Audienz im My Way

Matthias Cromm

Ganz Freiburg lobpreist und huldigt. Ganz Freiburg? Nein! Ein von unbeugsamen bevölkerter Keller hört nicht auf, dem Eindringling Widerstand zu leisten. Aber das Leben ist nicht leicht für die Freunde gepflegter Metal-Kultur, denn ihre Heimstatt ist von Polizeiabsperrgittern und Personenkontrollen von der Aussenwelt abgeschottet. Matze war am Samstagabend im MyWay.

Zugegeben: Es wäre einfacher gewesen, sich zu ergeben, die Stadt zu verlassen oder sich zuhause einzusperren, die Rolläden runter zu lassen und den lieben Gott einen guten Mann sein zu lassen. Ich will ins My Way, das ist verdammt nah dran an seiner Heiligkeit und gleichzeitig auch ziemlich weit weg.


Für den Weg durch die rote Zone habe ich mir ein flottes Mixtape für den Walkman geschneidert, passend zum Thema und schön laut, damit ich die frömmelnden Gesänge nicht höre. "Get On Your Knees", predigt Reverend Beat-Man, als ich das Haus verlasse und direkt in die Arme diverser Polizisten laufe, die versuchen, der Verkehr zu regeln.

Ob Strassenbahnen oder Busse verkehren, kann mir keiner sagen. An der ersten Schikane komme ich mit Holly Golighlys "Gettin High For Jesus" locker vorbei und bin fast ein bisschen enttäuscht. Am Bahnhof rumpelt süßlicher Pop aus riesigen Boxen, alles steht voller Absperrgitter, ich drehe"Are You Drinking With Me Jesus" von Jello Biafra und Mojo Nixon noch ein bisschen lauter. Komisch: Keine Papst-Fans weit und breit. "Wir feiern ein Fest" hatte ich mir anders vorgestellt.



Dafür gibt es was zu lachen. Der Name des Miettoilettenaufstellers passt toll ins Programm. Alles verläuft reibungslos, keine Kontrollen, keine Menschenmassen. Um genau zu sein: Überhaupt keine Menschen. Nur ein paar orangefarben-beshirtete Helferlein hocken an den Asperrgittern und lauschen den lauten Klängen aus den riesigen Boxentürmen. "666 Number of the Beast" von Iron Maiden stimmt mich schon mal aufs My Way ein. Runter die Treppe - schade, als nächstes wäre Slayer auf dem Tape.

Der My-Way-Majestix Hansi steht strahlend hinter der Theke, ein Gast ist auch da. Hansi nimmt die Sache mit Humor, seine Gäste verstecken sich wohl zuhause, aber eine Papst-Postkarte hat auch er an seiner Whiskeyflasche lehnen. "Hey, der Typ ist einer von uns", sagt er und macht mich auf Benedikts XVI. Metal-Gruss-Geste aufmerksam.



Da kommt der nächste Gast die Treppe runter: Er wurde doch glatt 'ne halbe Stunde aufgehalten. Durfte nicht in die Innenstadt! Langsam füllen sich auch die anderen Tische, Jacky-Colas wechseln die Besitzer. - Eigentlich alles wie immer. Es läuft Metal: "Das trennt unter den Gästen schnell die Spreu vom Weizen", sagt Hansi grinsend und schaut drei Gästen nach, die es nur zwei Minuten ausgehalten haben. Was das wohl für welche waren? YouCats?

Okay, zugegeben, die Kirche hat auch meiner Lebenswelt viel gebracht: eine ordentliche Bierbrautradition und was zu Meckern – sehr schön. Irgendjemand muss die zu begehenden Sünden ja auch erstmal definieren. Ohne Himmel keine Hölle, so siehts aus. All die schönen Songs, die hier laufen, die schönen Plattencover, die ganze Symbolik um des Pudels Kern. Manche Dinge machen doch erst so richtig Spaß, wenn die „Anderen“ auf die Palme gehen.

Apropos Palme: Irgendwie hätte ich heut auch gerne auf dem Maulbeerbaum gesessen und den Pontifex vorbeifahren sehen. In der stillen Hoffnung, er meint das alles gar nicht so. Aber was sagte Gaius Bonus über Miraculix so schön: "Gegen die Zauberkräfte dieses Druiden bin ich machtlos ... und starrsinnig ist er!"

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