Auf dem Schauinsland: Schön weit weg vom Papst-Trubel

Konstantin Görlich

In Freiburg ist heute wenig so wie sonst. Denn - nur, falls es noch niemand gemerkt hat - der Papst ist in der Stadt und in der Mittagszeit war in der Innenstadt kein Durchkommen. fudder-Autor Konstantin hatte auf den Trubel keine Lust. Und hat sich in der Stadt so weit weg vom Papst bewegt wie möglich: auf den Schauinsland.



Schauinsland, früher Nachmittag. Es könnte deutlich mehr los sein am Freiburger Hausberg, während die Innenstadt auf den Papst wartet. Ein papstgewandweißer Porsche mit Münchner Kennzeichen kommt eben die Schauinslandstraße herunter geflogen und landet sicher auf dem Parkplatz am Bohrer. Er riecht stark nach verbrannten Bremsbelägen: ein sicheres Zeichen für wenig Verkehr auf der ehemaligen Rennstrecke.


Ebenfalls wenig los ist an der Talstation der Schauinslandbahn, wo man einen deutlichen Umsatzeinbruch bemerkt haben will, und tatsächlich macht sich die eine oder andere Gondel unbesetzt auf den Weg. Vor dem Restaurant und Café an der Bergstation stehen ein paar Mountainbikes und zwei gute dutzend Nordic-Walking-Stöcke. Heute bekommt man hier, auf der Terasse und bei T-Shirt-Wetter, ohne Probleme einen Platz mit Blick über Schwarzwald und Freiburg. Nur den Papst kann man von hier aus garantiert nicht sehen: Wir befinden uns innerhalb Freiburgs und doch möglichst weit vom Papst entfernt.



Und doch sitzt der Papst stets mit am Tisch. Kaum wird er erwähnt, bricht es aus den sieben lustigen Damen vom SV Germania aus Unterfranken heraus: „Das glaubt uns kein Mensch: Wir haben unser Hotel in der Eisenbahnstraße vor einem Jahr gebucht und vor einer Woche vom Papstbesuch erfahren. Volltreffer! Andere Leute zahlen einen Haufen Geld um ihn zu sehen, und wir flüchten hier hoch!“ bemerkt das seit 30 Jahren gemeinsam trainierende Gymnastikteam, das seine Namen lieber nicht im Internet lesen will.

Ob sie den Papst denn nicht sehen wollen? „Ich bin katholisch und gehe auch regelmäßig in die Kirche, aber DAS muss ich nicht haben.“ sagt die eine, und eine andere ergänzt: „Warum um den einen Menschen so ein Theater gemacht wird verstehe ich nicht. Das Geld wird rausgeschmissen und die armen Leute hungern. Heute sitzt jetzt bestimmt keiner der Bettler da, damit ihnen der Papst was geben kann!“ kommen die Mädels in Rage, werden aber schnell wieder nachdenklich.

Ob denn auch gegen den Papstbesuch demonstriert wurde, wollen sie wissen. Es wurde. „Gegen den Papst selbst würde ich nicht sein, aber gegen das ganze Regime, weil alles so veraltet ist. Die müssten das schon ein wenig anpassen an die moderne Zeit. Aber es wird sich nichts ändern, es gehen ja fast nur noch alte Leute in die Kirche.“



Am Gipfel, auf dem Eugen-Keidel-Turm, scheint alles wie immer: Wandergruppen verschiedenen Alters orientieren sich an den umliegenden Gipfeln. An der Holzschlägermatte sieht man einen weißen Sportwagen um die lange Kurve driften. Ein (unverheiratetes?) Paar küsst und liebkost sich in der Sonne. Ein Mountainbiker kommt aus dem Wald geschossen und bringt sein vollgefedertes Gefährt knapp vor einem Geländer zum stehen. Kinder spielen am Wiesenrand. Am Horizont zieht ein Rettungshubschrauber aus Freiburg seine Bahn.

Christa und Horst Schubert aus Rathenow in Brandenburg (Bild oben) erklimmen den Turm in dem Moment als der Papst durch das Martinstor gefahren wird. „Wir wissen, daß der Papst heute kommt, aber er interessiert uns nur am Rande. Heute ist unser letzter Urlaubstag in Todtnauberg, und weil so schönes Wetter ist sind wir nochmal auf dem Schauinsland.“ Warum auch nicht, möchte man meinen.

Hier oben scheint alles wie immer. Touristen kommen und gehen, der Parkplatz an der Passhöhe ist gut gefüllt. Eine Familie aus Dresden sucht einen Parkplatz als ein Rentnerpaar aus Freudenstadt gemächlich die Talfahrt antritt. Autos aus ganz Deutschland, aber keines aus dem Vatikan. Nur an der Gießhübelkurve steht schon ein Schild bereit: Morgen ist hier Schluß, Freiburg gesperrt. Für die Rennradler, die mir auf der Abfahrt teils schwer keuchend entgegenkommen, heißt das aber auch nur: Freie Fahrt.