Auf ein Croissant mit dem neuen EHC-Finnen Iivo Hokkanen

Daniel Laufer

Stimmt eigentlich, was man über die Finnen so sagt? fudder-Redakteur Daniel Laufer hat den Neuzugang des EHC Freiburg getroffen. Um 19.30 Uhr an diesem Abend haben die Wölfe gegen Heilbronn ihr erstes Spiel in der DEL2:



Iivo Hokkanen isst alles. Das ist nicht einfach so daher gesagt, er behauptet es selbst, mehrfach. Aber ein Croissant? So soll diese Artikel-Reihe ja heißen. Der neue EHC-Finne steht im Kabinengang und rümpft die Nase. "How about lunch?" Es ist Freitagmorgen, kurz nach elf. Der 30-Jährige hat trotzdem schon was geleistet. Gerade war er mit dem Team auf dem Eis. Das letzte Training vor dem Start der DEL2-Saison.


Der Stürmer will Thai-Food. Das gibt's in den Westarkaden. Grilled Chicken, gebratener Reis, dazu eine Coke. Den Berg Petersilie sortiert er zur Seite. Deutsche Speisedeko. Vor drei Wochen ist er aus der finnischen Stadt Mikkeli nach Freiburg gekommen.

Er ist zum ersten Mal im Deutschland und spielt überhaupt zum ersten Mal im Ausland. Wie ist das so? "Ich bin mir noch nicht sicher", sagt er. "Bis jetzt dreht sich alles um Hockey. Du isst, schläfst trainierst." Seine Freundin lebt auch weiterhin in Finnland. Sie hat ihm CDs geschickt - mit einem Deutsch-Kurs. Er hört sie im Auto, wenn er aus Emmendingen zum Training fährt.

Was hat er denn von Freiburg schon gesehen? "Ich war beim Medizincheck, da bin ich hingelaufen", sagt er auf Englisch. Immerhin: Einmal war er abends mit den Teamkollegen weg. Im Irish-Pub. Die Innenstadt gefällt ihm. "Sie ist mit den ganzen alten Gebäuden ganz anders als in Finnland."

Die Finnen? Eine urbane Legende

Die Finnen sind ja ein sagenumwobenes Volk. Sie sollen unheimlich viel trinken können, heißt es. Das übelste Gerücht: Einige tunken Tampons in Wodka - und stecken sie sich in Körperöffnungen. Stimmt das? Hokkanen lacht, fragt nach, zweimal. "Ich hab davon noch nie gehört. Vielleicht hat das irgendein Typ ja mal gemacht." Er aber nicht. Richtige Antwort.

Warum sind die Finnen im Eishockey eigentlich so verdammt gut? "Es ist Volkssport. Alle Kinder spielen es und wir haben viele gute Trainer." Schon Hokkanens Vater war Profi. Also hat auch Hokkanen damit angefangen.

Zuletzt hat Hokkanen in der finnischen zweiten Liga gespielt. Er erinnert sich an lange Fahrten in den Norden. "Da steigst du morgens in den Bus und hältst höchstens irgendwann mal an, um an der Tanke zu essen." Tankstellenkost. Der Mann isst wirklich alles. Eine gute Voraussetzung: Auch DEL2-Fahrten sind kein Spaß, zum Beispiel nach Bremerhaven.

Überhaupt scheint das finnische Eishockey die gleichen Probleme zu haben wie das deutsche. "Letzte Saison kamen zu unseren Spielen im Schnitt gerade mal 1100 Zuschauer, nur in Spitzenspielen oder den Play-Offs waren es mehr." Es gibt keinen geregelten Auf- und Abstieg. Macht das den Sport kaputt? Hokkanen sagt: Ja. Immerhin: In einem Jahr sollte Auf- und Abstieg in Deutschland wiederkommen. Eine neue Entwicklung. "So sollte das sein", sagt Hokkanen.

Selbstzweifel und TV-Serien

Grilled Chicken hin oder her: Das Leben als Leistungssportler ist auch ein Leben voller Disziplin. Bekommt er da nicht manchmal Lust, alles hinzuwerfen? Vor zwei Jahren hatte er eine gute Saison gespielt und gehofft, zu einem Team in die erste Liga zu kommen. "Es hat aber nicht geklappt. Da habe ich mich schon gefragt, ob das alles Sinn ergibt. Auf der anderen Seite ist es ein Privileg, das beruflich zu machen, was man gern macht. Es macht ja Spaß! Auch wenn man mal eine Pause braucht."

Was macht ein Eishockeyspieler, wenn er die Halle verlassen hat? "Ich schaue Fernsehen. Alle möglichen Serien." Hokkanen sucht auf seinem Handy nach den nicht-finnischen Namen: Prison Break, The Walking Dead, Californication. Er hat alle Folgen gesehen. Sein Rekord? Zehn am Stück. "Am Ende der Saison gibt es ein paar Tage, in denen man sich nur noch hinlegen will", sagt er. Und dann. Schade eigentlich, dass es keine guten Serien über Eishockey gibt. "Nur Filme. Ich mag Slapshot - und als Kind habe ich Mighty Ducks geschaut."

In dem Hollywood-Film verlieren die Mighty Ducks Spiel um Spiel. Auch der EHC musste in der Vorbereitung herbe Klatschen hinnehmen - wenn auch gegen starke Gegner. Wie fühlt sich das an? "Man will natürlich jedes Spiel gewinnen", sagt Hokkanen. An diesem Freitagabend bestreitet er nun gegen die Heilbronner Falken sein erstes Pflichtspiel. "Wir sind neu in der Liga, da ist die Defensive das Wichtigste. Sie muss so hart wie ein Fels sein."

Der EHC-Stürmer setzt seine Kappe auf, schlendert zurück zur Halle. Die Eishockey-Pause ist vorbei.

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[Foto: Daniel Laufer]