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Der Party-Knigge: „Nicht nur für Drogies und Druffies“

Wissen ist Nacht – finden die Journalisten Nana Heymann und Sebastian Leber. Die beiden Um-die-Dreißiger schreiben seit Jahren über das Berliner Nachtleben, recherchieren in Clubs und Szenebars. Ihr neues Buch „Nachts sind alle Katzen blau“ ist Deutschlands erster Nightlife-Knigge. Im Interview mit fudder sprechen sie darüber, warum Regeln das Feiern noch besser machen.

Party-Knigge


fudder: Braucht es wirklich allgemein gültige Regeln für das Nachtleben?


Sebastian Leber: Auf jeden Fall. Uns hat es fasziniert, dass es das noch nicht gab. Für fast alle Lebensbereiche existiert ein Knigge – nur nicht fürs Feiern.

Nana Heymann: Wir haben beobachtet, dass sich Leute beim Ausgehen immer wieder daneben benehmen, es vielen aber gar nicht auffällt. Manche stehen mit einem Döner in der Hand in der Warteschlange und fragen sich doch tatsächlich, warum sie nicht am Türsteher vorbeikommen. Wobei wir uns selbst auch oft blamiert haben ...

Leber: Die Anekdote aus dem Kapitel „Was machen, wenn sich die Klotür nicht abschließen lässt?“ stammt aus Nanas eigener Erfahrung. 

Aber macht euch das zu Feier-Experten?


Leber: Ich bin jetzt 35, habe also rund 20 Jahre Feiererfahrung. Da waren viele schlimme Geschichten, aber auch einige Erfolge dabei. Ich denke, dass jeder, der in Deutschland lebt und nicht komplett soziophob ist, diese Erfahrungen teilt.

Heymann: Es wäre vermessen, uns selbst als Experten zu bezeichnen. Persönliche Erfahrungen spielen in Details natürlich eine Rolle, aber wir wollten unsere Recherche auf profunde Füße stellen. Deshalb haben wir richtige Profis gesprochen: Barkeeper, Clubbesitzer, Türsteher, Klofrauen und Modefachleute. Wir haben aber auch einschlägige Studien gewälzt.

Leber: Wir sind zum Beispiel auf die Untersuchung eines italienischen Wissenschaftlers gestoßen, der doch tatsächlich herausbekommen hat, in welches Ohr man flüstern muss, um die Erfolgschancen beim Zigarettenschnorren zu erhöhen.

Ihr stellt ziemlich viele Regeln auf: Wer zum Beispiel Caipirinha oder Cosmopolitan bestellt, ist total von gestern - und Wodka-Redbull-Trinker haben sowieso keinen Geschmack. Seid ihr nicht ein bisschen zu streng?


Leber: Das Getränkekapitel ist sehr polemisch, das stimmt. Natürlich kann man sich einen ‚Swimming Pool’ bestellen – muss sich aber über die Reminiszenz an die Münchner Schickeria im Klaren sein. Aber wie im ganzen Buch gilt auch hier: im Zweifel lieber machen! Wenn man weiß, dass man als Caipi-Trinker nicht wie die hellste Fackel im Dschungel rüberkommt, ihn aber mit entsprechender Selbstsicherheit bestellt: Warum nicht?

Heymann: Uns geht es eher darum, ein entsprechendes Bewusstsein, eine Haltung zu vermitteln. Auch wir haben dazu gelernt: Mir war zum Beispiel gar nicht bewusst, dass Wodka-Redbull von Barkeepern so abgrundtief verachtet wird.

Leber: Wir wollen keine Diktatoren sein. Unsere Tipps und Spielregeln sollen als Chancen auf einen besseren Abend verstanden werden. Ich bin zum Beispiel der totale Körperklaus und habe das Tanzkapitel aus der Sicht eines Betroffenen geschrieben.

Heymann: Wir geben einen groben Fahrplan vor, natürlich können und sollen manche Regeln auch gebrochen werden.

Welche Regel brecht ihr selbst ständig?


Heymann: Ich gestehe das jetzt mal: Ich habe neulich einen Cosmopolitan getrunken.

Leber: Das ist krass!

Heymann: Dafür brichst du alle Regeln aus dem Kapitel „Wie ausgelatscht dürfen Turnschuhe sein“.

