Auf Wohnungssuche in Freiburg per Blog: 5 Antworten von Bianca Winkler

Miriam Jaeneke

Das ist Bianca Winkler. Zusammen mit ihrem Hund Fienchen sucht die 25-jährige selbständige Artist Developerin eine Wohnung in Freiburg - doch bisher ohne Erfolg. Jetzt schreibt sie ein Blog über ihre Wohnungssuche: "Freiburg, Deine Mietwohnungen". Warum macht man das? Wir haben nachgefragt:



Du schreibst, wer schon mal in Freiburg auf Wohnungssuche war, weiß: „Es gibt sooo viel zu erzählen!“ Rechtfertigt das schon ein Blog?

Bianca Winkler: Nein. Aber ich bin so gefrustet, dass ich dachte, ich muss meinem Ärger öffentlich Luft machen. Ich habe wahnsinnig viele Besichtigungstermine hinter mir, über 30 in vier Monaten. Aber ich war doch überrascht über die Resonanz.


Nachdem mein Blog auf der facebook-Seite „Du weißt du bist Freiburger, wenn“ verlinkt wurde, hatte ich innerhalb von zwei Stunden 600 Klicks. Außerdem kriege ich tausend Rückmeldungen, dass es fast allen so ergangen ist wie mir. Von daher glaube ich, dass sich jeder in gewisser Weise mit mir identifizieren kann. Außerdem hat das Blog sicher auch einen gewissen Unterhaltungswert für die Leute und sie lesen es deshalb.

Deine Traumwohnung liegt in der Wiehre, Herdern, Oberau oder Altstadt, hat zwei bis vier Zimmer im kürzlich sanierten Altbau mit Badewanne, Parkett, gerne Kamin für 650 Euro kalt, und Hunde müssen auch erlaubt sein. Hast Du nicht einfach zu hohe Ansprüche?

Doch, aber das ja auch meine Traumwohnung. Die vier Zimmer, das wären ein Büro, ein Wohnzimmer, ein Schlafzimmer und ein Ankleidezimmer: Irgendwo müssen meine siebzig Paar Schuhe ja hin! Ich bin schon wählerisch, ich möchte eine Wohnung, in der ich mich wohlfühle. Ich bin ja in der bequemen Ausgangssituation, dass ich bei meiner Mama im Gästezimmer wohnen bleiben kann, so lange ich möchte. Aber gerade Studenten müssen wirklich eine Wohnung finden und praktisch nehmen, was sie bekommen.

Dementsprechend schrauben sie ihre Ansprüche runter, was für viele Vermieter eine willkommene Einladung dafür ist, eine Wohnung einfach 30 Jahre lang nicht zu sanieren. Ich möchte aber eine Wohnung, wo der Vermieter ein bisschen investiert hat wieder und nicht nur die reine Rendite des Objekts sieht, sondern Leuten auch einen netten Lebensraum bieten möchte. Zentral sollte sie liegen, eine gewisse Größe haben und nicht überteuert sein. Und das Bad sollte jünger sein als ich.

Was war dein bisher denkwürdigstes Erlebnis bei der Wohnungssuche?

Da gab`s eine große Wohnung im Industriegebiet Nord, die ich mir nur angeschaut habe, weil die Miete verhältnismäßig günstig war und ich da super Arbeiten und Wohnen hätte kombinieren können. Sie war nicht das Highlight, aber okay.

Dann hat der Vermieter mich gefragt, was für eine Art Studio ich da aufmachen möchte. Ich habe nicht verstanden, was er meint, bis mir die gewerbsmäßig genutzten Räumlichkeiten in der Nachbarschaft aufgefallen sind: Die Wohnung haben sich nur Damen angeschaut, die da ein Etablissement eröffnen wollten, und das hat der Vermieter auch von mir angenommen. Da dachte ich: Ok, du hast nicht nur Schwierigkeiten, eine Wohnung zu finden, man hält dich auch noch für eine Prostituierte!

Hoffst du über das Blog auch auf das eine oder andere Angebot?

Ja, klar, ich hätte auch nicht die Seite „Meine Traumwohnung“ reingestellt, wenn ich nicht wollte, dass Leute das lesen, darauf reagieren und sagen, sie haben so was. Ich habe auch schon ein paar Wohnungsangebote bekommen, die ich mir anschauen und wo ich das Ergebnis im Blog veröffentlichen werde.

Viele Leute haben gepostet, dass sie Wohnungen vermieten wollen und Mieter suchen. Wenn man auf meinem Blog zusätzlich von Privat an Privat vermitteln könnte, wäre gerade Studenten und jüngeren Leuten, die nicht so viel Geld verdienen, echt geholfen. Und man könnte damit die mafiösen Maklerstrukturen umgehen. Makler haben es in Freiburg nicht schwer, Wohnungen zu vermieten und verdienen sehr viel Geld damit, dass sich bei einem Sammelbesichtigungstermin 40 Leute durch zwei Zimmer schieben.

Wie lautet nach deinen ganzen Erfahrungen dein Tipp für Wohnungssuchende?

Dass sie sich nicht alles gefallen lassen sollen, zum Beispiel patzige oder unverschämte Reaktionen von Maklern. Vermieter und Makler wissen um die bequeme Ausgangsposition, die sie auf dem Wohnungsmarkt hier haben. Aber das berechtigt sie nicht, unverschämt zu Leuten zu sein, die ein essenzielles Bedürfnis haben, nämlich ein Dach über dem Kopf zu finden.

Ich habe auf meinem Blog eine E-Mail von einem Makler gepostet, der auf die Frage, ob es denn wirklich so schlimm ist, einen Hund zu haben, nach dem Motto geantwortet hat: Hunde zerstören generell alles und ich solle nicht meckern, ich könnte mir schließlich auch eine Wohnung kaufen. Das ist gerade für Leute wie mich, die nicht das Kapital dafür haben, sehr frech. Es leben in 4,9 Millionen deutschen Haushalten Hunde, also irgendwo müssen doch noch Vermieter sein, die nichts gegen Hunde haben.

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