Auf der Tanzfläche abtrippen: Rampa von keinemusik im Interview

Bernhard Amelung

Beim Ex-Freiburger und Wahl-Berliner Rampa läuft’s. Gerade hat der Gründer des House-Labels keinemusik ein Album veröffentlicht. Am Samstag legt er mit Myny bei "Zu früh gefreut" im Crash auf. Ein Interview über Crew-Love und Tour-Stress.

Rampa, was für eine Geschichte hat das Cover deines Debütalbums "You Are Safe"?

Rampa: Lukas Korschan, ein Fotograf und Freund von uns hat diese Location gespottet. Eine abgefuckte Spielothek in Berlin, in der viele Kunstpflanzen rumstehen und an einer Wand ein Haifischkopf hängt. Wir fanden das geil, dort ein Shooting zu machen. Wir mögen Schnappschuss-Ästhetik und wollten ein Cover, das sich von unseren sonstigen Plattencovern unterscheidet.

Diese zeichnet sonst Monja Gentschow.

Rampa: Wir wollten ursprünglich nur neue Pressefotos für die Promophase zu unserem Album. An solche Dinge gehen wir nicht verkopft ran. Wir haben mit Lukas (Korschan, die Red.) und Conrad Bauer, einem weiteren befreundeten Fotografen, die Shootings gemacht. Mit Conrad haben wir Fotos an diesem Planschbecken gemacht, das im Hinterhof unseres Studios liegt. Das ist nun auf der Rückseite des Albumcovers. Monja und Reznik sind auch mit drauf. Vorne Haifisch, hinten Planschbecken. Das machte für uns Sinn.

Auf dem Album sind nur Stücke von &Me, Adam Port und Dir. Welchen Beitrag hat Reznik dazu geleistet?

Rampa: Er ist der vierte Mann im Bunde, auch wenn er als Produzent nicht auf dem Album vertreten ist. Er ist ein Musikgenie und Monsterhirn. Er hat am Ende auch festgelegt, in welcher Reihenfolge die Tracks auf dem Album erscheinen. Uns war wichtig, so jemanden dabei zu haben, der einen guten Musikgeschmack hat und das Projekt objektiver, aber trotzdem von innen heraus beurteilen kann.

Wie schwer war es, einen Konsens zu finden?

Rampa: Überhaupt nicht. Wir kennen uns sehr lange.



Worauf habt ihr bei der Zusammenstellung der Stücke Wert gelegt?

Rampa: Jedes Stück sollte sich vom anderen unterscheiden und trotzdem zeigen, was uns musikalisch beeinflusst. Deshalb reicht die Bandbreite von HipHop bei "Up & Down" zu Disco, House und Techno.

Was bedeutet der Titel "You Are Safe"?

Rampa: Er steht für das Jahr 2017. Er vermittelt ein positives Gefühl. Das wollten wir im Namen transportieren. Da spielt auch die englische Redewendung "you are safe" rein. Die macht auch im Clubkontext Sinn, wenn man mit seinen Leuten los zieht, die ganze Scheiße drumherum ausschaltet und auf der Tanzfläche abtrippt. Im besten Fall fühlt man sich dann gut und sicher.

"You Are Safe" heißt auch das Intro des Albums.

Rampa: Wir wollten ein psychedelisches Thema, so filmmäßig.

Wie war überhaupt die Arbeit so zu dritt im Studio?

Rampa: Jeder sitzt alleine im Studio und am Ende haben wir alles in einen Topf gepackt.

Was meinst du damit?

Rampa: Manche Stücke haben wir zu zweit oder zu dritt produziert. Andere haben wir alleine gemacht. "Bumper", der letzte Track auf dem Album, liegt schon seit 2011 bei uns rum. Die ursprüngliche Version war viel schroffer. So hatten wir am Ende einen großen Pool an Material, das wir zu dritt durchgegangen sind. Danach kamen Feinschliff, Arrangement, Mixdown, Mastering und so.



