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Between The Beats, Tag 1: Trümmer, Die Höchste Eisenbahn und The Rifles im Burghof Lörrach

Das hochkarätig besetzte 3-Tages-Festival „Between The Beats“ lädt nach Lörrach. Wie der Auftakt am Donnerstagabend war und ob sich die Fahrt gelohnt hat:



72 Kilometer trennen Freiburg vom Burghof in Lörrach. Puh, schon bevor es losgeht, muss man erstmal überlegen: Shuttlebus oder selbst ans Steuer setzen? Für ‘nen Zehner kann man sich bequem hin- und herkutschieren lassen (Abfahrt der Dresmann-Busse um 18 Uhr am Konzerthaus). Advantage Alkoholgenuss. Nachteil: Da die Rückfahrt erst um 0.15 Uhr startet, muss man viel Zeit mitbringen. Minimum sieben Stunden. Also mit der Karre die Strecke tief ins Dreiländereck runterkacheln. Der Einfachheit halber sollten die Stadtmarketing-Gurus von Lörrach sich mal einen neuen Stadtslogan ausdenken.

Wie wäre es mit: „Hinterm Horizont“? Den schlagen ungefragt Trümmer vor. Das Hamburger Postpunk-Trio, das bislang nur eine Single veröffentlich hat, knüppelt und knallt sich durch seinen schmalen Song-Fundus, dass es eine Freude ist. Und eine Vorfreude obendrein: Ihr Debütalbum soll im Mai erscheinen. Souverän, cool und laut bestreiten die Jungs ihr Set, mit Texten, die gekonnt mit Schutt-und-Asche-Klischees spielen (und so wieder auf den Bandnamen verweisen), mit hellen Melodien, einem Schuss Rock’n’Roll und sogar etwas Romantisch-Getragenem.

Kurios: Das Publikum ist im Schnitt mindestens doppelt so alt wie die Jungspunde aus der Hansestadt. „Ausrasten ist sehr gesund“, versucht sich Sänger und Gitarrist Paul Pötsch als Animateur vor dem mitreißenden Song „Der Saboteur“. Indes: vergebens.




Wobei Die Höchste Eisenbahn, aufgrund ihrer regionalen Wurzeln mit dem Status absoluter Lokalhelden geadelt, den schicken Burghof richtig auf Vordermann bringen. Die kleine Singer/Songwriter-Supergroup um Moritz Krämer aus Schöneberg und Francesco Wilking aus Lörrach glänzt denn auch in ihrem Heimspiel vor gut besuchter und liebevoll-dezent gestalteter Kulisse. „Sechs Kilometer handgeknüpftes Lametta“, meint Jan Obri schmunzelnd, der neben Alex Hässler für das Festival-Booking verantwortlich zeichnet.

Zur Prime Time ackern sich die vier Musiker genüsslich und leichtüfßig durch ihr Gesamtwerk (eine CD und eine EP), darunter viele höchst tanzbare, leicht verspielte Indiepop-Songs. Krämer, Wilking und Basser Felix Weigt rochieren ständig an den Instrumenten, während einzig Schlagzeuger Max Schröder, laut Wilking „der Erfinder des Bumm-Tschack“, auf seinen Platz fest abonniert ist.

Immer wieder gönnt sich das Quartett Pausen zum Improvisieren, Freestylen und Jammen: So wird „Jan ist unzufrieden“ mit regionalen Verweisen garniert, und der zuckersüßen Ballade „Isi“ spendiert Francesco, das liegt nahe, ein paar Zeilen des Klassikers „Whiter Shade Of Pale“. Insgesamt ist der Sound live nicht so aufwändig wie auf dem Album, sondern kommt etwas reduzierter und teilweise auch schön umarrangiert daher.

Die Eisenbahner kredenzen den gut 300 Zuschauern außerdem viele weitere Höhepunkte wie „Was machst du dann“ oder „Egal wohin“, müssen aber auch zwei heikle Klippen umschiffen. Als Weigt erwähnt, dass die Eltern von Krämer und Wilking anwesend sind, redet er sich beinahe um Kopf und Kragen. Und als Francesco – aus Selbstschutz vor einer Überdosis – seine Weinpulle an den Bühnenrand stellt und die Leute dazu ermuntert, sich zu bedienen, muss er mit ansehen, wie ein paar Youngster die Flasche beinahe leeren.

Der ewige Slammer Francesco kredenzt an dem Abend mindestens drei ultimative Weisheiten: „Ich hab gleich nach‘m Abi Interregio gemacht“, „Momente, die schneiden wie ein scharfes Messer durch ein Brötchen“ und „Musik verklebt euch von außen, Gluten von innen.“ Ach ja, und sein Vorschlag für den neuen Stadtslogan? „Lörrach –eine Stadt mit geschlossenem Ö.“





Vorne die drei Saiteninstrumente in einer Reihe, hinten die Drum-Hochburg: Als am Ende die eigentlichen Headliner The Rifles ihre Drei-Minuten-Nummern aus Britpop und Indierock aus dem Ärmel schütteln, fällt die Spannung doch merklich ab, so gut die wieder in Originalbesetzung angetretenen Engländer ihre Sache auch machen, mit knackigen Drums, ekstatisch rauf- und runterkletternden Bassläufen und treibenden Gitarren.

Zwischen die „Klassiker“ vom 2006 veröffentlichten Debütalbum streuen die trink- und spielfreudigen Briten auch einige neue Songs vom frisch herausgekommenen Longplayer Nummer 4 ein wie zum Beispiel die schnörkellose Rockhymne „Heebies Jeebies“; wiewohl das Publikum nicht so richtig warm zu werden scheint. Apropos: Wie wohl The Rifles die selbsternannte Wohlfühlstadt im Dreiländereck einstufen? „Lörrach – die warme Stadt zwischen Moskau und London.“ Garantiert.






P.S. Ungeplante Programmänderung: Abby haben für Freitagabend abgesagt. Dafür springen I Heart Sharks ein!


Was: Between The Beats
Wann: Donnerstag, 20. März bis Samstag, 22. März 2014 
Wo: Burghof Lörrach
Tickets: Tagestickets 22 Euro, Festivalpass für alle Konzerte an allen drei Tagen: 50 Euro.

   
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