Auf dem Planetenweg

Jan Funk

Seit Oktober 2008 kann man an der Dreisam den 2,8 Kilometer langen Freiburger Planetenweg laufen. Quasi ein astraler Spaziergang mit dreifacher Lichtgeschwindigkeit. Wir haben uns von einem "Sternfreund Breisgau" führen lassen, der Sonne entgegen.



Wir beginnen die Reise am Ende: Vom äußeren Rand unseres Planetensystems ins Zentrum. Wir sind unterwegs mit dreifacher Lichtgeschwindigkeit. Direkt an der Dreisam, auf dem Freiburger Planetenweg.


Er ist 2,8 Kilometer lang und alle acht Planeten unseres Sonnensystems sind dort zu finden. Kleine Kugeln auf festen Sockeln, gut 1,70 Meter hoch. Zu jedem Planeten gibt es eine Tafel mit Erklärungen und Informationen. Die Planeten sind maßstabsgetreu abgebildet, faustgroß ist der Jupiter, die Erde ein kleiner blauer Punkt.



Wir starten an der Fabrikstraße, beim Neptun, dem Planeten, der am weitesten von der Sonne entfernt ist. Bis 2006 war dies noch der Pluto. Aber der gilt nicht mehr als Planet, da ihm dieser Status von der „Internationalen Astronomischen Union (IAU)“ aberkannt wurde. Er sei zu klein, und seine Umlaufbahn würde die des Neptun kreuzen. So reihen sich an der Dreisam nur acht und nicht neun Planeten aneinander.

„Bis das Sonnenlicht auf dem Neptun ist, dauert es vier Stunden“, sagt Christian Dombrowski. Er ist groß, hat graue, lockige Haare und trägt eine rote Winterjacke. Er ist Mitglied bei den „Sternfreunden Breisgau“ und hat die Tafeln mit den astronomischen Erklärungen bei den einzelnen Planetenmodellen verfasst. „Der Neptun braucht 165 Jahre, um einmal um die Sonne zu kreisen. Auf seinem größten Mond, Triton, kann es bis zu minus 238 Grad kalt werden, nur 35 Grad über dem absoluten Nullpunkt – dieser Mond gilt als kältester Ort im ganzen Sonnensystem."



Vom Neptun geht es zum Uranus. Die Strecke zwischen Neptun und Uranus ist auch gleichzeitig das längste Teilstück. Ab jetzt wird der Abstand zwischen den einzelnen Planeten immer geringer. Nicht nur die Entfernungen, auch die Farben sind den Himmelskörpern nachgeahmt. So sind sowohl Neptun als auch Uranus blau dargestellt. Eine Sonnenumkreisung des Uranus dauert übrigens nur halb so lange wie beim Neptun. Das Besondere bei diesem Planeten: er kreist, im Vergleich mit den anderen Planeten, in entgegengesetzter Richtung um sich selbst.



Christian Dombrowski führt uns weiter, zum Saturn, am Uni-Sportgelände. Der Saturn sei das „Sinnbild für die Astronomie“, sagt er, „durch seinen Ring.“ Dieser besteht aus tausenden Eis- und Gesteinsbrocken, die den Planeten umkreisen. Zehneinhalb Stunden dauert ein Saturntag, so lange, wie sieben Fußballspiele.



Planet Nummer vier auf unserem Weg: der Jupiter. Der größte Planet steht direkt vor der Nordtribüne vom Dreisamstadion. Er besteht nur aus Gas, genau wie die drei Planeten davor. „Die Erde würde mehr als tausendmal in den Jupiter hinein passen. Würde es keine Sonne geben, wäre er der Mittelpunkt unseres Sonnensystems und die Planeten würden sich um ihn drehen“, sagt Dombrowski.



Der Jupiter ist uns bereits so nahe, dass er nachts von der Erde aus zu sehen ist. Auf dem Jupiter gibt es auch einen riesigen Wirbelsturm. „Man beobachtet ihn schon seit 350 Jahren. Sein Durchmesser ist doppelt so groß wie der Durchmesser der Erde.“

Die Modelle der Planeten wurden von Auszubildenden des „Internationalen Bundes (IB)“ angefertigt. Seit 2005 bauten sie an den Planeten unter der Leitung von Gartenbau-Ausbilder Armin Keller, der auch die Idee für den Planetenweg hatte. Im Oktober 2008 wurde der Planetenweg eingeweiht. „Gleich in den ersten Wochen wurden uns mehrere Planeten geklaut. Wir mussten neue montieren und haben daraus gelernt. Diesmal sind sie richtig fest verankert."



