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"Ich hab' das einfach mal gemacht": Leon Dobbratz organisiert die Anti-Pegida-Demo in Freiburg

"Taten sind manchmal mehr als Worte," sagt Leon Dobbratz. Und so hat er einfach mal eine Demo organisiert, gegen Pegida, die jetzt ziemlich groß wird. Wer macht sowas? Was ist das für ein Typ? fudder-Autor Konstantin Görlich hat ihn getroffen.

leon dobbratz

Zehntausenden Freiburgern ist Leon Dobbratz inzwischen ein Begriff. Als Leon Di Santo auf Facebook ist er der Veranstalter der Anti-Pegida-Demonstration am Freitag. Um die 6.500 Leute wollen kommen, bald 30.000 weitere sind eingeladen. Beeindruckende Zahlen und ein teilbares Anliegen, aber wie tickt der Typ, der dahinter steckt?

Ich treffe Leon auf einen Dönerteller, sein Lieblingsfastfood, im Stühlinger, wo er seit drei Jahren wohnt. Seine Ausbildung und der Master-Platz seiner Freundin führten ihn hier her. Es ist ein kalter Januarabend, es ist windig und das Fell seiner Winterjackenkapuze weht fast wie eine Löwenmähne. Ist er einer, der zupackt, sich durchsetzt, laut und mächtig?

Eigentlich hat er keine Zeit, das Treffen mussten wir zwei Mal verschieben, der Stress, das Staatsexamen an der Uniklinik. Leon wird Physiotherapeut, Anfang Februar beginnen die Prüfungen. Und nebenbei organisiert er eine der größten Demos, die es in Freiburg in den letzten Jahren gegeben hat. "Den Aufwand habe ich unterschätzt", gibt er unumwunden zu.

Früher, in Bremen, seiner Heimatstadt und in Hamburg, wo er lange gelebt hat, war er nur gelegentlich auf Demos, gegen die NPD, gegen den Krieg im Irak. Die gegen Pegida ist jetzt die erste Demo, die er selbst veranstaltet. "Das war eine spontane Aktion. Es gab Berichte über Pegida-Demos und über Gegen-Demos in vielen Städten. Schade, dass es das nicht in Freiburg gibt, dachte ich mir. Warum gibt’s das nicht? Warum macht man das nicht? Und dann hab' ich das einfach in die Hand genommen. Auch ein bisschen blauäugig: Ich mach' einfach mal und guck', was dabei rumkommt."

Diese Leichtigkeit sollte man nicht mit Leichtfertigkeit verwechseln: Leon spricht stets bedacht, formuliert präzise auf den Punkt, knapp, klar und verbindlich. Wenn er erst überlegen muss, überlegt er erst, sucht treffende Worte und findet sie. Norddeutsch-hanseatisch eben. Er hat sich Gedanken gemacht, und eines ist er ganz sicher nicht: unpolitisch.

Aber: "Ich möchte nicht, dass Politiker diese Demo als Werbung für sich und ihre Parteien nutzen. Das ist nicht das Thema." Diese Aversion gegen Parteipolitik sitzt tief. "Die Sprache der Politiker versteht man gar nicht mehr." Aber der Bürgermeister wird sprechen? "Der repräsentiert ja die Stadt, deswegen finde ich das legitim. Aber sonst sind keine Reden geplant." Anfragen dafür gab es. Ob er selbst etwas sagen wird? "Nein, ich bin kein großer Redner," sagt er bescheiden, legt aber sofort nach: "Taten sind manchmal mehr als Worte." Gut verteidigt.


Fußball als Integrationshilfe

Leon spielt Fußball, am liebsten defensives Mittelfeld. Überhaupt, die Mitte scheint es ihm angetan zu haben. Was er wohl zuletzt gewählt hat? "Eine Partei." Mit wievielen Buchstaben? "…" Also nicht drei! "Richtig." Also nicht Mainstream? "Mitte-Links. Mehr Links als Mitte vielleicht." Wieder gut verteidigt.

