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690 Meter Sexismus-Debatte: Freiburger Student bastelt #aufschrei-Drucker

Über 42.000 Tweets auf 690 Metern Thermopapier: Der 26-jährige Freiburger Student Kristian Gäckle hat mithilfe eines Kassenbondruckers eine Installation gebastelt, die die auf Twitter geführte Sexismus-Debatte dokumentiert. Wir haben ihn gefragt, was das soll und wie das funktioniert:



fudder: Kristian, wozu brauchen wir einen #aufschrei-Drucker?


Kristian Gäckle: Die Sexismus-Debatte, die sich vor allem aufgrund der #aufschrei-Twitter-Debatte entwickelt hat, empfand ich als einen wichtigen Schritt hin zu einer gerechteren und gleichberechtigten Gesellschaft für alle Geschlechter. Trotzdem bleibt bei Twitter die Debatte in einem digitalen Raum und somit schwer fassbar.

Da wir Menschen kein Sinnesorgan für Datenbanken und digitale Größen haben, wollte ich diese Debatte greifbar und anschaulich gestalten. Ich glaube, das ist mir mit den rund 690 Metern ausgedruckten Papiers durchaus gelungen.

Dabei ist es zum Teil wirklich anstrengend, die Tweets zu lesen, da es eine unglaublich sexistische Gegenreaktion auf Twitter gegeben hat. Ich würde schätzen, dass die Hälfte der gedruckten Tweets wiederum den Alltagssexismus in unserer Gesellschaft durch teilweise sehr herabstufende Kommentare widerspiegelt.

Aber dennoch bleibt es wichtig, den Alltagssexismus in unserer Gesellschaft weiter zu benennen und diesen Zustand zu verändern. Mit der Installation möchte ich gerne die Debatte am Laufen halten und kreativ einen weiteren Zugang zu dieser schaffen.

Wie funktioniert der #aufschrei-Drucker technisch?


Nach der #aufschrei-Debatte auf Twitter hat sich ein kleines Team gebildet, das eine statistische Analyse der Tweets vornimmt. Dadurch war es mir möglich, auf eine umfangreiche Datenbank der ersten neun Tage zurückzugreifen.

Ein kleiner Steuerrechner macht während des Druckens Abfragen aus der lokal gespeicherten Datenbank und schickt dann die chronologisch sortierten Tweets per Druckbefehl an den Kassenbondrucker. Da in der Datenbank jedoch die Usernamen durch eine Zahlenkombination ersetzt werden, fragt der Rechner in Intervallen bei Twitter nach den passenden Usernamen, um sie den Tweets zuzuordnen.

Schließlich sorgt noch ein kleines Programm mit angeschlossener Webcam für die Aufnahme eines Videostreams und die zeitgesteuerte Speicherung von Schnappschüssen, aus denen dann das YouTube Video entstanden ist.

Ein guter Freund mit Programmierkenntnissen hat mir bei der technischen Umsetzung des Projekts geholfen.

Wie viele Tweets hat der #aufschrei-Drucker ausgespuckt?


Der Drucker hat über 42.000 Tweets gedruckt, die sich leider nur auf die ersten fünf Tage der dokumentierten Debatte beziehen. Dennoch waren das genug Tweets, um meinen Papiervorrat aufzubrauchen. Findet jetzt mal passende Kassenbonrollen in der Innenstadt!

Bist du selbst auf Twitter unterwegs?


Ich habe erst seit Beginn dieses Projektes einen Twitter-Account (@DerAufschrieb), den ich aber bislang nur latent genutzt habe. Dennoch würde ich mich als einen sehr internetaffinen Menschen bezeichnen.

Wie geht's jetzt mit deiner Installation weiter?


Ich hoffe, dass sich die Debatte auch durch meine Aktion weiter bewegt und den respektvollen Umgang der Menschen miteinander fördert. Bis Mittwoch war die Installation im Keller des U-Asta untergebracht. Sie kann aber schnell wieder realisiert und neu umgesetzt werden. Demnächst möchte ich im öffentlichen Raum drucken und somit die Möglichkeit geben, den Druckprozess live mitzuverfolgen.  

Sexismusdrucker
Quelle: YouTube


Zur Person

Kristian Gäckle, 26 Jahre, ist Masterstudent im Fach Gender Studies an der Universität Freiburg. Er hat in Freiburg seinen Bachelor in Soziologie und Ethnologie absolviert und beschäftigt sich mit netzpolitischen, gesellschaftlichen und geschlechtsspezifischen Themen. Kristian sagt: "Im Alltag versuche ich nicht, das männliche Stereotyp zu sein, das sonst möglicherweise in mir gesehen wird."






