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Dozentin statt Dozent: Warum auch die Uni Freiburg ihre Grundordnung verweiblichen sollte

In der Grundordnung der Uni Leipzig sind jetzt sämtliche Personenbezeichnungen weiblich: Aus Dozent wird Dozentin, aus Rektor wird Rektorin. fudder-Autorin Hengameh Yaghoobifarah meint: Die Uni Freiburg sollte dies übernehmen.



Dort, wo die geschlechtergerechte Sprache nicht sichtbar ist, wird trotzdem von Gleichberechtigung gesprochen. Unter dem Mantel des generischen Maskulinums sollen unter allen männlichen Bezeichnungen wie Autofahrer, Vegetarier oder Student auch Frauen eingeschlossen sein. Okay sind damit – Überraschung! – vor allem Männer, doch auch viele Frauen stören sich nicht daran, dass sie praktisch unsichtbar sind. „Wir wissen ja, dass wir damit auch gemeint sind“, heißt es ganz selbstverständlich.

Mit dieser Argumentation sollte das generische Femininum, umso selbstverständlicher sein. Wie das Hochschulmagazin duz berichtet, hat die Uni Leipzig es jetzt in seine Grundordnung übernommen. Ein Absatz daraus dürfte ausreichen, um zu erklären, worum es geht:

Rektorin, Dozentinnen, Wissenschaftlerinnen – da, wo früher in der Grundordnung der Universität Leipzig die sogenannte Schrägstrich-Variante genutzt wurde, also etwa Professor/Professorin, steht künftig ausschließlich die weibliche Personenbezeichnung. Eine Fußnote ergänzt, dass diese feminine Bezeichnung sowohl für Personen männlichen als auch weiblichen Geschlechts gilt.

Grund dafür ist der holprige Lesefluss in der Bindestrichform. Durch allgemeingültige Bezeichnungen soll der Text fluider werden. Ganz ohne politischen Hintergrund wurde (von einem Mann!) vorgeschlagen, nur die weibliche Form zu benutzen.

Das Prinzip der Geschlechtsneutralität bleibt, die Selbstverständlichkeit allerdings nicht. Hier setzt wieder diese männliche Hegemonie ein, von der alle so viel erzählen. Jetzt seien es ja zwei Buchstaben mehr, heißt es. Jetzt wisse man ja gar nicht, ob auch wirklich Männer eingeschlossen seien oder an manchen Stellen nur Frauen. Und überhaupt, warum belässt man es nicht beim Gewohnten, beim Alten, beim Normalen?

Diese Reaktionen beweisen, wie sehr das Verwenden des Maskulinums als natürlich angesehen wird – und eben die Notwendigkeit, diese „Natürlichkeit“ zu dekonstruieren. Ideal wäre eine grundlegend geschlechterneutrale Bezeichnungsform wie im Englischen oder Schwedischen, wie zum Beispiel in „Studierende“. Das geht nur eben nicht mit allen Begriffen, und so lange es keine neutralen Formen gibt, heißt es nicht, dass sich auf den männlichen ausgeruht werden kann.

Mag sein, dass das generische Femininum anfangs als ungewohnt oder verfremdend empfunden werden kann, doch gerade dies zeigt, wie tief die selbstverständliche Männlichkeit im Bewusstsein verankert ist. Es ist Zeit, die Anker zu lösen und ins Meer des Neuen zu stechen. Dort, wo die Wellen unser Sprachboot fortspülen vom Ufer des Altbackenen, des Patriarchalen. In deine trockene, warme Comfort Zone kannst du zurück, wenn du deinen Horizont weitergesponnen hast.



  [Foto: Marius Notter]




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Kommentare
Anzahl der Kommentare: 37
Dienstag, 04.06.13 17:25
 

Gibt es nicht tatsächlich die Form "Dozierende"?

