Auf der Reise zum Da Vinci Code

Julika Herzog

2003 hat Dan Brown den "Da Vinci Code" veröffentlicht. 2006 mit Tom Hanks verfilmt, wurde die Verschwörungsstory noch bekannter. Inzwischen hat auch die Tourismusindustrie erkannt, dass Führungen zu den Romanschauplätzen lukrativ sind. Eine Reportage aus Paris.



Die tote Nonne liegt auf dem kalten Steinboden, neben ihr der schwere Kerzenständer, über sie gebeugt der Albino in der Mönchskutte.

Tim betrachtet die Szene mit großen Augen. Er steht heute selbst in der Kirche, St. Sulpice in Paris. Aus Australien nach Europa gereist, sucht der 14-Jährige auf dem alten Kontinent die Wahrheit. Was ist wirklich dran an seinem Lieblingsbuch „The Da Vinci Code/Sakrileg“?

Bücher nehmen uns mit auf eine Reise. Bis jetzt nur in unserer Fantasie, aber warum sollten wir diese Welten nicht auch in der Realität entdecken? Kein Problem, der neueste Trend ist da: Bestseller-Reisen, Buch mit inbegriffen. Ob mit Bram Stokers „Dracula“ zum Gruseln nach Rumänien oder mit Patrick Süßkinds „Das Parfum“ auf eine Geruchsreise durch die Provence – für jeden ist etwas Passendes dabei.

Die Fans von Dan Brown erfreuen sich an der beliebten Da-Vinci-Code-Reise: Auf den Spuren von Dr. Langdon geht's durch Paris und London, sogar mit Abstecher zu der Rosslyn Chapel in Schottland. Wem das zu viel Verschwörungstheorie für einen Urlaub ist, kann auch klein anfangen. Zum Beispiel mit Paris Walks: zwei Stunden auf der Suche nach dem Da-Vinci-Code. Der Engländer Malcolm fuchtelt und hüpft um den Kerzenständer herum, mit seinem abgetragenen Jackett und der Hornbrille würde Malcolm selbst einen guten Dr. Langdon abgeben. Aber in diesem Leben führt er uns in die Welt Dan Browns.



Enttäuschung in Tims Gesicht als er erfährt, dass die Verfilmung nicht in der Kirche gedreht wurde. Die katholische Kirche hatte keine Drehgenehmigung erteilt.

In diesem Moment heftet sich ein Katholik an unsere Fersen, um uns über die Verfehlungen Dan Browns aufzuklären. Ein katholischer Aufpasser? Jetzt sind wir selber mittendrin in der Verschwörungstheorie. Allerdings hat keiner unserer Weggefährten ein Pentagramm um den Hals. Für einen Trupp von 20 Dan-Brown- Anhängern sehen wir fast zu normal aus. Ein Ami-Pärchen auf der Suche nach der anderen Stadtführung, zwei englische Damen mit dem Wunsch nach Bildung und natürlich Tim.

Auf unserer Suche nach der Wahrheit zeigt Malcolm uns die reale Seite des Bestsellers: Geschichten über die „Priory of Zion“, Freitag den 13. und die Freimaurer. Nicht zu vergessen das Pentagramm: Tim ist überrascht, wie oft uns dieses Symbol auf dem Weg durch Paris begegnet. Am Boden blitzt es golden. Sofort haben alle den Fotoapparat in der Hand. Wir stehen auf der Markierung mit der Inschrift „Arago“, der „Rose Line“ des Da-Vinci-Codes. Die Geschichte des französischen Meridians fasziniert Tim. Auch wenn er jetzt weiß, dass sie nicht wie bei Dan Brown genau durch die Kirche St.Sulpice und den Louvre verläuft.

Ein Funken Wahrheit ist aber immer dabei, der Zauber des Buchs bleibt. Deswegen ist die Da-Vinci-Code-Tour auch der Quotenrenner von Paris Walks.



Der Funke Wahrheit findet sich vor dem Louvre: Zumindest neben der Glas-Pyramide blitzen weitere Markierungen im Sonnenschein. Wir sind nun am Ende der Führung und von Dan Browns Geschichte: der kleinen Pyramide im Louvre, dem Grab von Maria Magdalena. Tim weiß: Sie liegt nicht wirklich hier begraben. Trotzdem bleibt seine Faszination. Auch er sieht sein Lieblingsbuch, wie Malcolm uns noch mitgibt, als „ein Sprungbrett zur Suche nach der Wahrheit“.

Tim führt diese Suche jetzt erstmal ins Kino und danach nach London, zur nächsten Bestseller-Tour auf den Spuren des Da-Vinci-Codes.