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Nightlife-Guru: DFB-Pokal-Halbfinale SC Freiburg vs. VfB Stuttgart im Cinemaxx

Der Nightlife-Guru hatte sein Trikot angezogen, den glücksbringenden Fan-Schal dabei und das Fahrrad mit einer kleinen Fahne für den Nach-Sieg-Fahrrad-Corso durch die Innenstadt vorbereitet. Doch dann kam alles anders. Wie's beim Public Viewing im Cinemaxx war:

Die Jungs An der Tür

"Lass mal meinen Kollegen bitte in die Tasche gucken",
sagt der ausgesprochen freundliche Zeitgenosse, der mein Ticket kontrolliert. Das war übrigens kostenlos - man musste sich lediglich zuvor ein Ticket an der Kasse abholen, was ja schon mal grundsätzlich sympathisch ist.
Am Inhalt meiner Tasche hat der Kollege nichts zu beanstanden, an dem des jugendlichen Menschen nach mir allerdings schon. "Die beiden Bier kannst ned mitnehmen", sagt er. "Echt nicht?" - "Echt nicht." Nun denn.





Inneneinrichtung und Deko

Im Stadion würde ich niemals einem Sitzplatz wählen. Niemals. Wirklich niemals. Nord oder nix. Doch beim Public Viewing nach einem langen Arbeitsplatz finde ich einen Sitzplatz wünschenswert. Die Sessel im Cinemaxx sind groß und weich, die Luft angenehm klimatisiert. Mehr als entspannte Rahmenbedingungen für eine psychologisch anstrengende Fußballnacht.

161 m2 ist die Leinwand im Saal 8 groß. Um Punkt 20:15 beginnt die Übertragung in HD-Qualität. HD, das heißt bei einer Leinwand dieser Größe, dass die Tränesäcke von Gerhard Delling so tief aussehen, als könne man einen Fußball darin versenken. Die Haare von Labbadia erscheinen so weich, fluffig und greifbar, als bräuchte man nur zur Leinwand greife, und könne ihren männlich herben Duft einartmen. An die Schulter unseres Trainers möchte man sich ja ohnehin immer ankuscheln, in Überlebensgröße wirkt der immer konträre Streich im kurzen Vorbericht noch schnuffiger als sonst. Intensiver könnte nur 3D sein. Nächstes Mal?



Wer war da?

Im Cinemaxx schaut Fußball, wer sonst auch ins Cinemaxx geht: Teenies, Schüler, Studis, Jungvolk aus dem Umland. Drei fesche Abiturientinnen in übergroßen SC-Trikots und Hotpants holen sich vor Spielbeginn schnell noch ’ne Coke Zero und Popcorn; eine Handvoll Jungs kommt in den Kinosaal und wird von ihren Kumpels in den oberen Rängen laut jubelnd begrüßt. Und: Irgendwo taucht ein Stuttgart-Fan auf – ein Eklat in dieser schwabenfreien Zone! „Stutt-gar-ta! Asch-lösch-a!“ Gepfeife und Gejohle.

Ein paar ältere Semester haben sich von ihren Kindern überreden lassen, das BaWü-Derby im Fußball und nicht in der Herdemer Stammkneipe zu schauen. Sie sind topp ausgerüstet, tragen SC-Trikots und Schals und haben sogar Vereinsflaggen am Start. Nach dem Anpfiff stimmen sie die ersten Zeilen des Badnerlieds an. Nur: Keiner singt mit. Die wichtigen Dinge lernt man im Abi heut' anscheinend nicht mehr.





Catering und Getränke

Die Infrastruktur für Snacks und Getränke ist im Cinemaxx natürlich phänomenal. Derartiges kann man sich quasi auf jedem Quadratmeter kaufen. Sogar im Kinosaal steht ein Stand, sodass man sich nicht entscheiden muss zwischen ein-Bier-kaufen-gehen und Den-alles-entscheidenden-Moment-des-Spiels-verpassen.

Die Preise erinnern an die Allianz-Arena: Für ein 0,6-er Warsteiner, einen Liter Cola Light – das sind hier so die Maßeinheiten –, eine große Portion gesalzenen Popcorns zahlt man 11 Euro. Immerhin: Man muss keine Minute anstehen, und die Verkäuferin ist superfreundlich.






1. Halbzeit: Spielatmosphäre und Rasenspiel-TÜV

9. Spielminute. Tor für Stuttgart durch Boka. Im Saal 8 des Cinemaxx herrscht geschockte Stille. Anwesende Krypto-Schwaben jubeln dezent. Niemals will wahrhaben, was da gerade passiert ist. Beleuchtet werden die Schockgesichter durch das grelle Licht an der Kamera eines Mitarbeiters von TV Südbaden.

Fünf Minuten später beleuchtet die Lampe entgrenzten Jubel in denselben Gesichtern. Rosenthal hat den Ausgleich gemacht. So hatten wir das vorgestellt. Frühe Tore, ein ausgewogenes Spiel, ein harter Kampf.

