Auf Reisen mit Quadro nuevo

Annabelle Steffens & Bastian Henning

"Die schönsten Wünsche sind häufig die unerfüllten Wünsche", philosophiert "Quadro Nuevo"-Frontmann Mulo Francel zwischen zwei Stücken und spielt damit darauf an, dass ihn die Sehnsucht inspiriert, häufig nicht die Erfüllung. Das deutsche Weltmusikquartett ließ am Dienstagabend allerdings keine Wünsche offen. Mit ihrer mitreißenden Mischung aus Tango, Valse Musette und Flamenco begeisterten die Musiker das Publikum im Jazzhaus.



Seit nunmehr 13 Jahren tourt Quadro Nuevo weltweit von Bühne zu Bühne und heimst eine Auszeichnung nach der anderen ein. Wer hätte das bei ihrer Gründung gedacht? 1996 trafen die vier Künstler in Salzburg aufeinander, um für den ORF Filmmusik einzuspielen. Der geplante Film wurde nie gesendet. Dafür entstand eine Ausnahmeband, die weder vorm "Pulp Fiction"-Klassiker „Misirlou“ noch vor melancholischen Klezmerstücken wie „Bei mir bist du schön“ zurückschreckt.

Quadro Nuevo, das sind der Saxofonist Mulo Francel, der als Solist schon mit vielen großen Orchestern arbeitete, Ex-Paco-de-Lucia-Bandmitglied Robert Wolf, Bassist D. D. Lowka und der Akkordeonspieler Andreas Hinterseher. Da Gittarist Robert Wolf kürzlich bei einem Verkehrsunfall verletzt wurde, vertrat ihn an diesem Abend Harfenistin Evelyn Huber.



Die sanften Klänge ihrer Harfe schafften eine ganz eigene, beinah feierliche Atmosphäre. Gerade bei den ruhigeren Soli schienen die Leute regelrecht den Atem anzuhalten. Alle Augen waren auf die zierliche blonde Frau gerichtet, die ihr riesiges Instrument stemmte und mit vollem Körpereinsatz spielte. Laute Gefühle in leise Musik umzuwandeln, ist eine Spezialität des Quartetts. Doch Quadro Nuevo können auch mit beschwingteren Tönen aufwarten. Ihr flammender Tango lädt zum Tanzen ein. Schade nur, dass das Konzert bestuhlt war. Selbst das doch gesetztere Publikum hätte da bestimmt nicht lange stillhalten können.

Immer zu Scherzen und kleinen Anekdoten aufgelegt, führte Frontmann Mulo Francel durch das knapp zweistündige Konzert. Er schien jede Minute mit dem Publikum voll auszukosten und zu genießen. Durch reichlich Hintergrundinformationen zu ihren Liedern und ihren Instrumenten gewährte er Einblick in das Leben und Denken der vier Künstler und klärte über wichtige Inspirationsquellen für ihre Musik auf. Beispielsweise reisen die Vier regelmäßig als Straßenmusiker durch den mediterranen Süden, treten bei Hochzeitsgesellschaften auf und proben in Italiens Gassen.

Die Nähe zum Publikum mache den ganz besonderen Reiz aus, betont Francel, bevor er wieder sein Saxophon an die Lippen setzt. Und diese Publikumsnähe war auch an diesem Abend spürbar. Da gibt es kein Posieren, kein sich in Szenen setzen. Im Vordergrund steht die Freude am Spiel, stehen die Instrumente, mit denen ein jeder der vier Künstler zu verschmelzen scheint. Ihr musikalischer Anspruch ist hoch. Dennoch fehlt ihren Stücken niemals die Leichtigkeit.

Auch wenn ihre Lieder vielfach auf Stücken aus längst vergessenen Epochen beruhen, ist ihr Spiel intensiv und lebendig. Es ist diese zeitlose Intensität, die Quadro Nuevo zu einer ganz außergewöhnlichen Band macht und diesen Abend zu einer musikalischen Reise durch Zeit und Länder werden ließ.



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Web: Quadro Nuevo

Foto-Galerie: Bastian Henning

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