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Interview mit der Freiburger Bundestagsabgeordneten Kerstin Andreae zu Cybermobbing

"Sei Mutig. Stopp Mobbing" - so heißt die Aktion, die Facebook am Freitag gemeinsam mit der EU-Initiative klicksafe gestartet hat. Fünf Bundestagsabgeordnete stehen dafür Pate - unter ihnen die Freiburger Grünen-Politikerin Kerstin Andreae. Wir haben sie gefragt, warum Cybermobbing für sie ein Thema ist und ob ihr 12-jähriger Sohn schon ein Smartphone hat.



Kerstin Andreae

fudder: Frau Andreae, ist es nicht widersprüchlich, dass gerade Facebook sich gegen Cybermobbing engagiert? Wenn irgendwo im Internet gemobbt wird, dann doch vor allem dort.


Kerstin Andreae: Na ja, Facebook gibt es nun mal, und an und für sich ist an solch einem sozialen Netzwerk ja nichts auszusetzen. Tatsächlich gehört es aber zu seinen Aufgaben, den Missbrauch zu thematisieren, der auf seiner Plattform stattfindet.

Worum geht es konkret in der Kampagne "Sei Mutig. Stopp Mobbing"?


Darum, das Bewusstsein dafür zu schärfen, dass Mobbing auch im Internet stattfindet - bei Eltern, Lehrern, aber vor allem bei Jugendlichen. Dazu aufzurufen, dass man sich positioniert, dagegen angeht.

Die Kampagne richtet sich also nicht nur an Opfer. Die Botschaft lautet: Pass mal auf, was du da machst. Wenn du mitmachst beim Verbreiten von falschen Informationen, hämischen Kommentaren, bösartigen Bilder, dann gehst du mit Menschen so um, wie man mit Menschen nicht umgehen sollte.

Natürlich muss man sich nicht immer streicheln und liebhaben. Sich auseinanderzusetzen gehört zum Teil auch dazu. Aber Cybermobbing nimmt Dimensionen an, die ein einzelner nicht mehr überschauen kann und gegen die er sich auch nicht mehr entsprechend wehren kann.

Warum ist das für eine Bundestagsabgeordnete ein Thema?


Einerseits, weil wir im Bundestag immer wieder mit dem Thema Digitaler Raum zu tun haben, Datenschutz, die Frage des Umgangs mit dem Netz. Andererseits, weil wir über 500.000 Mobbingübergriffe an deutschen Schulen registrieren. Und: Ich habe selbst Kinder - darunter auch ein Schulkind -, weswegen mir das Thema auch ein persönliches Anliegen ist.

Welche Rolle spielen soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter im Alltag von Bundestagsabgeordneten?


Für Abgeordnete ist es zunehmend Teil der politischen Kommunikation, auch dort unterwegs zu sein. Was Twitter angeht, wird heiß diskutiert. Die einen sagen: Das ist genau mein Medium! Die anderen: Ich lass mich doch nicht auf 140 Zeichen reduzieren! Aber sehr viele nutzen neben der klassischen Website auch Facebook. Wir kriegen auch mit, dass Journalisten unsere Facebook-Accounts wahrnehmen und uns so möglich ist, politische Meinungen kund zu tun oder Debatten anzustoßen.

Was bedeutet das für Ihre Kommunikation?


Die hat sich damit verändert. Sie ist noch schneller, noch reduzierter auf Kernaussagen. Die klassischen einseitigen Pressemitteilungen kriegen Sie über Facebook nicht mehr übermittelt. Da müssen Sie sich eine andere Sprache einfallen lassen.

Sind Sie auf Facebook nur als Politikerin unterwegs oder posten Sie auch mal was Privates?


Ich habe nur einen, offiziellen Facebook-Account, auf dem ich ausschließlich politisch unterwegs bin. Die Vermengung von Politischem und Privatem wäre mir vermutlich zu eng.

Sind Sie dort schon selbst Opfer von Cybermobbing geworden?


Nein. Natürlich gibt es auch mal negative Kommentare. Aber erstens stellen diese nicht die Mehrheit dar, zweitens nehme ich es nicht so ernst, wenn jemand unflätig wird oder anfäng herumzupöbeln. Da geht’s ja dann nicht um mich oder um das, was ich gesagt habe, sondern um Schwierigkeiten bei der Person selbst.

Haben Sie solche Kommentare schon mal gelöscht?


Nein, das war bisher nie nötig. Wenn jemand Naziparolen bei mir verbreiten würde, sähe das vielleicht anders aus.

Ihr ältester Sohn ist zwölf Jahre alt. Hat er schon einen Facebook-Account?


Nein. Ich schätze mal, das dauert noch so ein halbes Jahr, dann geht das auch bei ihm los. Er schaut sich zwar immer mal wieder mein Facebook-Profil an, findet das aber noch furchtbar langweilig.

Was ich erfreulich finde, ist, dass die Schulen das Thema inzwischen aufnehmen und mit den Kindern sehr früh über die Chancen, Risiken und Gefahren des Internets sprechen. Mein Sohn verfügt über eine hohe Sensibilität, was Eigenes, Privates im Netz angeht. Den Kindern ist klar, dass das Netz nichts vergisst. Wir mussten uns ja erst daran gewöhnen. Als wir in die Schule gingen, gab’s das ja noch nicht.

Wenn Ihr Sohn dann auf Facebook ist: Werden Sie sich dort mit ihm befreunden?


Ich würd’ ihn auf jeden Fall fragen! Wichtig ist mir: Er soll Facebook nicht als digitales Tagebuch verwenden. Wir Mädchen hatten ja noch so ein Tagebuch mit einem kleinen Schloss und einem Schlüsselchen. Das war furchtbar geheim und privat und lag irgendwo im Zimmer herum. Es war auch tabu für die Eltern, die hatten da nicht drinnen zu lesen.

Was das Internet angeht, müssen die Kindern lernen, dass dort nun mal nicht alles geheim, privat und tabu ist und dass es für viele zugänglich ist. Ich glaube, es hilft nur, viel darüber zu reden, Vertrauen zu schaffen, klar zu machen: Pass auf, es kommt unscheinbar und sanft daher, aber da stecken Gefahren drinnen, derer du dir bewusst sein musst.

Um sich auf Facebook einzuloggen oder ins Internet zu gehen braucht man heute keinen Computer mehr, dazu reicht ein einfaches Smartphone. Dadurch scheinen Eltern die Kontrolle über die Internetaktivitäten ihrer Kinder zu verlieren. Wie gehen Sie damit um. Smartphone erst ab 16?


Nein, das kann man vergessen, da mit Einschränkungen ranzugehen. Das macht’s ja nur um ein Vielfaches spannender. Wir reden relativ viel über Kosten, das muss er alles selbst zahlen. Er hat jetzt ein altes Smartphone bekommen; mein Mann und ich sind beide voll berufstätig und müssen irgendwie erreichbar sein. Das geht mit einem Smartphone besser - zumal es die öffentliche Telefonzelle immer seltener gibt. Er geht damit aber tatsächlich sehr gut um. Ich glaube, bei Mädchen in dem Alter ist das noch mal ein anderes Thema.




[Bild 1: © thingamajiggs - Fotolia.com; Bild 2: Thomas Kunz]




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Kommentare
Anzahl der Kommentare: 1
Mittwoch, 23.01.13 12:32
 

Übrigens:

Kerstin Andreae strebt Direktmandat in Freiburg an:

http://www.badische-zeitung.de/kerstin-andreae-strebt-direktmandat-in-freiburg-an

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