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Zwischen Fußballplatz und Hörsaal

Der 29-jährige Sportstudent Benjamin Pfahler war in diesem Monat mit der Fußballnationalmannschaft der Studenten in Brasilien aktiv und tritt derzeit mit einem Freiburger Team bei der Hochschul-Europameisterschaft in Spanien an. Ein Leben zwischen Fußballplatz und Hörsaal.



Der Ball ist rund. Ein Spiel dauert 90 Minuten. Entscheidend ist auf dem Platz. Nach dem Spiel ist vor dem Spiel.

Fußballweisheiten gibt es bekanntlich mehr als Dorfbolzplätze mit ausgedorrter Kuhle vor der Torlinie. Nach dem Training ist vor dem Training, in umgewandelter Form trifft jene Weisheit vom legendären Fußballtrainer Sepp Herberger wohl am anschaulichsten den Alltag des Freiburger Sportstudentin Benjamin Pfahler. Der 29-Jährige verbringt einen Großteil seiner Tage auf Fußballplätzen. Sei es als Spieler des Oberligisten Bahlinger SC oder als Trainer in der Freiburger Fußballschule Alitom, wo er Kinder und Jugendliche trainiert. Der Schallstädter steht zudem im Kader der Fußballnationalmannschaft der Studenten.

An der Freiburger Uni ist er Fußballobmann und kümmert sich um die Organisation von Wettkämpfen. Derzeit tritt er mit einem Team der Albert-Ludwigs-Universität bei der Europameisterschaft der Hochschulen an, für die es sich mit dem zweiten Platz bei der deutschen Hochschulmeisterschaft qualifiziert hat. In die Organisation der Reise war er mit eingespannt. Zuvor ging es mit der Studentennationalmannschaft für rund zwei Wochen nach Brasilien, wo im nächsten Jahr die Fußball-WM steigt. Insgesamt fünf Tage wird Pfahler in diesem Juni nicht in Sachen Fußball unterwegs sein. „Wegen dieser ganzen Geschichten habe ich mich auch dazu entschlossen, mein Examen um ein Semester zu verschieben“, erzählt er bei einem Gespräch mittags in einer Freiburger Kneipe - in die er nach einer Trainingseinheit kommt und von wo aus es danach zur nächsten Übungsstunde geht.

„Das sind Erfahrungen, die mich persönlich weiterbringen“, sagt der Lehramtsstudent (Sport und Spanisch) und erinnert sich an zwei Reisen, die er bereits mit der Studentennationalmannschaft unternahm. Pfahler war im Vorfeld der Europameisterschaft in der Ukraine dabei und zuletzt im vergangenen Jahr in Kolumbien. „Die Reisen werden vom DFB organisiert und wir Studenten haben dann auch eine Botschafterfunktion für den deutschen Fußball“, erzählt er. Freundschaftsspiele gegen Vereine und Besuche von Fußballprojekten stünden auf dem Reiseplan. In Kolumbien kickten sie mit Straßenkindern, denen der Fußball einen Ausweg aus den Slums bieten soll. „Das war ein tolles Erlebnis“, Pfahler wirkt noch im Nachhinein beeindruckt. Aktuell nimmt er auch an einem besonderen Projekt von Entwicklungshelfer Jürgen Seitz teil, der 2009 das Fußballprojekt „Football Education Life Skills“ in Mwanza gründete, der zweitgrößten Stadt im ostafrikanischen Tansania.

Training mit einem U19-Team aus Tansania

Eine U19-Auswahl von dort ist derzeit für drei Monate in Deutschland zu Gast und trainiert unter anderem in der Freiburger Fußballschule Alitom täglich mit Pfahler. „Der Traum dieser Jungs ist es, in Europa Fußball zu spielen. Ich möchte Ihnen dabei helfen, die ersten Schritte zu gehen.“ Pfahler besitzt einen C-Trainerschein, momentan könnte er somit bis in die Verbandsliga trainieren. Der B-Schein soll bald folgen. „Zehn bis zwöf Uhr Trainerstunden mit den Jungs aus Tansania, mittags von 15 bis 17 Uhr Trainerstunden mit der Gruppe bei Alitom und abends selbst Training in Bahlingen“, so stellen sich derzeit die meisten seiner Tage selbst auf. Und dazwischen werde studiert. Eine berufliche Zukunft im Fußball ist sein Wunsch – an der Seitenlinie.

Den Traum vieler junger Fußballer von einem Leben als Profi auf dem Platze hegte er lange und versuchte auch, ihn zu verwirklichen. Von seinem Heimatverein FC Schallstadt-Wolfenweiler wechselte Pfahler als 14-Jähriger in die Nachwuchsabteilung des Sportclub Freiburg und durchlief die Schule des gepflegten Kurzpassspiels auch unter einem gewissen Jugendtrainer namens Christian Streich. („Er hat eine wahnsinnige Fußballkenntnis. Dass er Erfolg hat, überrascht mich nicht. Aber dass der SC so weit oben gelandet ist, das schon“).

