Atrium-Umbau: Muss der Irish-Pub "Isle of Innisfree" schließen?

Frank Zimmermann

Die Glaskuppel kommt weg, Pächter wie Edos Hummus Corner ziehen um - und auch der Irish-Pub Isle of Innisfree steht nach 22 Jahren womöglich vor der Schließung. Welche Pläne Bauunternehmer Unmüßig fürs Atrium stattdessen hat:



In der Atrium-Passage am Augustinerplatz stehen große Veränderungen an: Eigentümer Peter Unmüßig wird das 1991 eröffnete Einkaufszentrum für vier bis fünf Millionen Euro umbauen, danach werden neue Mieter einziehen. Aus den kleinen Geschäften werden größere Ladenflächen, die Struktur einer Einkaufspassage wird es künftig nicht mehr geben. Auch die markante Glaskuppel in ihrem Zentrum will Unmüßig wegen der hohen Energiekosten, die sie verursacht, entfernen – zum Ärger von Architekt Michael Geis.


Nach jahrelangem Tauziehen über die Nutzung des einstigen Feierling-Brauerei-Areals und einem Architektenwettbewerb, den das Freiburger Büro von Geis gewann, entstand am Augustinerplatz die Atrium-Passage. Eröffnung war im Herbst 1991. Errichtet hatte den Bau für 32 Millionen Mark (16 Millionen Euro) die Firma des Freiburger Projektentwicklers Peter Unmüßig. Der verkaufte das Geschäfts-, Büro- und Wohnhaus mit der Fertigstellung an die Vereinte Versicherung. Später gab es diverse Eigentümerwechsel.

2011 entschloss sich Unmüßig, das Gebäude zu einem nicht genannten Preis zurückzukaufen. "Es gab einen Investitionsstau und es war richtig heruntergekommen", so Unmüßig: "Wenn einer eines meiner Projekte despektierlich behandelt, muss man ihm das Spielzeug wieder wegnehmen."

Viele der Mieter sind ausgezogen, wer noch da ist, wird in den nächsten Wochen gehen. Ende Juni soll der rund einjährige Umbau beginnen. Er betrifft nicht die Wohnungen und Büros in den Obergeschossen. Bis auf Weiteres wird nur das Café Atrium geöffnet bleiben. "Ich bleibe drin, wir haben noch zehn Jahre einen Vertrag", sagt Pächterin Veronika Brender. Nach BZ-Infos soll dort jedoch in einem Jahr ein italienisches Restaurant eröffnen.

Volker Siegert, Sprecher der Restaurantkette Tialini des früheren Porsche-Managers Wendelin Wiedeking, bestätigt dies. Laut Unmüßig wird es "aller Wahrscheinlichkeit nach" auch im Irish Pub "Isle of Innisfree" einen Pächterwechsel geben. Der langjährige Wirt Tom Bagge sagt indes, er sei noch in Verhandlungen wegen eines neuen Vertrags. Jedenfalls wird die Keller-Kneipe Ende Juni wegen der Sanierungsarbeiten zunächst schließen.



Edo Medicks von "Edos Hummus-Küche" zieht Ende Juni in die Dietler-Passage. Fotografin Conny Ehm hat in der Talstraße 4 einen Laden gefunden, die Fahrschule Baas am Leopoldring 1. Noch in Verhandlungen mit Unmüßig steht das Sportgeschäft Bohny, das vor kurzem mit seinem North-Face-Laden aus dem Atrium auszog und da nun ein Outlet (Schnäppchenmarkt) betreibt. "Wir haben tolle Ideen", sagt Geschäftsführer Jochen Bohny, ohne Konkretes zu verraten. Das Geschäft "Kunst & Garten" sucht noch Räume.

Die vielen kleinen Ladenflächen werden in wenige große umgewandelt: "Einkaufspassagen haben sich ein Stück weit überlebt. Der Zeitgeist hat sich verändert, die meisten haben keine adäquate Größe mehr und sind zu klein, um zu überleben", glaubt Unmüßig.

Im Geschoss an der Grünwälderstraße wird neben Tialini ein 500 Quadratmeter großes Textilgeschäft eröffnen, außerdem zwei kleinere Läden. In der tiefer gelegenen Etage an der Gerberau bekommt das Irish Pub auf 400 Quadratmetern einen neuen Nachbarn – wer, steht noch nicht fest. Unberührt von den Umbauarbeiten sind die Papeterie Cartola und die Möbelmanufaktur Signum an der Gerberau. Mit der Sanierung steigen die Mieten laut Unmüßig um 30 bis 35 Prozent.

Entfernen will der Projektentwickler die imposante Glaskuppel wegen der hohen Energiekosten. Nicht einverstanden damit ist Architekt Geis: "Die Kuppel ist das Herzstück des Atriums." Für Veränderungen habe er Verständnis: "Ich hätte aber gut gefunden, wenn man mich angesprochen hätte." Er glaube, dass es bei einem städtebaulich so bedeutenden Gebäude Urheberrechte gebe. Für sein Büro sei das Projekt "ein Meilenstein" gewesen.

Unmüßig sieht das anders: "Die Hürden fürs Urheberrecht sind sehr hoch." Eine ökonomisch sinnvolle Nutzung sei mit der Kuppel nicht mehr möglich: "Bei aller Liebe, ich muss mich dem Markt anpassen." Nach dem Umbau will Unmüßig das Atrium an eine Lebensversicherung verkaufen. Seinen Wert nach dem Umbau beziffert er auf rund 25 Millionen Euro.

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[Foto: Thomas Kunz]