Dienstag, 04.06.13 17:28
 

Jap. Unsere Dozentin im "Journalismus"-Crashkurs weigerte sich mit _,*,Binnen-I etc. zu gendern und meinte, wir sollen einfach Studierende und Dozierende in unsere Texte schreiben. True story.

Dienstag, 04.06.13 17:33
 

Unterstriche, Asteriske und Binnen-Is haben m.E. in Prosatexten auch nichts zu suchen. Es sei denn, man will damit technische Sprache imitieren.

Dienstag, 04.06.13 17:36
 

Und in journalistischen?

Dienstag, 04.06.13 17:42
 

Bei journalistischen Texten handelt es sich ja zumeist um Prosatexte. Ich würde lieber "Dozentinnen und Dozenten" schreiben als "Dozent-/innen", "Dozent*innen" oder "Dozent_innen". Letzteres sieht aus wie aus einer Betriebsanleitung.

Man kann natürlich darüber nachdenken, ob man sich bei Betriebsanleitungen in Zukunft an der Prosa von - sagen wir - Thomas Mann orientiert, und Reportagen in Zukunft wie Handbücher zur Montage eines Duschkopfes gestaltet. Ist sicher eine Frage der Gewohnheit.

Dienstag, 04.06.13 18:11
 

Wenn, dann aber bitte konsequent durchführen.
Mörderin, Straftäterin, Talibanin, ...

Mein Gott, was für ein Schwachfug. Haben wir keine anderen Probleme?
Wenn eine Frau sich von Begriffen wie Studenten, Dozenten etc ausgeschlossen und benachteiligt fühlt, hat sie ein ganz anderes Problem und gehört in Behandlung.

Dienstag, 04.06.13 18:13
 

@Heng Dann hat Deine Dozierende es so gemacht, wie ich es auch machen würde, und wie wir es bei fudder auch handhaben. Ich finde Formen wie Studierende/Dozierende in journalistischen Texten für genau so gleichstellend und zugleich für sehr viel lesbarer als Binnen-I und ähnliche Formen.

Dienstag, 04.06.13 18:15
 

Und um mich noch On-Topic zu äußern: das generische Femininum finde ich ganz herrlich subversiv und entlarvend.

Männer: So fühlt sich das an, wenn man nicht mitgemeint wird.

Dienstag, 04.06.13 18:36
 

oh göttin.

Dienstag, 04.06.13 19:33
 

Ich finde, zum Ausgleich sollten die Männerinnen dann auch das Damenklo benutzen dürfen

Dienstag, 04.06.13 19:45
 

Welchen ICD-10 Code hat eigentlich der Feminismus?

Dienstag, 04.06.13 19:46
 

@biber

Solange sie sich dann beim Pinkeln hinsetzen, ist es okay. ;)

---

Auch wenn es aus der Heimat kommt, was mich natürlich sehr freut, bin ich doch erstmal etwas irritiert.

Grundsätzlich bin ich dafür, dass man sich die Zeit nehmen sollte, beiden Geschlechtern den entsprechenden Respekt zu zollen, sie einzeln zu benennen bzw. zu beschreiben, wie es in guter alter deutscher Sprache vor langer Zeit mal im Duden festgehalten wurde. Wir alle sind Menschen, aber ich sage z. B. nicht "Sehr geehrte Menschen...", sondern "Sehr geehrte Damen und Herren..." bzw. "Liebe Kolleginnen und Kollegen...".

Alles andere (_Innen) ist nichts Halbes und nichts Ganzes und ob nun der Mann die Frau "schluckt" oder umgekehrt... Es kommt auf's Gleiche raus. Ich bin Frau und selbstbewusst genug, um mich nicht diskriminiert zu fühlen, wenn ich in einer Erzählung mit unter dem Begriff Kollegen laufe... Persönlich werd' ich dann ja wieder mit Frau, Prinzessin oder ggf. mal blöde Kuh angesprochen. ;) Ich persönlich fühl mich durch die heutige Form der Emanzipation als Frau oftmals schon fast blamiert.

