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Ein Weihnachtsbaum aus Kappel: Zu Besuch in Hugo Bernauers Tannenwald

Mehr als 29 Millionen Weihnachtsbäume haben die Deutschen 2011 gekauft - auf Supermarkt-Parkplätzen, in Schwimmbädern oder vor Kirchen. Drei Viertel der Bäume kommen aus Deutschland, der Rest aus Polen, Ungarn und Dänemark. Wer einen Baum aus der Region will, kann sich in Hugo Bernauers Tannenwald in Freiburg-Kappel 'seinen' Baum' aussuchen. fudder-Autorin Julia Mungenast hat ihn besucht:



Die Motorsäge jault auf. Hugo Bernauer steht in orangefarbener Schutzkleidung, dicken Schneehandschuhen und mit einem Jagdhut auf dem Kopf neben einer Zweimeter-Tanne. Auf den Zweigen des Baumes liegt Schnee. Bernauer, 62, gehört ein Tannenbaum-Privatwald in Kappel. Er setzt seine Säge zehn Zentimeter über dem Boden an den Tannenstamm und sägt zunächst nur eine zweizentimeter dicke Einschnittstelle. "Dieser Baum ist besonders schön", ruft er. Durch den Lärm der Motorsäge versteht man ihn nur schwer.

Er geht etwas tiefer in die Hocke und trennt den Zwei-Meter-Baum vollständig von seinem Stamm. Die Nordmanntanne fällt zur Seite, verfängt sich an der Neben-Tanne und liegt dann im Schnee. Mitarbeiter Thomas Hasemann kommt dazu und zieht die Tanne zum Anhänger des Geländewagens. Er wirft sie auf ihn, ganz so, als sei sie federleicht.

Der Geländewagen steht auf einem eisglatten Weg; Schneeketten verhindern, dass der Wagen links den Abgrund ins Tal hinabrutscht. Die Tannenkultur ist umgeben von einem Drahtzaun. "Diese Zäune brauchen wir", sagt Bernauer. "Vor allem Rehe würden uns sonst die Bäume anfressen. Unsere Arbeit wäre umsonst."

Eine Nordmanntanne kostet 18 Euro

Das heutige Tagesziel: 40 Nordmanntannen schlagen. Bernauer geht einige Schritte weiter hinein, zwischen die Bäume. Die Tannenbaumkultur ist knapp 100 Meter lang. Auf dieser Fläche stehen ausschließlich Nordmanntannen; sie sind seit Jahren der beliebteste Baum der Deutschen. "Wir müssen bei der Anpflanzung zwölf Jahre vorausplanen, welche Sorte die Käufer mögen werden: In der Vergangenheit hatten wir mit der Nordmanntanne nie Pech," sagt er. Eine Nordmanntanne kostet bei Bernauers 18 Euro - in Deutschland 2012 der Durchschnittspreis.

Bernauer verkauft die selbst geschlagenen Tannen gemeinsam mit seiner Frau Maria in Kappel. Zusätzlich veranstalten sie regelmäßig Tannenbaum-Schlag-Aktionen: Wer seinen Baum fürs Weihnachtsfest selbst aussuchen und absägen möchte, bekommt von ihnen eine Blattsäge und Beratung. "Jeder Käufer verlangt etwas anderes", sagt Bernauer. "Jeder Baum wächst wie er will, das kann ich nur bis zu einem bestimmten Punkt beeinflussen." Zum Glück seien die Käufer unterschiedlich. "Die einen mögen Bäume, die wenig nadeln; andere wollen, dass die Nadeln nur oben wachsen oder nur vorne. Wieder andere legen Wert auf Größe, Geruch und Farbe des Baums."



Bernauer zeigt auf einzelne Tannen, die dicht nebeneinander stehen. Er erklärt, dass diese Bäume heute geschlagen werden müssten. "Im Sommer nehmen sie sich den Raum weg. Aber sonst ist dieser Platz für Tannen ideal: eine große, freie Fläche auf die im Sommer ausreichend Sonne scheint." Nur die Bussarde, die hier vermehrt vorkommen, machen den Bernauers zu schaffen. Die Vögel setzen sich gerne auf die Baumspitze, den Terminaltrieb der Bäume, sodass sie nicht weiter wächst und verkümmert. "Das mögen manche Käufer nicht", sagt er.

Bernauer düngt jeden Baum einzeln

Der Tannenwald gehört der Familie Bernauer in zweiter Generation. Sieben verschiedene Tannensorten haben sie auf dem Stück Land angepflanzt: Nordmanntannen, Nobilis-Tanne, Blaufichten, Fichten, Weißtannen, Kegeltannen, Korktannen und Colorado-Tannen. Schon Hugos Vater Josef kümmerte sich zusammen mit seiner Frau und seinen fünf Kindern darum, dass die Tannenbäume möglichst gut wachsen. 

Der Hänger ist voll. "Das werden wohl 40 Bäume sein", schätzt Bernauer. "Ich habe ganz vergessen, sie zu zählen." Auf der Rückfahrt durch seinen Tannenwald erklärt er, dass er jeden Baum einzeln düngt. Das nennt sich Punktdüngung und bedeutet, dass jeder Baum nur die Menge an Streudünger bekommt, die er benötigt.
In der offenen Garage am Haus steht ein festlich dekorierter Tisch für Kunden. Maria Bernauer bastelt die Kleinigkeiten; sie kümmert sich auch um den Verkauf der Bäume. Auf dem Tisch liegen: gesägte Holzbäume, Kerzen, Tannenzweige, die zu einem kleinen Baum im Topf zusammengebunden sind, Kränze und Baumanhänger aus Filz.

Hugo Bernauer und Thomas Hasemann sind zurück am Haus. Sie laden einen Baum nach dem anderen ab und legen sie in den Hof. Maria Bernauer hilft ihnen dabei - und zählt. Als sie fertig sind, stellen sie fest: Es sind heute doch nur 34 Tannen geworden.









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Kommentare
Anzahl der Kommentare: 1
Donnerstag, 20.12.12 14:40
 

...nett - passend zum bevorstehenden Fest ;-)

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