Fotogalerie: Kristian Gäckle

Tipp: Wartet einen Augenblick, bis die Galerie komplett geladen ist. Ihr könnt euch dann ganz bequem jeweils das nächste Foto anzeigen lassen, indem ihr auf eurer Tastatur die Taste "N" (für "next") drückt.




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Kommentare
Anzahl der Kommentare: 11
Freitag, 01.03.13 11:25
 

+

;-)
Freitag, 01.03.13 11:40
 

+++

Freitag, 01.03.13 11:58
 

superfeiner jung:)


Freitag, 01.03.13 13:15
 

"Demnächst möchte ich im öffentlichen Raum drucken und somit die Möglichkeit geben, den Druckprozess live mitzuverfolgen."

Das möchte ich auf jedenfall auch miterleben, klingt sehr interessant.

Freitag, 01.03.13 13:36
 

Aha als find wohl nur ich das fürn Arsch
Aber danke für den Beitrag:

Kristian sagt: "Im Alltag versuche ich nicht, das männliche Stereotyp zu sein, das sonst möglicherweise in mir gesehen wird."

Hier musste ich lachen ;)

Freitag, 01.03.13 14:19
 

ich habs mir verkniffen dazu was zu schreiben :P

Freitag, 01.03.13 14:37
 

;-)
Freitag, 01.03.13 14:55
 

@loki und lurchi: als ob "mann-sein" im alltag besonders differenziert betrachtet würde. aber das könnt ihr als betroffene nicht beurteilen. darum insiderinnenzusammenfassung: er betritt den raum, ich pfeiffe, denke "frischfleisch" und werde die nächsten 1,5 sekunden damit verbringen, ihm zwischen die beine zu starren um mehr über seinen penis zu erfahren, bevor ich entweder begeistert an meinen haaren rumspiele und ihm zuzwinker oder ihn gelangweilt ignoriere. sollte er mein zwinkern nicht erwiedern, werfe ich ein paar luftküsse und sag was freundliches über seine schönen augen (glaubt jeder mann gern), bei der nächsten abfuhr lasse ich ihn aber wissen, dass er billige massenware ist. der rest interessiert erstmal herzlich wenig. (tut mir leid, wenn das jetzt oberflächlich wirkt, aber das sind meine hormone und ich meine es gar nicht böse. damit muss man doch rechnen, wenn man mit dem aussehen eines mannes räume betritt, die schon von frauen besetzt sind.) trotzdem begrüße ich es, wenn dieses exemplar versucht, mehr zu sein als sexuelle masse und mit der aktion ist es ihm gelungen. ein penis, der komplizierte sachen bauen und vernünftige erklärungen dazu abgeben kann. obwohl er, und da könnt ihr zwei noch so kichern, ein mann ist.

Freitag, 01.03.13 16:42
 

*kicher*

Freitag, 01.03.13 20:04
 

Jetzt musste ich wieder lachen :(

Im übrigen erzählst du das einem Kerl, der seit jüngster Kindheit mit seinem Vater in einem Cafe saß und wir Frauen von einer Skala von 1 bis 10 bewertet haben. Und komischerweise reduziere ich Frauen immernoch, und rede sogar mit ihnen wenn sie nicht mein Typ sind und meine "Beute". Und klar wandert mein Blick auch von oben nach unten, aber dabei läuft mir weder sabber runter, oder ich lass die Zunge 2m raushängen, und meine AUgen schieben sich spontanerweise 2m raus. ;) Wie hat das eine gute Freundin gesagt, es gibt einen riesen Unterschied zwischen gaffen und die Weiblichkeit bewundern.

Ich finde nichts falsches dran, dass ein Mann ein Mann ist, und eine Frau sich wie eine Frau benimmt.

Letztendlich ist es so absurd, wenn eine Frau reinkommt und in die Runde schreit "ICH MUSS JETZT RICHTIG KACKEN". Oder eine etwas sehr maskuline Frau zu mir sagt während ich gelangweilt an der Gaderobe stehe und auf meine Begleitung warte und sie auf ihre. "Frauen.....die brauchen immer länger...was. ganz schlimm" und dann ein Fistbump macht. Da fällt mir, ich sollte weniger trinken, oder wieder mehr.

Samstag, 02.03.13 02:53
 

Definition für Papierverschwendung !

Aber da Student = Forschungsobjekt (unnötiges...)


gedoens hat den Kommentar am 02.03.2013 um 02:55 bearbeitet
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