
Rote und grüne Knöpfe
blinken durcheinander, bis nur noch ein grünes Licht aufleuchtet. Christina Tibus, 36, trägt die Zündanlage in einen kleinen Raum nahe der Konzerthausbühne. Sie dreht den Schlüssel in der Anlage um und schaut erwartungsvoll zur Bühne. "Der Moment davor ist am schlimmsten. Wird alles so funktionieren, wie wir es geplant haben?"
Die ersten Töne der Filmmusik von 'The Dark Night' erklingen, und ein pyrotechnischer
Wasserfall sprüht über den Meistern herunter. Die Musik ist exakt auf die Zündmomente der Wasserfall-Chereografie abgestimmt. Die frisch ausgebildeten Schreiner-, Friseur-, Lakierer-, Maler- und Elektromeister stehen mit einer Goldmedaille, einem roten Schal und ihrer Meisterurkunde auf der Bühne und genießen den Beifall von Familie, Freunden und Kollegen.
Den Zuschauern eine Geschichte erzählen
Das Pyrotechniker-Ehepaar Tibus aus Freiburg-Au betreibt seit 2003 die Firma Impulswerk. "Wir möchten den Zuschauern eine Geschichte erzählen, wenn die Feuerwerkskörper zünden", sagt Oliver Tibus, 39. Das Ehepaar arbeitet für Feiern, Shows, Festivals, Hochzeiten, Messen und an eigenen Feuer-Konzepten. Sie zünden Feuerwerke nur mit digitaler Zündtechnik und schießen die Feuerwerkskörper musiksynchron in den Himmel. Sie entwerfen die
Choreografie auf jedes einzelne Musikstück und programmieren sie am PC vor.
Sobald am Auslöser, der einen Funken erzeugt, Strom anliegt, zündet das Feuerwerk. "Wir wollen, dass die Gäste auch etwas zu sehen bekommen und nicht alles wild durcheinanderknallt", sagt Christina Tibus. Je nach Größe feilen die beiden Pyrotechniker an einer Feuershow
zwischen zwei und acht Wochen. Sie machen sich viele Gedanken über den Ablauf, die musikalische Untermalung und mögliche Überraschungen.

Feuertechniker ist kein klassischer Ausbildungsberuf, auch Christina und Oliver Tibus sind
auf verschiedenen Wegen zu diesem Arbeitsfeld gekommen. Oliver ist gelernter Kommunikationselektroniker und Diplominformatiker. Christina ist Pyrotechnikerin für Bühne, Film und Fernsehen und hat beim Freiburger Aktionstheater
Pan Optikum gearbeitet. Ihre Firma Impulswerk haben die beiden schon während ihres Studiums gegründet, nachdem sie sich in der Veranstaltungstechnik etabliert hatten.
Wer zünden darf und wer nicht, das regelt das deutsche Sprengstoffrecht. Das Pyrotechniker-Ehepaar erzählt, dass seit den Anschlägen vom
11. September 2001 einige Auflagen für Pyrotechniker in Deutschland verschärft worden sind. Die rechtliche Situation ist kompliziert: Sie brauchen eine Erlaubnis, um in ihrer Firma arbeiten zu dürfen. Dann darf Oliver Feuertechnik in Verkehr bringen und Artikel kaufen; Was die Beiden unterscheidet ist, dass Oliver nur Großfeuerwerke, und Christina nur bei szenischer Notwendigkeit (Bühne, Film etc) schießen darf; dafür aber mit gewerblichem Sprengstoff. Sie muss einen Befähigungsschein erwerben, um als Pyrotechnikerin auch Geld zu verdienen. Damit kann sie im Auftrag ihres Mannes in der Pyrotechnik arbeiten.
Man benötigt 26 Helferscheine
Junge Menschen, die Feuertechniker werden wollen, haben es schwer. Als Anfänger benötigt man 26 Helferscheine. Das sind 26 Großfeuerwerke, an denen man teilnehmen muss. Das ist schwer, weil es in der Region um Freiburg neben dem Impulswerk nur wenige größere Pyrotechniker-Firmen gibt, bei denen man Helferscheine machen könnte. Außerdem sollte, wer Pyrotechniker werden will, mit der
Polizei keine Probleme gehabt haben. "Jeder, der alkoholisiert Auto gefahren ist und erwischt wurde, kommt für diesen Beruf nicht mehr in Frage", sagt Christina Tibus. "Er bekommt keine Unbedenklichkeitsbescheinigung."

Die Musik verstummt, und das Wasserfallfeuerwerk von Christina und Oliver Tibus geht zuende. Sie umarmen sich am Bühnenrand. Die Pyrotechniker haben es wieder einmal geschafft: Ihr Feuerwerk war eine
große Überraschung, die Gäste der Veranstaltung hatten Spaß daran. Das Publikum verlässt den Saal. Christina steht am Bühnenrand und hält die Zündanlage fest. Sie und ihr Mann lassen die Gäste an sich vorüber ziehen. Christina dreht den Schlüssel heraus. Kein Licht blinkt mehr. Als alle Meister den Saal verlassen haben, gehen auch die Pyrotechniker durch den kleinen Raum hinaus.

[Fotos:
DominiK Probst]