Leber: Stimmt. Und ich habe immer viel zu viel Kram in den Hosentaschen, das macht dann solche Beulen.

Sparfüchse und weniger attraktive Menschen kommen relativ schlecht weg in dem Buch.  Muss man reich und schön sein, um beim Feiern Spaß zu haben?


Leber: Haben wir das geschrieben?

Heymann: Naja, wir empfehlen schon, dass man umgeben von attraktiven Vertretern des anderen Geschlechts selbst anziehender wirkt. Das ist wissenschaftlich belegt. Andererseits raten wir auch zu einer ausgewogenen Zusammenstellung der Gruppe –  nicht zu einer durchgestylten Gossip-Girl-Clique. Und was das Geld angeht: Ich hatte schon super Abende mit nur fünf Euro in der Tasche.

Leber: Und ein großes Kapitel beschäftigt sich mit Privatpartys – die kosten fast nichts.

Heymann: Außerdem haben wir für weniger liquide Menschen sogar ein paar Schnorrertipps.

Wer soll euer Buch lesen - und wer lieber nicht?


Leber: Einerseits Leute, die sich ins Nachtleben gerade reinfinden, also am Anfang der Pubertät stehen. Aber auch ältere, die vielleicht lange nicht mehr aus waren und wissen müssen, dass „Stayin’ alive“ nicht mehr ganz so der Bringer ist. Es ist ein Mainstream-Buch – nicht nur für Drogies und Druffies.

Dafür geht ihr in eurem Buch aber ziemlich weit, beantwortet auch Fragen zu Themen wie „Wie verhalte ich mich im Darkroom“, „Resteficken“ und „Wie kotze ich richtig auf einer Toilette“ ...


Leber: ... und wir verwenden - bis auf das Wort „Resteficken“ – nie krasse Ausdrücke. Mal im Ernst, die heute über Zehnjährigen, die aus der „Generation Youporn“, wissen doch über alles bescheid. Die können wir nicht mehr versauen – höchstens auf den richtigen Weg bringen. Wir haben unsere Formulierungen juristisch abchecken lassen, da muss man schon aufpassen.

Nach dem Motto: Wenn die ohnehin schon alles wissen, lasst uns wenigstens darüber reden.


Leber: Ja. Wir weisen auch darauf hin, dass manche Drogen zwar legal sind, aber zum Beispiel Poppers zu Langzeitschäden führen können. Eine gewisse Moral ist uns wichtig: Uns bewegen keine juristischen Gründe wenn wir sagen: Koks und Heroin zu nehmen ist eklig - und Komasaufen ist nicht cool.

Heymann: Das Buch soll auf keinen Fall zu Exzessen aufrufen, eher Wissen verbreiten und alle Eventualitäten abdecken.

Ein großer Teil des Buches geht um das Verhältnis von Männern und Frauen. Inwiefern glaubt Ihr, Klischees aus der Welt zu räumen?


Heymann: Viele Klischees haben sich während unserer Recherche bestätigt. Dass Studien zufolge Frauen nicht mit jedem schlafen, Männer aber mit zunehmendem Alkoholpegel ihre Ansprüche runterschrauben- das hat mich allerdings nicht wirklich gewundert ...

Leber: Aber uns ging es auch darum, klare Ansagen zu machen. Zum Beispiel, dass es richtig und wichtig ist, dass eine Frau ein Kondom in der Tasche hat - ohne dass man sie als Schlampe abstempelt.

Wie wichtig ist Feiern?


Heymann: Ab einem gewissen Alter muss man nicht mehr jedes Wochenende auf die Pirsch. Aber Ausgehen hat für uns noch immer diese Magie. Außerdem steht es all diesen bürgerlichen Konventionen gegenüber: Man ist nachts unterwegs, wenn alle schlafen. Und wenn andere beim Frühstückstisch sitzen mit Brötchen und Sonntagszeitung, kommt man selbst gerade nachhause.

Leber: Es vermittelt ein komisches Gefühl von ... Freiheit.