Werder Bremen ist er auch in Freiburg treu geblieben, verrät sein Hoodie. Aber der SC gefällt ihm auch, besonders die Jugendarbeit. Da ist er beschäftigt, als Physiotherapeut bei der U16. Auch wegen der Integrationsleistung, die Sportvereine erbringen? "Das gehört dazu und ist so normal, dass es mir noch gar nicht aufgefallen ist. Fußball war schon immer ein integrierender Faktor." Hooligans, also im weitesten Sinne Fußballfans, aus deren Ecke fremdenfeindliche Demos wie HoGeSa organisiert werden, das ist doch eigentlich absurd? "Ja! Auf der anderen Seite gibt’s aber auch Mesut Özil, der keinen grammatikalisch korrekten deutschen Satz sprechen kann, aber als integriert gilt. Andere, die ein Kopftuch tragen und studieren, gelten als nicht integriert."

Was kann man da machen? "Ich finde Integration überbewertet. Mir ist das doch egal, ob ich Deutscher bin oder Franzose oder Türke oder was auch immer. Ich bin schon genug damit beschäftigt, Mensch zu sein!" Die ganze Debatte regt Leon merklich auf, er schaut in die Nacht, während er nachdenkt, seine braunen Augen springen von Mensch zu Mensch, beinahe rastlos.

Ob ihm Pegida Angst macht? "Es ist eher eine Sorge, dass die Kluft zwischen Europäern und Moslems irgendwann zu groß wird." Der europäische Rechtsruck, AfD und Front National, ist auch, was Leon antreibt. Die Schere zwischen Arm und Reich, die immer weiter auseinandergeht, der Umgang mit Flüchtlingswellen. Er fühlt, was die Menschen auf die Straße und in die Arme von Pegida treibt: "Es hat viel mit Unzufriedenheit zu tun und mit Unaufgeklärtheit gegenüber dem Islam. Und mit Angst."

Angst, die immer wieder in Gewalt umschlägt. Bedroht worden ist Leon wegen der Demo bisher nicht, auch wenn er damit durch Facebook sehr sichtbar ist. Er lacht. "Ich finde den Hype um meine Person langsam etwas nervig. Es sollte mehr über die Sache geschrieben werden als über mich. Aber es gehört dazu, dass man etwas von sich preisgeben muss." Seine Freundin sammelt alle Artikel, ist stolz auf ihn, sagt er, und ist selbst auch ein bisschen stolz.

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[Foto: Konstantin Görlich]




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Kommentare
Anzahl der Kommentare: 5
Donnerstag, 22.01.15 19:03
 

Schreibt ihr auch nen Artikel mit dem Organisator einer möglichen FREGIDA ?

Donnerstag, 22.01.15 19:36
 

Meinst Du so einen, der sich als Hitler fotografieren lässt und rassistische und faschistoide Parolen postet?

Donnerstag, 22.01.15 20:07
 

Komm Shinji, gib dir nen Ruck! Das wäre doch genau die richtige Aufgabe für dich!

Donnerstag, 22.01.15 20:38
 

@ ShinjiIkari: Wenn ein solcher Organisator mit sich sprechen lässt? Organisatoren solcher Protestmärsche sollen ja eher pressescheu sein.

Freitag, 23.01.15 09:59
 

Dieser Leon ist ein Narr.
Liebe Freiburger.
Ob Pro-Pegida oder Anti-Pegida. - Ihr werdet als Marionetten verwendet um bald schärfere Gesetze einführen zu können. Man nutzt Euch und lässt Euch gegen das eigene Volk aufhetzen um es auseinader zubringen, aufdass es sich dann selber schlägt. Dann werden wir bald auseinandergeknüppelt und mit dem endggültigen Big-Brother gesegnet. - NWO
Habt Ihr denn nichts aus den Kriegen in der Welt gelernt? - Überall beginnen diese Kriege zuerst damit, indem man das Volk spaltet. - Denkt nach: Hegelsches System / Ordo ab Chaos / Clash of civilization / NWO

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