Auf in den Endspurt

Eva Hartmann

Nach wochenlanger Zwangsvernachlässigung ihres Abnehmprogramms startet Gewichtshalbiererin Eva trotz schokoladigen Unterminierungsversuchen und mit einer neuen Radhose nun in den Endspurt ihres Projekts.



Wie gestern bereits angedeutet haben meine sportlichen Aktivitäten während der letzten Wochen arg nachgelassen. Aufgrund immensen unitechnischen Zeitdrucks musste ich Prioritäten setzen und die lagen dann nun mal eher auf der baldigen Beendigung meines Studiums. Fast vier Wochen lang habe ich, bis auf insgesamt vielleicht drei Besuche im Fitnessstudio, keinen Sport mehr gemacht.


Und nicht nur das: Auch mein Essverhalten war in letzter Zeit wirklich unter aller Sau. Bis auf wenige Ausnahmen bestand mein Speiseplan hauptsächlich aus Ofenkartoffeln mit Hüttenkäse, Hüttenkäse-Thunfisch-Matsch, Spaghetti mit Thunfisch und Kirchtomaten und dem, was die UB-Cafeteria und vorwiegend asiatische Schnellimbisse so hergeben. Für ausführliche Einkaufs- und Kochaktionen hatte ich einfach keine Zeit.



Meine größte Befürchtung, dass ich in dieser Zeit wieder einige Kilos zunehmen würde, hat sich glücklicherweise nicht bestätigt – ich habe sogar trotzdem ein bisschen abgenommen und wiege jetzt so „wenig“ wie seit fünf Jahren nicht mehr. Mittlerweile fällt mein Gewichtsverlust wirklich jedem auf und ich werde häufig darauf angesprochen. Derzeit hagelt es von Freunden und Bekannten beinahe täglich Komplimente, wohingegen ich von etwas missgünstigeren Gemütern -  Nachbarn, Kundinnen und gewissen Drogerieverkäuferinnen -  auffällig oft Schokolade geschenkt bekomme.



Wenn ich richtig mitgezählt habe, waren das während der letzten vier Wochen fünf  Tafeln, die ich alle an Ort und Stelle aufgerissen habe, um sofort vor den zornerfüllten Augen der Schenkerin genüsslich einen Riegel davon zu verputzen. Meistens habe ich dazu schmatzend Sätze fallen lassen wie „so viel Sport, wie ich mache, fällt das ja gar nicht mehr ins Gewicht“. Den Rest der Schokoladentafeln habe ich dann aber doch verschenkt und so den Speiseplan einiger Freiburger Straßenpunks um die ein oder andere Kalorie bereichert.

Was mich aber noch viel mehr nervt, als derartige Versuche, mein Vorhaben zu unterminieren, ist das Klamottenproblem, das sich aus meinen Abnehmerfolgen ergibt. Neulich habe ich meinen Kleiderschrank ausgemistet und drei Säcke mit mittlerweile hoffnungslos zu großen Sachen aussortiert. Übrig geblieben ist eine Dreiviertel Kleiderschrankfüllung mit Pullis, Shirts und Blusen, die mir noch immer viel zu klein sind und ein winziger Stapel von Sachen, die gerade gut passen. Aktuell besitze ich keine gut sitzende Hose, beide zuletzt gekauften Beinkleider kann ich mittlerweile ausziehen, ohne Knopf und Reißverschluss zu öffnen. Sogar der zwischenzeitlich zugelegte Gürtel vermag nichts mehr daran zu ändern, dass sie einfach zu groß sind und auch so aussehen. Derzeit spare ich auf eine mittelschwere Shoppingaktion.



Soviel zu den vergangenen Wochen – wie aber geht’s jetzt weiter? Ein kurzes Abzählen meiner Wurstfingerchen verrät mir, dass fast drei Viertel der Projektlaufzeit schon vorüber sind und mir gerade mal noch vier Monate bleiben, um mein Ziel zu erreichen. Gemäß dem Vorhaben, mein Gewicht tatsächlich zu halbieren, müsste ich in dieser Zeit noch etwa 35 Kilo abnehmen. Das wären  um die neun Kilo pro Monat. Selbst, wenn es zu schaffen wäre: Gesund klingt es nicht und ganz ehrlich: Mittlerweile halte ich das ehemals angestrebte Endziel von 53 Kilo auch gar nicht mehr für so wünschenswert.

Ich bin einfach nicht der Typ Frau, der unbedingt so mager sein muss, wie es irgendwie geht. Ich hab's gerne ein wenig üppiger – bei anderen, und eigentlich auch bei mir. Momentan habe ich trotz allem ja noch immer deutliches Übergewicht und fühle mich trotzdem so wohl wie schon seit langem nicht mehr. Wenn ich bis zum Ende dieses Projektes ein Gewicht von etwa 75 Kilo erreichen könnte, wäre ich echt zufrieden, glaube ich. Mit diesem Ziel vor Augen geht es ab sofort in den Endspurt – morgen wird eine Radhose gekauft!