Nana Heymann
Sebastian Leber
„Nachts sind alle Katzen blau“
Feiern für Fortgeschrittene

Goldmann Verlag
ISBN: 978-3-442-15733-4
320 Seiten
8,99 Euro













 
[Bilder: Promo]




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Kommentare
Anzahl der Kommentare: 23
Donnerstag, 21.02.13 12:16
 

"Ihr stellt ziemlich viele Regeln auf: Wer zum Beispiel Caipirinha oder Cosmopolitan bestellt, ist total von gestern - und Wodka-Redbull-Trinker haben sowieso keinen Geschmack. Seid ihr nicht ein bisschen zu streng?

Leber: Das Getränkekapitel ist sehr polemisch, das stimmt. Natürlich kann man sich einen ‚Swimming Pool’ bestellen – muss sich aber über die Reminiszenz an die Münchner Schickeria im Klaren sein. Aber wie im ganzen Buch gilt auch hier: im Zweifel lieber machen! Wenn man weiß, dass man als Caipi-Trinker nicht wie die hellste Fackel im Dschungel rüberkommt, ihn aber mit entsprechender Selbstsicherheit bestellt: Warum nicht?"

nachdem ich das gelesen habe stelle ich einfach auch mal regeln auf.

- wer sich ein getränk bestellt weil es hipp ist in ist und nicht weil man es gerne trinkt ist uncool..
- wer ein buch braucht um sich dahingehend sogar noch anleiten zu lassen ist mega uncool..
- der begriff mainstream ist out, brainoff ist in...

mza
Donnerstag, 21.02.13 12:32
 

Drogies == Druffies

Donnerstag, 21.02.13 13:11
 

@mza: das stimmt so nicht.

korrekt ist: drogies ≤ druffies.

Donnerstag, 21.02.13 13:24
 

"35" = "um die 30", ihihihi

edit: poppers sind legal? krass. auch alkohol führt übrigens zu "langzeitschäden"

edit: was für formulierungen mussten denn "juristisch abgecheckt" werden?

edit: man könnte mal das weltbild der autoren "polemisch" durchchecken, re: koks und heroin sind "eklig": wie stellen sie sich den "mainstream" vor, für den sie schreiben.

Donnerstag, 21.02.13 13:25
 

ich erweitere das mal:

drogies ≤ druffies ≤ durchies.

mza
Donnerstag, 21.02.13 13:37
 

@manuel...nö, schonmal programmiert?

if druffies == drogies:
   fudder = fail
else:
   fudder = right


mza hat den Kommentar am 21.02.2013 um 13:38 bearbeitet
Donnerstag, 21.02.13 13:49
 

@mza. Schau doch einfach mal in den Spiegel.

mza
Donnerstag, 21.02.13 14:01
 

Ja er sieht fresh aus!

Donnerstag, 21.02.13 14:03
 

@mza: programmiert? bisschen, html-mäßig. dankenswerterweise machen das sonst immer andere.

mza
Donnerstag, 21.02.13 14:12
 

das ist ein bissle pythonmässig, dankenswerterweise bekomme ich dafür ein paar CHF's... :)

Donnerstag, 21.02.13 14:22
 

Was steht erst in dem Buch, wenn die Antworten in dem Interview schon sehr, sagen wir mal, zweifelhaft sind...?!

Um nicht jede obige Antwort zu zitieren, beschränke ich mich:

"Man ist nachts unterwegs, wenn alle schlafen." - Aha, da sind die Parties dann sicher gut besucht.

"...komisches Gefühl von ... Freiheit." - Komisch?!

"Mal im Ernst, die heute über Zehnjährigen, die aus der „Generation Youporn“, wissen doch über alles bescheid. Die können wir nicht mehr versauen – höchstens auf den richtigen Weg bringen. Wir haben unsere Formulierungen juristisch abchecken lassen, da muss man schon aufpassen." - Ich hoffe, diese Lektüre liegt ganz oben im Regal, sodass die 11jährigen da nicht rankommen und gar vorzeitig verblöden ob solcher Aussagen.

Fazit: Wie schwarzkommando oben schon anmerkt, auch regelmäßiger Alkoholkonsum hinterlässt so seine Spuren.