Also benennt uns alle ganz oder gar nicht, alles andere ist quick und dirty! :D


Kathleen hat den Kommentar am 04.06.2013 um 20:03 bearbeitet
Dienstag, 04.06.13 20:00
 

Probleme die die Welt bewegen

YUT
Dienstag, 04.06.13 20:20
 

Und das in Leipzig! Die nächste "Sex in the City"-Staffel (oder ein deutsches Pendant) könnte man dort drehen.
"Kathleens" Meinung ist eine gute, finde ich.

Dienstag, 04.06.13 20:26
 

Hach, ich unterstehe mich, hier nun Heinrich Lübke zu zitieren.
:-D

Dienstag, 04.06.13 20:54
 

Ich wünsche mir das ab sofort bei der Bundeswehr... dort ist bisher alles männlich: Frau Schütze, Frau Flieger, Frau Bootsmann..
Anders wäre es doch mit Herr Generalin, Herr Hauptfrau... das macht doch so ein Schlagabtausch viel friedlicher, schon fast menschlich im tosenden Chaos einer Kampfhandlung.
Auch hätte Frau Verteidigungsminister ein Problem weniger: Aus einer nur geilen Drohne wird ein fleissiges Bienchen mit der Bezeichnung Maja statt Hawk.

Dienstag, 04.06.13 22:11
 

Sagt Tom zum Tim, du bist aber eine dumme Deppin. Da prallte das Sprach-Torpedobootin von Tom im Meer des Spots an das Altbackene Uferin und war kaputt.


Simon_M hat den Kommentar am 04.06.2013 um 22:12 bearbeitet
Mittwoch, 05.06.13 01:37
 

warum streicht man nicht einfach männliche und weibliche grammatikalische geschlechter und nimmt für alles die sächliche form? das professor, das frau, das eimer, das vagina, das penis. porblem gelöst, und die einwanderer habens auch einfacher. plus ein paar "sprachpfleger" kriegen schlaganfälle. win / win / win.

Mittwoch, 05.06.13 01:58
 

Mir reicht's.

Ich lege Verfassungsbeschwerde wegen Diskrimierung...äh, Diskriminierung ein. Wenn Emanzipation, dann für alle !

Mittwoch, 05.06.13 07:35
 

Ich mache das mit, sobald die kath. Kirche dem Beispiel Leipzigs folgt...


Tatoocheck hat den Kommentar am 05.06.2013 um 07:35 bearbeitet
Mittwoch, 05.06.13 08:07
 

Ich so:
Ich war nicht zu schnell Frau Politzist, ich bin eine gute Autofahrerin...

Er so:
*pfgh* fahr weiter, nächstes mal langsamer.

Mittwoch, 05.06.13 08:10
 

@Kathleen

Das mit dem Schlucken bei Mann und Frau hätt ich gerne noch bisschen ausdifferenziert:D

;-)
Mittwoch, 05.06.13 09:01
 

sehr gut von der uni leipzig! das rumgeheule hier bestätigts.

Mittwoch, 05.06.13 09:11
 

@laz

Die Tutorialkurse finden leider anderntags statt. ;)

Mittwoch, 05.06.13 10:15
 

Es gibt übrigens sehr viel mehr weibliche Substantive in der deutschen Sprache als männliche. Ich finde, da sollte im Zuge der Gleichberechtigung auch mal drüber nachgedacht werden.

Mittwoch, 05.06.13 10:18
 

Onkel Maggo, bitte um Quellenangabe für diese Theorie.

Mittwoch, 05.06.13 10:37
 

Das alleinstehende Substantiv hat keine geschlechterspezifische Kennung. Ob es sich um etwas Männliches, Weibliches oder Sächliches handelt, bestimmt erst der Artikel.

Demnach ist deine Theorie, wie oben formuliert, hinfällig, OnkelMaggo.


