Musik

Atmosphärische Klänge und vielseitige Musik: Das steckt hinter der Freiburger Band Cosmos

Lea Messerschmidt

So unterschiedlich wie das Erscheinungsbild von Debbie, Haruka und Luisa, so verschieden sind auch ihre musikalischen Vorstellungen. Diese lassen sie in den Melancho-Popsongs ihrer Band Cosmos verschmelzen. fudder hat die drei getroffen.

Die drei jungen Frauen sitzen im Innenhof des Café Pow im Freiburger Sedanviertel. Bei Cappuccino und Matcha Latte sehen Luisa Weisbrich, Debbie Ela und Haruka Kotato aus wie Freundinnen, die sich zum Quatschen treffen. Debbie und Haruka hatten vorher in dem Selbstbedienungscafé die Bestellung aufgegeben und gefragt, ob sie die Flyer von ihrer Band Cosmos für den nächsten Auftritt auslegen könnten.


Debbie erzählt ihren Freundinnen lachend, dass die Frau an der Theke gedacht hätte, dass die Flyer für einen Yoga-Kurs und nicht für das Konzert einer Pop-Gruppe seien. Tatsächlich könnten die Flyer auch einen Yoga-Kurs ankündigen. Die drei Frauen sitzen auf der Vorderseite des Bilds in einem Kreis und schauen lachend auf den Boden. Bunte Lichteffekte, aber auch ihre Kleidung vermittelt einen spirituellen Vibe. Das diese Stimmung auch prägend für ihre Musik ist, stellt sich später im Gespräch heraus.

So entstand die Band

Im Jahr 2017 haben sich Debbie und Haruka bei einer Open Stage in Freiburg kennen gelernt. Seitdem musizieren sie zusammen und standen schon einige Male gemeinsam auf der Bühne. Luisa und Debbie haben sich über eine weitere Freundin kennengelernt. Vor dem Auftritt bei dem Festival LocArtistas in Freiburg im September 2018, das die Frauenpräsenz auf Freiburger Bühnen fördern will, hat sich die Gruppe in Verbindung gesetzt.

Im Juli spielten sie dann unter anderem bei dem Sommerfestival "Freiburg stimmt ein" – der nächste Auftritt ist am Freitag, 12. Juli, im Kulturaggregat. Anfangs wollten "Cosmos" als weibliche Band auftreten, mit der Zeit unterstütze der Cellist Benedikt Boll und der Schlagzeuger Felix Lorenz die Musikerinnen instrumentell. "Allgemein stehen Männer häufiger auf der Bühne, deshalb wollten wir zu Beginn ein Zeichen setzten und als weibliche Band auftreten", erzählt Debbie.

Die Grundideen für ihre Songs kommen von Luisa und Debbie. In der Band entwickeln sie die Songs dann zusammen weiter. In Zukunft möchte Cosmos aber auch den eigenen Stil mehr prägen und so durch Experimentieren gemeinsam neue Songs komponieren. Die Band verzichtet auf Noten und spielt aus dem Gefühl heraus.



Die Bandmitglieder

  • Debbie Ela, 31 Jahre alt, kommt aus Lörrach und lebt seit 14 Jahren in Freiburg. Im Rahmen eines Songwriting-Workshops 2013 hat sie zum ersten Mal einen Song komponiert und würde diesen Moment als prägend für ihre musikalische Entwicklung beschreiben. Sie studiert Germanistik und Kognitionswissenschaften und interessiert sich für die Sprachweiterverarbeitung. "Musik kann für mich etwas sehr Heilsames sein, wenn es mir durch das Musizieren gelingt, all die verschiedenen Eindrücke, die das Leben mit sich bringt, irgendwie zu reflektieren", sagt Debbie.
  • Luisa Weisbrich ist 30 Jahre alt und arbeitet Teilzeit als Lehrerin an einer Realschule in Lahr. Sie kommt aus Karlsbad und nahm schon in ihrer Jugend Gesangsunterricht. Ihre musikalische Entwicklung wurde von dem Moment geprägt, als sie gemeinsam mit der Cosmos-Band ihren Song "Stranger" zum ersten Mal performte. "Dieser Moment war überwältigend für mich. Nach der langen Arbeit war es besonders intensiv für mich, den Song als Ganzes zu hören", sagt Luisa. Haruka Kotato ist 37 Jahre alt und gibt Kindern und Erwachsenen Musikunterricht. Als selbstständige Musikerin gibt sie außerdem Konzerte. Mit vier Jahren hat die Japanerin, die in der Nähe von Tokio aufgewachsen ist, Klavier- und Querflötenunterricht bekommen. 2009 ist Haruka nach Freiburg gezogen, um an der Musikhochschule zu studieren. "Für mich ist die Musik wie eine Sprache, weil ich sie seit meiner frühesten Kindheit praktiziere. Wenn ich keine Musik spielen kann, ist das wie Heimweh", sagt Haruka.


