Aufruhr in der KFH: Karlstraße besetzt

Julia Bauer

Lagerfeuerstimmung im Rektoratsgebäude der Katholischen Fachhochschule (KFH): Etwa 130 Studierende von Uni, PH und KFH besetzen seit 11.30 Uhr das Gebäude Karlstraße 63. Sie fordern Verhandlungen mit Rektor Edgar Kösler, der gegen das Quorum des Gebührenboykotts mit Mahnungen vorgehen will. Eine Reportage mit Video.



„Am Freitag haben etwa 160 Leute, das entspricht 35 Prozent der Zahlungspflichtigen, die Zahlung der Gebühren an der Katholischen Fachhochschule boykottiert“, sagt Jannis, der im fünften Semester Physik studiert und u-Asta-Vorstand ist. Er steht im Treppenhaus der KFH, trägt wie die meisten anderen hier das gelbe Shirt mit der Aufschrift "gebührenFRei" und wirkt vergleichsweise unaufgeregt.


„Heute wollte die Hochschulleitung die Mahnungen verschicken. Das sehe ich nicht als Verhandlung auf Augenhöhe an. Die Studenten wollen offene Gespräche, ohne Druck.“



Die Stimmung an der Karlstraße ist aufgewühlt, besonders im Versammlungszimmer. Dort hat am späten Vormittag eine Diskussion zwischen dem Rektor und den Protestierenden stattgefunden, nachdem die Gelben das Gebäude besetzt haben. Martina Steinmetz, 23 und Mitglied bei SGS (Stuhlkreis gegen Studiengebühren) erzählt: "Wir haben uns heute morgen getroffen, sind dann hoch ins Rektorat und haben es und dort gemütlich gemacht. Die Fachhochschulleitung hat uns daraufhin zu einem Gespräch eingeladen."



Die protestierenden Studenten fühlen sich unfair behandelt und sahen sich daher gezwungen, rasch zu handeln. Sie fürchten die Drohung des Rektors, eine Mahnung an all diejenigen zu verschicken, die am Freitag die Studiengebühren für das bevorstehende Semester nicht gezahlt haben.

Manuel Frick, 20 und Student der Physik, sagt: "Nachdem uns der Direktor am Freitag angekündigt hat, dass wir heute von 9 Uhr bis 11 Uhr mit ihm reden könnten, dass er danach aber die Mahnungen rausschicken werde, haben wir beschlossen, diese Mahnung aufzuhalten." Durch Mund-zu-Mund-Propaganda habe man den Plan verbreitet, das Direktorat zu besetzen.



Diese Besetzung hat Happening-Charakter und erinnert an die deutschen Kommunen der 1970er-Jahre: Die Studenten sitzen auf Treppen und Teppichen herum, spielen Gitarre, dichten den Spider-Murphy-Gang-Hit "Alarm im Sperrbezirk" zu "Alarm in der KFH" um und zocken Karten. Gleichwohl sagt Manuel: "Wir versuchen, niemanden bei der Arbeit zu stören und hoffen, dass unsere Forderung erhört wird." Vor lauter Reden ist er leicht außer Atem.



Kurz darauf im Besprechungszimmer: Auf der einen Seite etwa 30 Protestierende, hauptsächlich Mitglieder von "Stuhlkreis gegen Studiengebühren" (SGS) und "GebührenFRei", auf der anderen Seite die Hochschulleitung, vertreten durch Direktor Kösler und KFH-Kanzler Martin Kraft.



Die Diskussion verläuft eher emotional denn sachlich. Der Direktor zeigt sich enttäuscht über das Verhalten der Studenten und sieht keine Chance für eine Annäherung. Kösler bezeichnet die Forderung der Studenten als naiv, schließlich könne man die Studiengebühren nicht einfach von heute auf morgen abschaffen.

Manuel Frick sagt dazu später: "Darum geht es heute ja auch gar nicht. Wir finden nur, dass durch die Mahnung Druck auf die Studenten ausgeübt wird, der keine gute Verhandlungsbasis ermöglicht.“ Ziel der "Besetzung" sei es, die Verschickung der Mahnungen hinauszuzögern, wenn nicht sogar komplett aufzuhalten. Nur so lasse sich weiterhin fair über Studiengebühren verhandeln.



Rüdiger, 23, Biologiestudent, ist Mitglied bei der gebührenFRei-Kampagne und findet: „Es ist schlichtweg unsozial, an einer privaten Fachhochschule wie dieser hier Gebühren einzuführen. Denn es handelt sich dabei um eine persönliche Entscheidung des Rektors. Wir wollen durch die Besetzung Präsenz zeigen und hoffen, dass sich Studenten und Hochschulleitung solidarisch gegen die Gebühren einsetzen.“



Alle Anwesenden betonen, dass die Besetzung nicht zur Eskalation führen solle. Klar, friedlich läuft es hier schon ab, aber eben auch laut: Manche tragen Sofas durchs Treppenhaus, es herrscht ein ordentlicher Phonpegel, besonders im Flur des vierten Stocks. Man trinkt Kaffee und diskutiert. Ein Mädchen kommt heulend aus dem Sitzungssaal.

Eines darf man nicht vergessen: den Studenten droht die Exmatrikulation, falls sie mit der Leitung der KFH keine Einigung finden. Die beiden Lager haben sich nun intern beraten, bevor heute Nachmittag ein weiteres Treffen stattfinden soll. Der Ausgang ist ungewiss, ihre gelben Fahnen wollen die Boykottierer vorerst hängen lassen.

Mehr dazu:

Video: Studierende besetzen Rektorat der Katholischen Fachhochschule, Quelle:Badische Zeitung
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