Carsten Neitzel, der damalige Trainer der Amateure des SC, eröffnete dem offensiven Mittelfeldspieler dann jedoch, dass die Chancen auf einen Stammplatz in der Zweiten Mannschaft des Vereins nicht gut stünden. Das Sprungbrett in den Profikader wippte nicht so, wie es sollte. Pfahler wechselte daraufhin nach Bahlingen in die Oberliga. Das Ziel, den Sprung ins Profigeschäft zu schaffen, bestand aber noch immer. Nach einem Jahr bekam der frischgebackene Abiturient, der Bund sowie Zivildienst umgehen konnte, ein Angebot der TSG Hoffenheim. Dort stand zu jener Zeit noch der heutige Co-Trainer der Nationalmannschaft Hansi Flick an der Seitenlinie des Regionalligateams - die Reserve spielte in der Oberliga. Zu dieser Zeit, 2004, war der Verein gerade im Begriff, sich mithilfe der finanziellen Einspritzung von SAP-Mitgründer Dietmar Hopp auf den Weg in die Bundesliga zu machen.

Vertrag in Hoffenheim

Nach einer Woche Probetraining bekam Pfahler einen Vertrag. „Ich habe mich aber schon im dritten Spiel verletzt – Innenbandriss im Knie.“ Davon sollte er sich lange nicht mehr erholen, nach der Reha folgte eine weitere Knieverletzung. Noch heute spürt er die Spätfolgen davon. „Das hat mich wahnsinnig zurückgeworfen.“ Der Aufstieg in die Zweite Liga gelang nicht, Pfahler stand meist nicht im Kader des Regionalligateams und musste am Ende als einer von 15 Spielern den Verein verlassen. Eine harte Zeit sei das gewesen, als junger Kerl abseits der Heimat in einer schwierigen Situation. „Die Bedingungen dort waren professionell, aber es war keine familiäre Atmosphäre. Jeder wollte Profi werden und hat nur auf sich geschaut. Der Konkurrenzkampf war wahnsinnig intensiv.“ Nach dem Experiment in Hoffenheim wechselte er zurück nach Südbaden zum Oberligisten FC Emmendingen, bevor es wieder zum Bahlinger SC ging. Zwar konzentrierte sich Pfahler noch in Hoffenheim nur auf den Fußball, er schrieb sich aber zur Sicherheit auch an der Uni in Heidelberg ein. „Falls es mit dem Fußball nicht klappt, und so kam es ja dann auch. Ich brauche eine gewisse Sicherheit.“

Ob es jetzt das fünfzehnte oder sechzehnte Semester ist, in dem er sich gerade befindet, weiß Pfahler nicht so recht. Neben dem zeitintensiven Hobby Fußball, einem zehnmonatigen Aufenthalt in Spanien, führte 2008 auch der tödliche Autounfall des Vaters dazu, dass das Studium hinten anstand. Aktuell ist es wieder die Leidenschaft, die viel Zeit beansprucht. „Wenn ich im Berufsleben stehe, kann ich Sachen wie diese Reisen nicht mehr machen. Ich möchte das alles jetzt einfach mitnehmen“, sagt Pfahler zu seiner Verlängerung des Studentenspiels mit abschließenden Examensschrieben.

Der Fußball und das Studium spielen dabei nicht nur große Rollen in seinem Alltag, die Kombination spielte auch Schicksal: Für ein Praxissemester in Spanien suchte sich Pfahler einen Ort aus, an dem er auch in einem guten Verein Fußball spielen konnte. Die Wahl fiel auf Véllez-Málaga, eine Kleinstadt am westlichen Mittelmeer, wo er an einer Sprachschule Deutschunterricht gab und beim dortigen Regionalligisten Club Deportivo Barrio spielte – nachdem er anfangs einfach beim Training anfragte, ob sie noch einen Spieler gebrauchen könnten. Als er eines Abends mit Freunden aus der Mannschaft in einer Bar war, erkannte ihn die Spanierin Macarena, die tagsüber Deutsch in Pfahlers Klasse paukte. Die Beiden kamen abseits der Schule erstmals in Gespräch und wurden ein Paar. Drei Jahre ist das nun her, seit anderthalb Jahren wohnen sie zusammen in Südbaden, der Liebe wegen zog die Spanierin nach Deutschland. Im Juni machen ein paar Tage zusammen Urlaub in ihrer Heimat.

Und wieder kann Sepp Herberger abgewandelt werden: Nach dem Turnier ist vor dem Turnier hieß es, als Pfahler von der Reise mit der Studentennationalmannschaft nach Spanien reiste und dort nun mit der Freiburger Mannschaft bei der Hochschul-Europameisterschaft antritt. Zuvor hatte er sich mit dem Bahlinger SC im südbadischen Pokalfinale für den DFB-Pokal qualifiziert. Im August geht es gegen den Zweitligisten VfL Bochum. Wer weiß, vielleicht kommt der Underdog weiter und trifft dann auf den FC Bayern, in der Jugend spielte Pfahler schon gegen Bastian Schweinsteiger. „Das  wäre natürlich eine super Sache.“ Sagt es und schaut auf die Uhr. Er muss zum Training.






 




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Kommentare
Anzahl der Kommentare: 1
Samstag, 29.06.13 00:36
 

"...den Alltag des Freiburger Sportstudentin Benjamin Pfahler..." Uni Leibzisch, isch hör dich trapsen :-D

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