Donnerstag, 21.02.13 14:29
 

Html ist eine Beschreibungssprache keine Programmiersprache... Aber das ist ein anderes Thema :)

Ich würde es eher mathematisch ausdrücken...
Drogis sind die Obermenge druffies sind eine echte Teilmenge von drogies und durchies sind eine echte Teilmenge von druffies...dunno wie man hier mit dem Handy die richtigen mathematischen utf8 Zeichen einfügt

Wichtig sind die echten teilmengen... Nicht jeder drogie ist nen druffie und nicht jeder druffie ist nen durchie :)

Donnerstag, 21.02.13 14:31
 

Wobei dir frage ist ist jeder durchie wirklich drogie und druffie? Vllt sollte man das mal verfeinern... Bin mal afk... Nächstes paper ich komme!

Wäre nen guter einstieg in HM1 oder logik1 oder so... Mal meinem alten Prof. Schicken lässt sich schön drüber diskutieren und es formalisieren


maddis hat den Kommentar am 21.02.2013 um 14:33 bearbeitet
Donnerstag, 21.02.13 14:42
 

Das Interview mit den beiden ist wirklich eigenartig. Manche Antworten sind schon etwas na ja, sehr unprofessionell. " Wir haben keine Ahnung, aber haben darüber warum auch immer ein Buch geschrieben" so kommt das irgendwie alles rüber. Resteficken, Generation youporn, Koks und Heroin ist eklig, Komasaufen uncool. Welch vielseitiger und beeindruckender Wortschatz. Schmunzel. Stayin alive out? Ist klar, bei den ganzen 60er und 70er Jahre Parties kommen ja immer die Lieder der 2000er....

Und bei den Cocktails nehme ich denjenigen, den ich gerade möchte, egal als was ich mich dann vermeintlich oute. Darauf hat die Welt wirklich noch gewartet. Ein Kniggeführer durch das deutsche Nachtleben. Lesen bildet nicht immer.


Necronomicon hat den Kommentar am 21.02.2013 um 14:43 bearbeitet
Donnerstag, 21.02.13 14:50
 

erinnert mich irgendwie an weisheiten wie:

- je höher desto plumps
- nachts ist es dunkler als draussen
- erst die hose dann die schuhe
tbc.

Donnerstag, 21.02.13 14:53
 

hätte kein problem damit wenn die übliche soße mal ausgetauscht würde auf der getränkekarte. dh einfach mal kein gin tonic und kein jack and coke, sondern irgendwas anderes, egal was. old fäschnd und gimlet oder whateva. es muss ja gar nichts sein was in EnnWeiSi vor zwei stunden frisch ausgedacht wurde, einfach mal ein bißchen abwechslung im üblichen. jaja das eine sind cocktails und das andere etc. suck it.

Donnerstag, 21.02.13 20:38
 

ich bin arzt, lasst mich durch.

Donnerstag, 21.02.13 20:51
 

more like "ich bin durch, lasst mich arzt"

Donnerstag, 21.02.13 22:42
 

och, das klingt doch ganz amüsant. so als klolektüre perfekt, direkt neben dem sms-buch. ich finde es vollkommen überflüssig, sich über solche bücher das maul zu zerreißen. beide wirken auf mich im interview ganz sympathisch, und dass die nicht so den oberprofessor raushängen lassen finde ich ebenfalls von vorteil.

Freitag, 22.02.13 01:00
 

von Vorteil ist- auch wenn es meist schwerfällt - auf die Lachsschaumspeise zu verzichten http://youtu.be/7-CbhFP1k9I

Freitag, 22.02.13 11:18
 

@maddis: html ... oh ... uh. ich geh mal 'ne runde wiki lesen ...

Freitag, 22.02.13 13:26
 

Und hier doch gleich der oundtrack zum daneben benehmen:
http://tinyurl.com/au2facc
Mir doch egal was,2 hippe Berliner Partypeople sagen, zumal auf unser Großdorf Freiburg sowas nicht umzulegen ist. Mag sein, daß München, Köln, Frankfurt, Hamburg, Berlin für uns die Peinlichkeitsgrenze sehr niedrig angesetzt ist, so what?
In Freiburg feiert man so und zwar genauso wie in NY, LA und Tokio, das wissen nur die anderen Städte nicht... *g*

Freitag, 22.02.13 16:12
 

@wolke(1. kommentar) und tatoocheck: ye! genau so isses!


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