15 Minuten später erzielt Harnik das 2:1. Nein, nein, nein. Aber gut, es ist ja noch viel Zeit. Da geht noch was, das Spiel ist noch lang, ich denke an Dortmund.


Auf dem Klo kurz vor der Halbzeit

Irgendwo muss der Liter Cola ja irgendwann hin. Außerdem brauche ich eine Pause. Ich bin allein in der Kühle der großen Sanitäranlage. Sanft dudelt eine Muzak-Version von "I'm a rhinestone cowboy" aus unsichtbaren Lautsprechern. Ich lehne meinen Stirn kurz gegen die angenehm kühlen weißen Fliesen der gekachelten Wand, und sammele Kraft für den weiteren Verlauf des Abends.


2. Halbzeit: Spielatmosphäre und Rasenspiel-TÜV

In der zweiten Halbzeit ist Freiburg am Drücker, vom nervösen Start ist nichts mehr zu merken - doch das Unterfangen bleibt erfolglos. Mittendrin hagelt es gelbe Karten, über diverse Schiedsrichterentscheidungen moppert man im Saal lautstark, einmal fliegt sogar eine Plastikflasche. Fast ein bisschen wie die Pyro, die in Stuttgart im Gästeblock aufflammt.

Die letzten zehn Minuten scheinen endlos und schmerzen. Das Team rackert, Baumann ist mein Held, Krmas sowieso, Rosenthals Gesicht wirkt abgekämpft, er gibt alles.

Und dann: vorbei, und die Stuttgarter ziehen Shirts an, auf denen irgendwas mit "Wir können alles" und "Berlin" steht. Mir ist schlecht. Berlin wird es hassen, wenn zum Pokalfinale noch mehr Schwaben in die Stadt kommen. Rettet die Schrippe.





Aufregerle

Dass die ARD irgendwie immer pro Stuttgart und contra Freiburg kommentiert, sind wir gewohnt. In persona Tom Bartels nahm das heute Abend aber Züge an, die nicht mehr feierlich sind. Grundsätzlich sind alle Schiri-Entscheidungen gegen Stuttgart Fehler, alles, was zugunsten von Freiburg gepfiffen wird, ebenfalls. Zeitweise hört sich das an, als ob Bartels Deutschland gegen Italien kommentiert. Das geht soweit, dass der Sportschaukommentator „wir“ sagt, wenn er den VfB meint. Liebe ARD: Ausgewogenheit geht anders.


Aufheiterle

Zu lachen gab es am Ende natürlich gar nichts. Und während des Spiels? Eigentlich auch nichts Konkretes. Es schien nur so, als ob ganz Freiburg – vielleicht sogar ganz Fußballdeutschland – die Partie derart gut gelaunt, beschwingt und optimistisch anging, als ob der Sieger von vornherein feststand: Oho, nur der, nur der SCF! Oho, nur der, nur der SCF! Dass dann alles ganz anders kam … Aufheiterle? … An einem Tag wie diesem: nada.

Fazit

Ist es Ginter, der nach dem Spiel weinend auf dem Feld liegt? Ich weiß es nicht mehr. Aber ich weiß: Ich will mich dazu legen. Der SC hätte es verdient, dieses Spiel zu gewinnen. Nach den konfusen ersten zehn Minuten war das Spiel ausgewogen - nur am Abschluss haperte es, mal wieder.

Und doch gibt es eigentlich keinen Grund, traurig zu sein. Auch wenn nun die Schwaben das Ticket nach Berlin gelöst haben, hat die Mannschaft etwas Historisches erreicht. Darauf können und sollen sie und der Trainer stolz sein - genau so, wie auf die gesamte hervorragende Saison.

Das DFB-Finale wird nun langweilig - und zwar nicht nur für Freiburg-Fans, sondern für die Fußball-Nation. Denn wie egal ist eigentlich Stuttgart, so als Team? Der Blick auf die Tabelle zeigt: total egal.

Und am Sonntag, da gibt's Spätzle.









   




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Kommentare
Anzahl der Kommentare: 2
Donnerstag, 18.04.13 04:40
 

berlin werden sie auch noch kleinkriegen. äh, wir in berlin, meine ich. nee, warte mal, wie war das nochmal? ahja, bayern ficken. genau.


ass+c hat den Kommentar am 18.04.2013 um 04:41 bearbeitet
Donnerstag, 18.04.13 09:02
 

Da erkennt der VFB seit zig Spielen mal wieder, wie man richtig Fussball spielen muss, und dann natürlich gegen uns. Nun ganz unverdient haben sie leider nicht gewonnen. Und die kleinen Spielkinder durften in unserem Block auch wieder ein bisschen zündeln, ein Spaß für die gesamte Familie.

Der SC war in der ersten Halbzeit zu nervös. Eine Erfahrung reicher und wir werden im Finale gegen Bayern in Grund und Boden gestampft. Und mit viel Glück, verpassen wir noch die Euro League.

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