Ab jetzt geht es schnell, die Abstände zwischen den Planeten werden immer geringer. Um den Mars zu erkennen, muss man richtig hinsehen, so klein ist er. Wer nicht darauf achtet, sieht ihn gar nicht. Der Mars liegt am Rande der so genannten habitablen Zone oder auch „bewohnbaren Zone“. Die Erde befindet sich genau in der Mitte dieser Zone. Dort ist es gerade so heiß, dass Wasser in flüssiger Form existieren kann.

Auf dem Mars ist das aber noch nicht bewiesen. Es wird vermutet, dass es dort mal Wasser gab. „Theoretisch ist es also möglich, dass auf dem Mars Leben existiert, wenn, dann aber nur in mikroskopisch kleiner Form“, sagt Christian Dombrowski.



Vom Mars ist es ein Katzensprung zur Erde. Der „blaue Planet“ wird sie genannt, durch ihre Ozeane, die, angestrahlt von der Sonne, blau leuchten. Die Durchschnittstemperatur auf der Erde beträgt angenehme fünfzehn Grad Celsius. Wie wir wissen, dreht sie sich in 365 Tagen einmal um die Sonne. Dass sie so gleichmäßig und stabil um sich selber kreist, dafür ist der Mond verantwortlich.

Gleichzeitig sorgt er dafür, dass die Rotation der Erde langsamer wird. In 100.000 Jahren wird unser Jahr zwei Sekunden länger dauern. Früher galt die Erde als Mittelpunkt des Universums. Doch Nicolaus Copernicus erkannte 1543, dass es nicht so ist.



So gehen wir weiter Richtung Zentrum, ins Innere unseres Sonnensystems, der Sonne entgegen. Auf dem Weg dorthin erreichen wir die Venus. Sie dreht sich schneller um die Sonne als um sich selbst, das heißt, ein Venustag (243 Tage) dauert länger als ein Venusjahr (225 Tage). Wie Uranus dreht auch sie sich in entgegengesetzter Richtung um sich selbst.

Kein Planet ist der Erde so nah, und keiner ist ihr so ähnlich: fast so groß und fast so schwer. Auch die Venus befindet sich gerade noch in der „bewohnbaren Zone“. Aber es ist dort viel heißer als auf der Erde. Knapp 500 Grad, der heißeste Planet. „Das liegt an einem dramatischen Treibhauseffekt, der sie immer weiter aufheizt“, sagt Dombrowski. „Die Atmosphäre ist so dicht, dass kein Sonnenaufgang und keine Sterne zu sehen sind.“



Die Venus ist sogar heißer als der Merkur, obwohl dieser der Sonne am nächsten ist. Auffallend beim Merkur sind die Temperaturschwankungen. Die Sonne ist 176 Tage sichtbar. Während dieses Dauersonnenscheins ist es fast 400 Grad heiß. Auf der Nachtseite aber kann es bis zu -183 Grad kalt werden. „Der Merkur ist der Sprinter unter den Planeten“, sagt Dombrowski. „Pro Sekunde legt er die Strecke Freiburg – Basel zurück.“



In ein paar Sekunden erreichen wir das Ziel unserer Reise: die Sonne. Ein heißer Feuerball, dargestellt durch eine Kugel aus kaltem Stahl in der Größe eines Sitzballs, Durchmesser ein Meter. Im Vergleich zu anderen Sternen außerhalb unseres Sonnensystems ist sie nicht besonders hell oder auffällig.

Für Christian Dombrowski ist sie dennoch „überwältigend“. Bei einem Durchmesser, der den der Erde um das mehr als Hundertfache übertrifft, wird die Sonne an ihrer Oberfläche bis zu 6000 Grad heiß.“ (Erläuterung: Die Sonne ist viele tausendmal größer als die Erde – allein, um den Durchmesser der Sonne zu erreichen, müsste man die Erde 109-mal nebeneinander legen. 6000 Grad herrschen nur an der Oberfläche der Sonne, in ihrem Inneren verschmelzen die Atome bei 15 Millionen Grad!)

Dort verschmelzen Wasserstoffatome zu Helium, das dann als Energie freigesetzt wird. Bis zu ihrer Oberfläche braucht das Licht mehrere Millionen Jahre, bis zur Erde nur acht Minuten. Wenn die Sonne erlischt, haben wir also noch acht Minuten. „Aber keine Angst“, sagt Dombrowski. „Die Sonne hat noch Energie für fünf Milliarden Jahre."

Die Reise ist zu Ende. Vorbei an Jupiter, Erde und Co bis ins Zentrum unseres Sonnensystems. 4,5 Milliarden Kilometer in einer guten halben Stunde. Zum Schluss erfahren wir noch, dass es im Inneren der Sonne, wo das Licht entsteht, stockdunkel ist. Wer hätte das gedacht.

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