frei-Cycle Designmesse
Wann:
14. bis 15. September 2013
Wo: Baden Messe, Halle 8 und 9