Erklärt dann ein Adam Port dem Rampa, was er zu tun hat oder ein Rampa dem &Me?

Rampa: Nein, nein. Wir kennen uns schon so lange, wir wissen alle vom anderen, wie er arbeitet und was er geil findet. Unser Label keinemusik gibt es seit neun Jahren, aber schon davor haben wir zusammen abgehangen und Partys gemacht. So abgedroschen das klingt, das Vertrauen in meine Kollegen ist da. Jeder kann machen, was er will, und wir finden auch gut, was der andere macht.

Seid ihr Fans voneinander?

Rampa: Klar. Wenn ich mit Andre (&Me, die Redaktion) im Studio sitze, denke ich oft, dass meine Drums scheiße und die von Andre super klingen. Und Andre wieder sagt, dass er meinen Sound geil findet und im Vergleich dazu seine Tracks krüpplig klingen.

Wer ist letztendlich der Chef?

Rampa: Einen Chef gibt es nicht. Was das Unternehmen betrifft, das hinter dem Label steht, sind es Andre und ich, die die Erwachsenensachen machen. Aber zusätzlich haben wir auch einen alten Freund, der uns als Labelmanager zur Seite steht.

Gab es in den neun Jahren keinemusik schon Situationen, in denen ihr euch zusammenraufen musstet?

Rampa: So richtig Stress hatten wir nie. Manchmal diskutieren wir, ob wir einen Pullover oder ein T-Shirt für 45 oder 55 Euro verkaufen sollen. Aber das sind Randbereiche. Die Musik läuft. Das ist das Wichtigste.

Was denkst du, warum es bei euch läuft?

Rampa: Weil’s einfach Bock macht. Alles, was nicht Bock macht, fühlt sich zäh an. Und immer kommt auch neues Zeugs dazu. Mal machen wir einen Schuh mit Converse oder Vans. Dann ziehen wir in ein neues Studio. Wir machen Events. Es fühlt sich wie ein Spiel an, in dem man jedes Jahr ein neues Level erreicht. Ein Angekommen-Gefühl hatten wir deshalb nicht.

Welches Level wollt ihr noch erreichen?

Rampa: Jedes Jahr ein weiterer Schritt. Im vergangenen Jahr kamen die festen Spielzeiten auf Ibiza, bei den Circo Loco-Partys, dazu. So kann’s weiter gehen.



Inzwischen legst du kaum mehr als vier Mal im Monat auf. Warum dieser reduzierte Tourkalender?

Rampa: Ich habe gemerkt, dass mich sechzehn oder mehr Shows im Monat körperlich auszehren. Ich habe auch die Lust an der Musik verloren und hatte keine Zeit mehr für Freunde. Irgendwann wird man nicht mehr auf Geburtstage und zu anderen Feiern eingeladen. Das findet ja immer dann statt, wenn man nicht Zuhause ist. Und mit der Zeit verliert man den Anschluss. Jetzt aber bin ich zum Glück wieder dabei.

Am Wochenende hast du in Brasilien aufgelegt.

Rampa: Und in Argentinien. Die Gigs waren super. Der Rückweg war fies. Ich war zwei Tage in Amsterdam gefangen. Nach zwölf Stunden Flug saßen wir weitere sechs Stunden im Flugzeug nach Berlin fest. Das konnte wegen Schneechaos nicht starten. Wir mussten weitere fünf Stunden am Flughafen warten, bis wir umbuchen konnten. Dann ging es endlich ins Hotel.

Wann warst du zuhause?

Rampa: Nach fünf Stunden im Hotel ging’s zurück an den Flughafen. Nach weiteren Stunden Wartezeit am Gate wurde der Flug gecancelled. Dann so leckarsch am Bahnhof ein Ticket gekauft, und ab nach Berlin.
  • Was: Zu früh gefreut w/ Rampa, Myny
  • Wann: Samstag, 23. Dezember 2017, 23 Uhr
  • Wo: Crash, Schnewlinstr. 7, 79098 Freiburg

Mehr zum Thema: