Auf ein Croissant mit… J. Linn von J.Linns Tricycle

Benjamin Wissing

Als "peppy poppy Jazz" und "jazzy Pop" bezeichnet die Band J. Linns Tricycle ihre Musik. Wir haben uns mit Sängerin J. Linn getroffen und mit ihr über die anstehende Tour, Schokoladenbäume und Jamie Cullum gesprochen.

J. Linn, alias Jannike-Linn Herr, ist Kopf und Sängerin der Freiburger Band J. Linns Tricycle. Zusammen mit Felix Birsner und Max von Siegert spielt sie Musik irgendwo zwischen Pop und Jazz. "Life is lame" ist der Titel ihres Debütalbums, mit dem die Drei nun auf eine zweiwöchige Tour quer durch Deutschland gehen. Selbstverständlich geben sie auch in ihrer Heimatstadt Freiburg ein Konzert: am Sonntag, 14. August, im Puzzles.


Auf ein Croissant

Littenweiler, Lassbergstraße, Endhaltestelle. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite befindet sich das Café, das J. Linn als Treffpunkt ausgewählt hat. Sie wartet bereits davor und hat gleich noch ihren Drummer Felix mitgebracht. Es fehlt nur noch Bassist Max, und das Trio wäre komplett. Der ist aber noch in Brasilien, bei seiner Familie, und kommt erst heute Abend an.

Egal, auch Felix ist eher zur seelisch-moralischen Unterstützung dabei. Wir nehmen mit einem Kaffee auf der Dachterrasse Platz. J. Linn studiert zur Zeit Jazz-Piano in Irland, ist aber schon seit einer ganzen Weile wieder in Freiburg, um die anstehende Sommertour vorzubereiten.

Woher kommen die jazzigen Einflüsse in ihrer Musik?

Sie überlegt kurz. Einen richtigen Grund kann sie nicht nennen. "Das passiert einfach während des Entstehungsprozesses der Songs." Vielleicht habe auch der musikalische Einfluss ihres Vaters einen Anteil daran, der habe immer viel Jazz gehört.

Ein Label hat J. Linns Tricycle noch nicht, die anstehende Tour haben sie selbst geplant. Ob sie aufgeregt sind? Felix und J. Linn bejahen dies, schließlich sei es ihre erste Tour als Band – und als Musiker überhaupt. Mit bisher nur zwei Auftritten gehören sie wirklich nicht zum alten Eisen im Showgeschäft.

Bis jetzt ist ihnen die Nervosität jedoch nicht anzumerken. J. Linn lacht viel. Es ist ein ansteckendes Lachen. Ihre Texte hingegen wirken oft nachdenklich, ja fast etwas schwermütig, werden aber immer mit einem Augenzwinkern vorgetragen.

Und wie würde sie selbst ihre Musik beschreiben?

Das erste Wort, das ihr dazu einfällt ist: "anders". Dann stockt sie und kommt ins Grübeln. Felix eilt ihr zu Hilfe und ergänzt um das Adjektiv "ironisch".

Die meisten Ideen für Texte kommen ihr spontan.

Oft beginnt es mit einem Refrain, um den sie dann Strophe für Strophe baut, bis am Ende ein neuer Song entstanden ist. In vielen Fällen sei aber zuerst die Musik da. Wünscht sie sich manchmal einen weiteren weiblichen Part in der Band? J. Linn lacht.

"Ich habe das Glück, dass Max und Felix sehr weiblich sind. Beide mögen keinen Fußball und trinken wenig oder gar keinen Alkohol. Ich bin eher der männliche Part der Band." Felix stimmt zu.

Die Freiburger sind schon ok, sie sollten aber mehr abgehen. J. Linn


Nach dem Freiburger Publikum befragt meint sie, dass man merke, dass es vielen Leuten schwer falle, aus sich raus zu gehen. "Die Freiburger sind schon ok, sie sollten aber mehr abgehen. Vielleicht finden sie auch einfach unsere Musik scheiße."

Freiburg an sich sei zwar eine schöne Stadt, aber zur Traumstadt fehlten Bäume, an denen Schokolade wächst – und da es solche Bäume nicht gibt, gibt es auch keine Traumstädte. J. Linn nippt an ihrem Caffé Latte und dreht einen ihrer langen Rastazöpfe um den Finger.

Der letzte Künstler, der sie so richtig umgehauen hat, war Jamie Cullum. Als sie eines Nachts nach Hause kam, habe sie ihren Fernseher angeschaltet und sei bei einem Live-Konzert des englischen Singer-Songwriters hängen geblieben und habe bei jedem Song erneut gedacht: "krass".

Zwölf Konzerte in Folge sind ein straffes Programm – erst recht für eine Band, die erst zwei Konzerte gespielt hat. Was kommt danach? "Gleich am nächsten Tag zurück nach Irland, weiter studieren", dann allerdings im Fach Gesang.


  • Was: J. Linns Tricycle CD Release Konzert. Support - Juliacoustic Duo.
  • Wann: Sonntag, 14. August, ab 20:30.
  • Wo: Puzzles, Universitätsstraße 3
  • Eintritt: frei, um Spende wird gebeten.