Auf der Kippe

Gina Kutkat

Das Landesnichtraucherschutzgesetz. Ein langes Wort, das seit heute in Baden-Württemberg gilt und Kontroversen auslöst. Denn in Gaststätten und öffentlichen Gebäuden ist das Rauchen von nun an verboten. Wie streng wird der Konsum von Zigaretten kontrolliert? Wo darf in Freiburg noch geraucht werden? Und gibt es Tricks, um das Gesetz zu umgehen? Gina hat nachgefragt.



Die Luft wird dünner für Freiburgs Raucher. Jetzt, da das Rauchverbot Wirklichkeit wird. Zahlreiche Restaurants und Cafés in Freiburg sind seit heute komplett rauchfrei, gequalmt wird nur noch auf Außenterassen, falls diese vorhanden sind. Dazu zählen unter anderem: Wiener, Feierling, Oscar's, UC Café, Café Journal und das Aspekt.


Die Betreiber des Aspekts planen zwar, den oberen Bereich als abgetrennten Nebenraum umzubauen, wollen aber erst einmal abwarten, wie es ohne einen seperaten Raucherraum läuft.



Wie in allen anderen Kneipen, ist auch im Schlappen ein Rauchverbot kaum vorstellbar. Aber auch hier wird es keine rauchenden Gäste mehr geben. Wie auf BZ Online zu lesen ist, verschenkte der Wirt vergangene Nacht symbolisch die Aschenbecher an seine Gäste.

Fred Killig, Betreiber der Maria-Bar, wartet noch auf eine Entscheidung aus den Verhandlungen über einen neuen Gesetzentwurf, der das Rauchverbot umgehen soll. Dies kann jedoch noch zwei Wochen beanspruchen. Zuvor hatte er bereits die Idee, einen Verein zu gründen. Die "Vereinsmitglieder" hätten dann die Befugnis zum Rauchen. Warum dieser Trick nicht funktioniert hat, erklärt dieser kleine "Rauchverbots-Knigge":



Die Fakten

Das Rauchverbot gilt ab sofort in allen Gaststätten. Gaststätten im Sinne dieses Gesetzes sind Betriebe, die Getränke oder zubereitete Speisen zum Verzehr an Ort und Stelle verabreichen, wenn der Betrieb jedermann oder bestimmten Personen zugänglich ist und den Vorschriften des Gaststättengesetzes in der Fassung vom 20. November 1998 (BGBl. I S. 3419) unterliegt.

Nur noch im Außenbereich und in abgetrennten Nebenräumen ist das Rauchen gestattet. Letzteres gilt allerdings nicht für Diskotheken. Sie dürfen im Unterschied zu anderen Gastronomiebetrieben keine Nebenräume für Raucher zur Verfügung stellen. Gastronomen sind verpflichtet, dafür zu sorgen, dass in ihrem Betrieb das Gesetz eingehalten wird. Allerdings zahlt bei Verstößen in Baden-Württemberg nicht der Wirt, sondern der Gast ein Bußgeld. Wer unerlaubt qualmt, zahlt 40 Euro, im Wiederholungsfall bis zu 150 Euro.

Wirte sind verpflichtet, auf das Rauchverbot hinzuweisen, und zwar in Form von Hinweisschildern. "Hier gilt das gesetzliche Rauchverbot - bitte haben Sie Verständnis" - könnte auf solch einem Schild stehen. Auch Raucher-Räume müssen mit einem "Raucher"-Zeichen beschildert werden.



Die Kontrolle

Karl-Heinz Schmid, Pressesprecher der Polizei, sagt: "Die Polizei wird die eingehenden Beschwerden lediglich an die zuständigen Konzessionsbehörden, wie die Stadt Freiburg oder das Bürgermeisteramt, weitergeben. Es ist nicht geplant, Polizisten zur Kontrolle direkt in die Gaststätten zu schicken."

Die Bußgeldbescheinigungen werden an das Amt für öffentliche Ordnung weitergegeben und dort bearbeitet. "Wir schicken jedoch keine Mitarbeiter los, um Raucher zu suchen. Dafür reicht unser Personal gar nicht aus", so eine Sprecherin des Amts.

Das Motto seitens der Stadt lautet: "Abwarten". In der Übergangszeit wird sich herausstellen, wie selbstständig Gastwirte mit rauchenden Gästen umgehen. "Wir hoffen auf eine soziale Kontrolle und Selbstorganisation, werden aber erstmal nicht aktiv werden."



Viel Rauch um nichts?

In den nächsten Wochen wird sich zeigen, wie streng das Rauchverbot in Freiburg eingehalten wird und wie intensiv Gastwirte kontrollieren und ermahnen. Für viele, Raucher aber auch Nichtraucher, gehört die Kippe zum Nachtleben wie zum Cafébesuch einfach dazu.

Das Rauchverbot bedeutet eine Einschränkung der persönlichen Freiheit und auch die Wirte sehen sich mit neuen Problemen konfrontiert. Sie fürchten, dass die Gäste von nun an mit einem Kasten Bier zu Hause bleiben, um dort ungestraft rauchen zu dürfen.

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