Auf Schatzsuche: Gold waschen im Rhein

Sebastian Hautli

"Die Goldräusche des 19. Jahrhunderts brachten viele tausende von Arbeitern der ganzen Welt dazu, ihre tägliche Arbeit in den Fabriken der industriellen Revolution aufzugeben und - teilweise samt ihrer Familie - in die Goldfelder zu ziehen, um dort ihr Glück zu suchen" steht in der Wikipedia. Und noch immer suchen Menschen nach Gold. Auch an ungewöhnlichen Orten. Wie im Altrhein bei Istein. Sebastian Hautli hat mitgesucht.



Alle stehen zum reinen Vergnügen im Althrein bei Istein, von Goldfieber noch keine Spur. 15 Teilnehmer, darunter einige Kinder. Aus Düsseldorf, Hannover, Heidelberg sind sie zu Franz-Josef Andorf gekommen, um Gold zu finden.


Gold im Rhein? Würde man alle Goldvorräte zusammennehmen, die in den unbegradigten Flussabschnitten zwischen dem Gestein verborgen sind, käme man auf einige Tonnen. Das, was an diesem Wochenende bei Istein gefunden wird, sind allerdings nur kleine Fitzelchen – und dennoch hofft jeder insgeheim auf einen großen Nugget, einen Goldschatz aus dem Rhein.

Das junge Paar, das in seinen Gummistiefeln schienbeintief im Wasser steht, gibt sich eifrig Tipps: "Du musst mehr Wasser in deine Pfanne lassen", sagt Tanja (28) zu Manuel (29). "Du musst sie mehr waagerecht halten, damit sich das Gold unten absetzt", sagt Manuel zu Tanja.



Das Goldwaschen ist eine herausfordernde Angelegenheit. Zuerst ist Muskelarbeit gefragt. Die Teilnehmer schaufeln grobes Flussgestein in Körbe, darunter die Goldwaschpfannen. "Gold ist 20-Mal schwerer als Wasser", sagt Franz-Josef Andorf, der seit vielen Jahren seine Wochenenden am Altrhein verbringt, um Gold aus dem Flussgestein zu waschen. Mittlerweile bietet der Titisee-Neustädter Kurse für Touristengruppen an.

Manuel, der eben noch entspannt im Wasser des Altrheins stand, entdeckt ein größeres Goldstück in seiner Pfanne. Größer in der Größenordnung des Rheins, denn noch immer ist der Flitter so klein, dass er auf einem Daumennagel weniger als ein Zehntel des Platzes einnimmt. Aber Manuel bekommt plötzlich ein Leuchten in den Augen.

Er hat sofort registriert, dass sein Fund mehr wert ist als der Durchschnitt, der an diesem Nachmittag gewaschen wird. Auch jene Goldflitterchen, die nicht viel größer als ein grobes Sandkörnchen sind, landen bei den Teilnehmern in kleinen Röhrchen. Auf dem Goldmarkt gäbe das ein paar Cent, der Sammlerwert dagegen ist unschätzbar.



Rheingold hat einen hohen Seltenheitswert. Viele Leute wissen gar nicht, dass es im Rhein Gold gibt. Oft scherzen die Teilnehmer des Goldwaschkurses. Meist geht es um die Frage, ob die Größe des Kofferraums ausreicht, um die Klumpen nach Hause zu befördern.

"Insgeheim glaubt jeder an einen großen Schatz. Man spricht nicht darüber", gesteht Sven Bürgel aus Neuenburg. Der 36-Jährige fährt seit zwei Jahren in seiner Freizeit an den Altrhein, um nach Gold zu suchen. "Es ist keine Geldgier, sondern Goldgier, man will es einfach besitzen", sagt er lächelnd. Nachdem alle Teilnehmer wissen, wie man die Goldkörner aus dem Flussbett siebt – nämlich indem man die Plastikpfannen gleichmäßig rotieren lässt und dabei den leichten Sand zurück ins Wasser gleiten lässt – baut Franz-Josef Andorf die Schleusen auf.



Auf einen Strömungskanal aus Metall wird Sand und Geröll geschaufelt. Sand und Steine fließen durch, das schwerere Gold soll sich im Sieb absetzen. Diese Methode ist effizienter.

Erst vor wenigen Tagen gab es in Istein sogar einen Jahres-Rekordfund: ein sechs Millimeter großes Goldstück, für Rheinverhältnisse ein Klumpen.

Mehr dazu:

Web: Goldsucher.de

Goldwaschkurse finden bei Istein und Neuenburg statt
Preis: Erwachsene 30 Euro, Kinder 15 Euro
Anmeldung: 07651.972644