Ihr Stil

Die Musik von Cosmos ist von der Vielseitigkeit der jungen Frauen geprägt. "Wir haben sehr unterschiedliche musikalische Stimmen und sind sehr unterschiedliche Menschen", erzählt Luisa. Jede kommt mit eigenen Erfahrungen, musikalischen Fähigkeiten und Botschaften – in ihrer Musik verbinden sie die unterschiedlichen Komponenten. Dabei herrscht kein Konkurrenzkampf, sondern eine Koexistenz der Diversität. Haruka spielt auf der Querflöte und Debbie und Luisa sind Singer-Songwriterinnen und begleiten die Stücke mit Gitarren.

Ihre Musik ist atmosphärisch, was in erster Linie durch den Synthesizer und die Querflöte erzeugt wird. Die Mehrstimmigkeit soll den Zuhörenden ein Gefühl vermitteln, deswegen bezeichnen die Frauen ihre Stilrichtung selbst als Melancho-Pop. "Die experimentellen Klänge sind bestimmt nicht für den Mainstream gemacht", sagt Luisa.

Die Besonderheit

In den Songs von Cosmos verankert ist die Querflötenmusik von Haruka und die Gitarrenklänge, die den Gesang von Luisa und Debbie unterstreichen. Als Gastmusiker sind zurzeit der Schlagzeuger Felix Lorenz und der Cellist Benedikt Boll dabei. "Die Instrumente verbinden sich untereinander, so dass jedes Instrument mit den anderen und mit dem Gesang harmoniert", erzählt Debbie. Diese Kombination bildet eine Einheit, die die Musik von Cosmos von anderen Bands abhebt. Auch, dass die Frauen Freundinnen sind, sorgt für die Wärme und Harmonie.

In ihrer Musik möchte Cosmos auch kuriose Gefühle erfassen und diese teilweise in rein instrumentalen Stücken als Stimmung vermitteln. "Ich möchte über die Musik einen Klang erzeugen, in dem sich jeder auf eine individuelle Art neu erfinden kann", sagt Debbie. Dabei erwarten die Musikerinnen von ihren Zuhörerinnen und Zuhörern die Offenheit, der Musik unvoreingenommen zu begegnen und diese zu nutzen, um sich selbst und die Umwelt zu beobachten. "Musik empfinde ich als wundervolles Medium, um Stimmungen auszudrücken, die sich mit Worten nicht – oder nur eingeschränkt – vermitteln lassen", ergänzt Debbie.

Cosmos spielt ohne Noten, nur aus ihrem Gefühl heraus und vertraut dabei auf ihr Gehör. So möchten die Frauen vermitteln, dass jeder Musik machen kann, solange man offen ist, zuzuhören. Die Imperfektion spielt deshalb eine große Rolle in ihrer Musik. "Ich fühle mich nicht so, als wäre ich nur die Querflötistin, sondern als richtige Musikerin", sagt Haruka, die lange klassische Musik gespielt hat und sich dabei oft von den Regeln der Noten bevormundet gefühlt hat.

Nächster Gig

Am 12. Juli ab 20.30 Uhr spielt Cosmos im Kulturaggregat in der Hildastraße 5. Erst zeigt Luisa ihr Video zu ihrem neuen Song "Stranger", danach spielt die Band ihre gemeinsamen Songs.
  • Was: Cosmos Auftritt
  • Wann: 12. Juli um 20.30 Uhr
  • Wo: Kulturaggregat, Hildastraße 5 Eintritt: 7 Euro, ermäßigt 5 Euro (Kinder frei)

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