Kathleen hat den Kommentar am 05.06.2013 um 10:40 bearbeitet
Mittwoch, 05.06.13 11:02
 

@Necromonium:
Gerne. 46% weiblicher Artikel, 34% männlicher Artikel, Rest Neutrum. Nachzulesen z.B. hier: http://tinyurl.com/kz6sju7

Extra für Kathleen präzisiere ich auch meine Aussage noch mal (die eben keine Theorie, sondern ein Faktum ist):
Es gibt in der deutschen Sprache deutlich mehr Substantive mit weiblichem Artikel (46%) als Substantive mit männlichem Artikel (34%).


OnkelMaggo hat den Kommentar am 05.06.2013 um 11:06 bearbeitet
Mittwoch, 05.06.13 11:18
 

Danke!
Die "Liebe zum Detail" sollte aber auch nicht vor den Avatarnamen haltmachen... ;)

Mittwoch, 05.06.13 13:02
 

warum nicht einfach wie im schwedischen nur noch utrum und neutrum und von mir aus plural.... von mir aus in der femininen form...
der polizistin (utrum)
das polizeihund (neutrum)
die polizistinnen (plural)

dann bin ich ein "der arbeitnehmerin" :D hehe why not

wenn wir dabei sein am besten noch das "Sie" abschaffen... und nurnoch "Du"

Mittwoch, 05.06.13 13:02
 

das hoert sich auch nur am anfang ungewohnt an

Mittwoch, 05.06.13 13:34
 

Mir geht das Duzen auf den Sack. Wir arbeiten hier international, und jeder Honk meint, er müsste einen sofort Duzen bzw. mit dem Vornamen anquatschen.

Mittwoch, 05.06.13 14:12
 

hehe witzig, bei mir ist es genau andersherum :)

Mittwoch, 05.06.13 14:24
 

Ansich habe ich mit dem Duzen auch kein Problem, aber nicht gleich sofort. Das beste ist mit externen Dienstleistern, die werden auch gleich mit dem Vornamen angesprochen, und nach den Meetings gehen alle Muttersprachler wieder schön fein zum Sie und Herr/Frau Nachname über.

Mittwoch, 05.06.13 23:28
 

@Loki: Das zeigt doch gerade, was für eine überkommener Quatschin diese Trennungin in Sie/Du ist. Bei unseren netten eidgenössischen Nachbarinnen ist frau sehr viel schneller beim Du. Ansonsten bin ich (wenn wir hier beim Denglisch-Neusprech bleiben wollen) okay mit maddis Vorschlägin.

Donnerstag, 06.06.13 16:10
 

diese übermäßige, also das maß verlierende sprachliche "emanzipation" hatten wir schon in den 70ern, die damals sicher mehr wie heute auch "nur" ausdruck von ungleichheit und wunsch auf gleichbehandlung im (berufs)leben war/ist. also mittel zum zweck finden sich immer - sprache ist eins der beliebtesten. ich finde es rosinen-kackerei und die-eigentlichen-probleme-verdeckmanteln.
denn was haben wir davon? m.E. selbstgemachte und selbstaufgesetzte schwierigkeiten, weil sich ja wer angepisst fühlen könnte *thx a lot frau merkel*

und der weg, alles mit neutraler form auszudrücken, hat irgendwann seine grenzen, auch wenn die hörgewohnheiten da groß mit rein spielen.

Sonntag, 09.06.13 22:20
 

ich fand die aktion erst cool, aber jetzt nicht enorm wichtig oder so. seit ich die reaktionen im internet gelesen habe bin ich jetzt aber relativ überzeugt von der wichigkeit. ich meine ich weiß dass leute sich über jeden scheiß übermäßig aufregen im internet, aber das ausmaß der aufregung und besonders die sonderbare dünnhäutigkeit und bizarr apokalyptische rhetorik der gegner haben mich jetzt doch überzeugt dass da wohl noch einiges passieren muss in den köpfen. wenn die uni freiburg mitmachen will fänd ichs super.

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